Inschriftenkatalog: Landkreis Hildesheim

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 88: Landkreis Hildesheim (2014)

Nr. 268 Petze, ev. Kirche 1599

Beschreibung

Glocke. Bronze. Die erhaben gegossene Inschrift A befindet sich unterhalb der Glockenschulter unter einem Kreuzblumenfries zwischen Riemenstegen, darunter auf der Flanke die den Namen zugehörigen Wappen; (B) über Ringstegen am Wolm. Als Worttrenner Sternchen, Rosetten und Blattornamente.

Maße: H.: 81 cm; Dm.: 95 cm; Bu.: 3,5–4 cm (A), 2,7 cm (B).

Schriftart(en): Schrägliegende Kapitalis.

DI 88, Nr. 268 - Petze, ev. Kirche - 1599

 Akademie der Wissenschaften zu Göttingen (Christine Wulf) [1/1]

  1. A

    ANNOa) 1599 · VERBVM · DOMINI · MANET · IN · AETERNVM1) ·/ D(E) BOCKE · V(ON) · NORTHOLT · D(E) WRISBERG · D(E) MONCHVSEN · D(E) STEINBERG

  2. B

    CHRIS(TOFFER) · HORNBARCH ME FECIT · ERNST WERDEKEN VOGT HINRICH LOEMAN HANS GREVENb) · OLDERLVT

Übersetzung:

Das Wort des Herrn bleibt in Ewigkeit. (A)

Christoffer Horenbarch hat mich gemacht. (B)

Wappen:
Bock von Northolz*, Wrisberg*, Münchhausen*, Steinberg*

Kommentar

Die Buchstaben der Inschrift fallen durch unterschiedliche Buchstabenhöhen und -abstände auf; in WRISBERG findet sich ein besonders kleines und sehr schrägliegendes E; generell ist E mit deutlich verlängertem unteren und sehr kurzem mittleren Balken ausgeführt.

Von den durch Inschrift A und die Wappen als Stifter der Glocke ausgewiesenen Familien war die Familie von Wrisberg seit 1422 vom Bischof von Hildesheim mit dem Dorf und dem Kirchenpatronat in Petze belehnt.2) Die im Zentrum der Reihe positionierten Wappen Wrisberg und Münchhausen könnten auf das seit 1582 verheiratete Paar Christoph von Wrisberg und Gertrud von Münchhausen3) hindeuten (Nr. 301 u. 345), zumal eine mit den Wappen der Eheleute versehene Steintafel in Wrisbergholzen (Nr. 347) ebenfalls die Devise VERBUM DOMINI MANET IN AETERNUM zeigt. Die übrigen Wappen lassen sich aber nicht in die Genealogie der Genannten einordnen, sodass die vier Wappen keine Ahnenprobe darstellen, sondern eher für eine Stiftergemeinschaft stehen dürften.

Von Christoffer Horenbarch sind neben dieser sieben weitere Glocken aus der Region nachzuweisen.4) Seine Meistersignaturen sind alle lateinisch und im me fecit-Formular abgefasst. Aus Hannover sind die Inschriften auf zwei 1573 entstandenen Geschützen dieses Gießers überliefert.5)

Textkritischer Apparat

  1. ANNO] Fehlt Kdm., Drömann.
  2. GREVEN] CREVEN Kdm., Drömann.

Anmerkungen

  1. Protestantische Devise nach 1. Pt. 1,25.
  2. Reden-Dohna, Rittersitze, S. 156.
  3. Stammtafeln Münchhausen, S. 104 (Nr. 214 Gertrud von Münchhausen).
  4. Seine Arbeiten in chronologischer Reihenfolge: 1565 Schulenburg (Region Hannover), vgl. Kdm. Kreis Springe, S. 189. – 1567 Leveste (Region Hannover), vgl. Kdm. Kreise Hannover und Linden, S. 101. – 1578 Bilm (Region Hannover), vgl. Glockenkartei Waack. – 1581 Bönnien (Nr. 199). – 1582 Wunstorf (Region Hannover), vgl. Kdm. Kreis Neustadt am Rübenberge, S. 219. – 1584 Kolenfeld (Region Hannover), vgl. ebd., S. 85. – 1588 Hohnhorst (Lkr. Schaumburg), vgl. Kdm. Kreis Grafschaft Schaumburg, S. 66. – Vgl. Walter, Glockenkunde, S. 775.
  5. DI 36 (Stadt Hannover), Nr. 151f.

Nachweise

  1. Mithoff, Kunstdenkmale Fürstenthum Hildesheim, S. 214.
  2. Kdm. Kreis Alfeld II (Gronau), S. 182.
  3. Drömann, Glocken, S. 59.

Zitierhinweis:
DI 88, Landkreis Hildesheim, Nr. 268 (Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di088g016k0026801.