Inschriftenkatalog: Landkreis Hildesheim

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 88: Landkreis Hildesheim (2014)

Nr. 219 Imsen, ev. Kirche St. Urban 1588

Beschreibung

Glocke. Bronze. Der ursprüngliche Standort war das Obergeschoss des Treppenturms auf Gut Wispenstein. Das Kunstdenkmälerinventar von 1939 verzeichnet sie noch dort, Drömann nennt 1979 bereits Imsen als Standort.1) Inschrift A zwischen Riemenstegen unterhalb der Glockenschulter, unterhalb der Inschrift ein Ornamentfries. Am Anfang und am Ende der Inschrift A je ein identisches Relief, das jeweils einen Steinbock, das Wappenbild der Familie von Steinberg, zeigt. Inschrift B auf der Flanke neben einem Pilgerzeichen mit einer Darstellung des Agnus Dei, zwischen den Einzelbuchstaben Rosetten, Inschrift C am Schlagring zwischen Riemenstegen, nach FREDERICH ein Medaillon mit Meerweibchen, nach BILEFELDT und nach FECIT je ein Medaillon mit einem steigenden Löwen und den Buchstaben IH, am Schluss der Inschrift die bekrönte Einbecker Stadtmarke, als Worttrenner Rosetten und Sonnenwirbel. Am Wolm drei Stege, darüber weitere Medaillons mit einer Darstellung der Verkündigung, einer Kreuzigungsgruppe und Rosetten. Die Inschriften sind erhaben gegossen, die Einzelbuchstaben unsauber ausgeführt.

Maße: H.: 75 cm; Dm.: 87,5 cm; Bu.: 2,5–3 cm.

Schriftart(en): Kapitalis mit Elementen der frühhumanistischen Kapitalis.

DI 88, Nr. 219 - Imsen, ev. Kirche St. Urban - 1588

 Akademie der Wissenschaften zu Göttingen (Christine Wulf) [1/1]

  1. A

    SIVERDT · VNDT · SIVERDT · DE · GEVEDDERENa) · VON · STEINBARGE ·

  2. B

    · T(ILEMANNVS) · M(ESSORIVS) · O(TTHILEGENSIS)b)

  3. C

    VERBVM · DOMINI · MANET · IN · AETERNVM2) · AMEN · FREDERICH · BILEFELDT · ME · FECIT · IN · EIMBECK · ANNO · 1588

Übersetzung:

Das Wort des Herrn bleibt in Ewigkeit. Amen. Friedrich Bielefeldt hat mich in Einbeck gemacht im Jahr 1588.

Kommentar

Die unregelmäßig spationierte und mit ungleich hohen, schmalen Buchstaben ausgeführte Kapitalis weist als Zierelemente Nodi an Schäften und Balken bei I und H auf. Überwiegend spiegelverkehrte N stehen im Wechsel mit wenigen kapitalen N; D in der Form des offenen kapitalen D, der Bogen ist über den Schaft hinausgeführt.

Das Gut Wispenstein war seit der Mitte des 15. Jahrhunderts im Besitz der Familie von Steinberg, die auch den Patronat der Kirche in Imsen innehatte.3) Die beiden Stifter dürften mit Sieverdt, dem ältesten Sohn aus der Ehe zwischen Melchior von Steinberg und Jutta von Saldern (Nr. 195), und Sieverdt, dem sechsten Sohn aus der Ehe zwischen Sieverdt von Steinberg (Nr. 153) und Katharina von Hanstein (Nr. 180), zu identifizieren sein.4)

Von dem Einbecker Gießer Friedrich Bielefeldt sind außer dieser noch weitere Glocken nachzuweisen: 1580 Wellersen (Lkr. Northeim);5) 1581 Herrhausen (Lkr. Goslar);6) 1589 Altgandersheim (Lkr. Northeim), verloren; 1592 St. Johannis in Iber (Lkr. Northeim), verloren; 1601 Stift St. Alexandri in Einbeck (Lkr. Northeim); 1610 St. Gangolf in Golmbach (Lkr. Holzminden).7) Die Glocken in Iber und in Wellersen trugen ebenfalls die Devise Verbum domini manet in aeternum. Die genannten Schrifteigentümlichkeiten finden sich auch in den Inschriften der Glocken aus Golmbach und Einbeck.

Textkritischer Apparat

  1. Danach ein Medaillon.
  2. Zur Auflösung der Initialen vgl. Nr. 255.

Anmerkungen

  1. Vgl. Kdm. Kreis Alfeld I, S. 295; Drömann, Glocken, S. 56.
  2. Protestantische Devise nach 1. Pt. 1,25.
  3. Reden-Dohna, Rittersitze, S. 46f.
  4. Vgl. Behrens, Herren von Steinberg, S. 63, N. 156 u. S. 62, N. 148.
  5. Kdm. Kreis Gandersheim, S. 299: M. E(statt F)rederick Bilevelt heft dusse Klocken goten im jar MDIXXXL (!).
  6. Nachweis Glockenkartei Waack.
  7. Kdm. Kreis Gandersheim, S. 12 (Altgandersheim); DI 42 (Stadt Einbeck), Nr. 115 (Iber), Nr. 134 (Einbeck); DI 83 (Lkr. Holzminden), Nr. 179 (Golmbach).

Nachweise

  1. Kdm. Kreis Alfeld I, S. 298 (Abb. u. Zeichnung).
  2. Graff, Geschichte des Kreises Alfeld, S. 309.
  3. Drömann, Glocken, S. 56.

Zitierhinweis:
DI 88, Landkreis Hildesheim, Nr. 219 (Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di088g016k0021905.