Inschriftenkatalog: Landkreis Hildesheim

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 88: Landkreis Hildesheim (2014)

Nr. 391 Heinum, ev. Kapelle 1639

Beschreibung

Glocke. Bronze. Inschrift A verläuft in zwei Zeilen unterhalb der Glockenschulter zwischen drei Riemenstegen, unterhalb ein Schnursteg und ein Ornamentfries. In Inschrift A nach 1639 drei Rosetten, die übrigen Worttrenner als querliegende Rauten. Inschrift B auf der Flanke unter einem Bild des Evangelisten Johannes.1) Die erhaben ausgeführte Inschrift konnte wegen der engen Hängung nur zum Teil am Original transkribiert werden.

Inschriften teilweise nach Kdm.

Maße: H.: 50 cm; Dm.: 59 cm; Bu.: 1,4 cm (A), 1,6 cm (B).

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 88, Nr. 391 - Heinum, ev. Kapelle - 1639

 Akademie der Wissenschaften zu Göttingen (Christine Wulf) [1/1]

  1. A

    TILE · SIVERS · VND · BARTOLD · NORDEN P(RO) T(EMPORE) ALTERLEVT ZV HEINEN M(EISTER) HINRICH QVENSTEDT INa) HILDESHEIMB · 1639 · · · GOES MICHb)

  2. B

    ANNO PAX JESV FAC IN ORBE REDVXc) VIGEAT / PETITE OMNES2)WARNERVS OPORINVSd) / P(ASTOR)e) ECCL(ES)I(AE) RHED(ENAE)

Übersetzung:

Tile Sievers und Bartold Norden waren zu der Zeit Älterleute in Heinum. Meister Hinrich Quenstaedt in Hildesheim goss mich 1639. (A)

Im Jahr 1639: Jesus, bewirke, dass Friede im Erdkreis wieder einziehe und erstarke, bittet alle darum. Werner Oporinus, Pastor der Rhedener Kirche. (B)

Versmaß: Chronostichon aus einem Hexameter (B, PAX … OMNES).

Kommentar

Zu Hinrich Quenstaedt vgl. den Kommentar zu Nr. 384.3) Die Glocke in Heinum trägt denselben Blattfries wie die ein Jahr zuvor von Quenstaedt gegossene Glocke in Rautenberg (Nr. 384).

Der dem Guss dieser Glocke zugrunde liegende Vertrag zwischen dem Pastor Werner Oporinus und den Älterleuten auf der einen und dem Glockengießer Hinrich Quenstaedt auf der anderen Seite wurde am 22. März 1639 geschlossen.4) Aus ihm geht hervor, dass Glocke und Klöppel in Hildesheim hergestellt und am 25. Mai in Heinum aufgehängt wurden. Auf Wunsch der Älterleute wurde alte glocken speiß für den neuen Guss verwendet. Inschrift und Glockenzier gehen auf den Entwurf des Pastors Oporinus zurück. Der in Inschrift A erwähnte Ältermann Tile Sivers war bei der Lieferung der Glocke anwesend und hat die Abrechnung erledigt.

Näheres zu Oporinus im Kommentar zu seiner Grabinschrift Nr. 339. Das Chronostichon B ist unter dem Eindruck des Dreißigjährigen Krieges verfasst.

Textkritischer Apparat

  1. P(RO) … IN] Nach Kdm.
  2. ES MICH] Nach Kdm.
  3. ANNO PAX JESV FAC IN ORBE RE] Nach Kdm.
  4. PETITE OMNES WARNERVS OPORI] Nach Kdm.
  5. P(ASTOR)] Nach Kdm.

Anmerkungen

  1. Dieser Teil der Beschreibung nach Kdm. Kreis Alfeld II (Gronau), S. 146. Dort wird auf den schlechten Guss der Glocke hingewiesen. Die Autopsie zeigt, dass die Buchstaben in ihrer Kontur tatsächlich nicht scharf gegossen sind.
  2. Das Chronogramm ergibt das Jahr 1639, wenn man das J in JesV als I zählt.
  3. Zu den Schriftcharakteristika der verschiedenen Quenstaedt-Glocken s. a. Nr. 409, 411 u. 412.
  4. Rheden, Pfarrarchiv, ohne Signatur.

Nachweise

  1. Kdm. Kreis Alfeld II (Gronau), S. 146.

Zitierhinweis:
DI 88, Landkreis Hildesheim, Nr. 391 (Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di088g016k0039109.