Inschriftenkatalog: Landkreis Hildesheim

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 88: Landkreis Hildesheim (2014)

Nr. 383 Gronau, ev. Kirche St. Matthäi 1637

Beschreibung

Grabplatte für den Diakon Johannes Powenzius. Stein. Die hochrechteckige Platte ist außen an der Ostwand des Chors angebracht. Sie zeigt im vertieften Innenfeld unter einer Bogenarchitektur den Verstorbenen in Amtstracht. Er hält ein Buch in der linken Hand und Handschuhe in der rechten. Links neben dem Kopf als Wappenbild eines Vollwappens die Insignien des Todes: Totenkopf, Knochen und Sanduhr, rechts das Agnus Dei mit Fahne als Zeichen des ewigen Lebens. Auf dem Rand umlaufend die erhaben in vertiefter Zeile ausgeführte Inschrift. An der oberen Schmalseite ist eine Stelle im Bereich des Familiennamens ausgebessert.

Inschrift ergänzt nach Kdm.

Maße: H.: 193 cm; B.: 90 cm; Bu.: 4,3 cm.

Schriftart(en): Kapitalis mit Versalien.

DI 88, Nr. 383 - Gronau, ev. Kirche St. Matthäi - 1637

 Akademie der Wissenschaften zu Göttingen (Christine Wulf) [1/1]

  1. JOANNE[S POWE]NZIVS [M]ORAV(VS) [O]Ba) / PERSECVTIONEM PATRIAM RELINQVENS DOMVM TANDEM HVIVS ECCLE/S[IAE] ELECTVS DIACONVS / IN CHRISTO PLACIDE OBDORMIVIT QVINTO APRILIS ANNO 1637b)

Übersetzung:

Johannes Powenzius aus Mähren, der aufgrund von Verfolgung sein Vaterhaus verließ und schließlich zum Diakon dieser Kirche gewählt wurde, entschlief friedlich in Christus am 5. April im Jahr 1637.

Kommentar

An der Schrift fallen die schmalen, spitzoval ausgeführten O mit schräger Schattenachse auf; S und C mit Zierhäkchen an den Bogenenden; R mit geschwungener, unter die Grundlinie gezogener Cauda.

Johannes Powenzius aus Iglau in Mähren hatte von 1635 (?) bis zu seinem Tod am 5. April 1637 die zweite Pfarrstelle in Gronau inne.1) Die in der Inschrift genannten Lebensumstände legen nahe, dass er im Rahmen der Rekatholisierung Böhmens und Mährens nach der Schlacht am Weißen Berge (1620) aus seiner Heimat vertrieben worden war.2)

Textkritischer Apparat

  1. [O]B] Klammern so in Kdm.
  2. Danach ein Ornament.

Anmerkungen

  1. Meyer, Pastoren, Bd. 1, S. 351 u. Bd. 3, S. 21.
  2. Vgl. Olivier Chaline, Die Schlacht am Weissen Berg (8. November 1620). In: Kat. 1648 – Krieg und Frieden in Europa. 3 Bde., hg. von Klaus Bußmann/Heinz Schilling. Münster 1998, hier Textband 1, S. 95–101.

Nachweise

  1. Mithoff, Kunstdenkmale Fürstenthum Hildesheim, S. 82.
  2. Kdm. Kreis Alfeld II (Gronau), S. 95.

Zitierhinweis:
DI 88, Landkreis Hildesheim, Nr. 383 (Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di088g016k0038303.