Inschriftenkatalog: Landkreis Hildesheim

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 88: Landkreis Hildesheim (2014)

Nr. 175 Brunkensen, ev. Kirche St. Martin 1566

Beschreibung

Balken. Holz, bemalt. Im Vorgängerbau der heutigen, 1719 errichteten Kirche war der Balken hinter dem Aufgang zur Kanzel angebracht, zum Zeitpunkt der Aufnahme (Sommer 2009) war er im Dachgebälk der Kirche eingebaut. Ob der ursprüngliche Standort tatsächlich die Kirche war oder ob der Balken vom Gut stammt, ist unbekannt. Der Balken ist links verkürzt, dadurch Textverlust am Anfang. Die Inschrift ist mit schwarzer Farbe zwischen zwei Linien auf das Holz aufgemalt.

Inschrift ergänzt nach Düerkop.

Maße: H.: 23,5 cm; L.: 565 cm; Bu.: 3,7 cm.

Schriftart(en): Frühhumanistische Kapitalis.

DI 88, Nr. 175 - Brunkensen, ev. Kirche St. Martin - 1566

 Akademie der Wissenschaften zu Göttingen (Christine Wulf) [1/2]

  1. [ANNO 1566 IS TAU BRUNKENSEN CHRISTOF]FEL · WRISBARCH · EIN · OVERSTE · LVCRETIA · SC[. . . .]Na) · SIN · EILICKE · GEMAL · DE · SINT · TO · DER · TID · HIR · HVSHOLDERS · [GEWE]ST · VNDE · IS · DO · SVLVEST · EINNE · GROTE · DVRE·TID · GEWEST · DAT · MOLDER ROGGEN · VOR · TWE · DALER · WEN · GOT · WILL / [ – – – ] JASPER · MARCKGREVE · GET · GEWb)

Übersetzung:

Im Jahr 1566 sind in Brunkensen der Oberst Christoph Wrisberg und Lukretia Schlorn, seine Ehefrau, zu der Zeit hier Hausherren gewesen. Und es ist in dieser Zeit eine große Teuerung gewesen. Das Malter Roggen kostete zwei Taler, so Gott will. […] Jasper Marckgrefe […].

Kommentar

Die Schrift ist charakteristiert durch die ausgeprägt runden Formen von D, E und G, weiterhin von Ausbuchtungen an Hasten und Balken und einem deutlichen Wechsel der Strichstärken.

Biografisches zu Christoph von Wrisberg (gest. 1580) und Lukretia von Schlorn, genannt von Gelen (gest. 1599), s. im Kommentar zu Nr. 197. Der Inschrift zufolge erhielt Christoph von Wrisberg spätestens im Jahr 1566 das Haus Brunkensen neben den Zinseinkünften aus Röllinghausen (bei Alfeld).1) Nach seinem Tod stiftete seine Witwe Lukretia von Schlorn der Kirche in Brunkensen, deren Patronat die Familie von Wrisberg innehatte, 300 Reichstaler als Entschädigung dafür, dass ihr verstorbener Ehemann das Kirchenland an seinen Hof zur Bewirtschaftung gezogen hatte.2) Christoph von Wrisberg wurde nicht in seiner Patronatskirche bestattet, sondern in St. Nicolai in Alfeld (vgl. Nr. 197). Das Jahr 1566 gilt allgemein als Hungerjahr, besonders betroffen waren die Niederlande.3)

Textkritischer Apparat

  1. Zu ergänzen ist SC[HLOR]N.
  2. Wahrscheinlich GEWEST.

Anmerkungen

  1. Zu den Besitzungen der Familie von Wrisberg vgl. Wilhelm Hartmann, Ursprung und Herkommen der Herren von Wrisberg. In: Alt-Hildesheim 22 (1951), S. 9–13, hier S. 11.
  2. Pfarrgemeinde Brunkensen, Pfarrarchiv, Kirchenbuch von 1570–1723, fol. 10r (gestempelte Zählung).
  3. Näheres dazu: Wilhelm Abel, Massenarmut und Hungerkrisen im vorindustriellen Europa. Hamburg 1974, S. 67–69 mit Abb. 8.

Nachweise

  1. Walter Düerkop, Alfeld-Brunkensen. Die Martinskirche, 1978. Online unter: http://www.brunkensen.de/ortschaft/martinskirche_duerkop.pdf, hier S. 5 (letzter Zugriff am 19.11.2013).

Zitierhinweis:
DI 88, Landkreis Hildesheim, Nr. 175 (Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di088g016k0017501.