Inschriftenkatalog: Stadt Helmstedt

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 61: Stadt Helmstedt (2005)

Nr. 525 Juleum 18. Jh.

Beschreibung

Gemälde. Porträt des Franz Dominikus Häberlin. Öl auf Leinwand. Im Bibliothekssaal an der Südwand, zweites Bild von Westen. Bei einer Restaurierung Ende der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts erhielt es den jetzigen Rahmen1). Der Porträtierte vor dunklem Hintergrund in Halbfigur mit Zopfperücke, in dunkelbraunem Obergewand, weißer, mit applizierten goldfarbenen Pflanzenornamenten und goldenen Knöpfen verzierter Weste, weißem, von Rüschen besetztem Hemd und weißer Halsbinde. Über Händen und linkem Arm blau glänzende Stoffdrapierung. In der linken oberen Ecke die gemalte Inschrift, gold auf dunklem Grund.

Maße: H.: 78 cm; B.: 66 cm (ohne Rahmen); Bu.: 3 cm.

Schriftart(en): Antiqua.

DI 61, Nr. 525 - Juleum - 18. Jh.

 Sabine Wehking [1/1]

  1. Franc(iscus) Dominic(us) / Haeberlin

Kommentar

Das Bild zeigt in der Darstellung der Person große Verwandtschaft mit einem Porträtstich, den der Augsburger Kupferstechers Johann Jakob Haid (1704–1767)2) in den 60er Jahren angefertigt hat. Dessen Vorlage ist laut Beischrift von einem nicht zu identifizierenden G. K. Harnisch zu Lebzeiten Häberlins gemalt worden3). Das Helmstedter Bild dürfte wohl eher nach dem Vorbild des Stiches gemalt worden sein als umgekehrt4), denn der Stich bietet nicht die beim umgekehrten Vorgehen sich häufig ergebende Seitenvertauschung. Auch fehlt im Helmstedter Bild der auf dem Stich vermerkte Name des Malers, d. h. der unbekannte Maler des Helmstedter Bildes dürfte kaum identisch sein mit dem Maler G. K. Harnisch, der sich auf dem Stich nennt. Danach hat zwar die Priorität des Stiches einige Wahrscheinlichkeit für sich, ob aber das Bild noch zu Lebzeiten Häberlins oder nach seinem Tod entstanden ist, muß offenbleiben.

Franz Dominikus Häberlin (1720–1787), „bekannt als Reichshistoriker“5) und Vater des „letzten großen Reichsrechtlers“, des Helmstedter Professors Karl Friedrich Häberlin, studierte in Göttingen und wurde 1746 zunächst zum außerordentlichen, 1747 zum ordentlichen Professor der Geschichte in Helmstedt ernannt. 1748 zum Doktor der Rechte promoviert, erhielt er 1751 zusätzlich eine Professur in der juristischen Fakultät. Als Bibliothekar hat er um 1760 den Umbau der beiden Hörsäle im Obergeschoß des Juleums zum jetzigen Bibliotheksraum mit Erfolg durchgesetzt und sich um die Anlage des Kataloges verdient gemacht6).

Anmerkungen

  1. Frdl. Auskunft des Leiters der Ehem. Universitätsbibliothek Helmstedt, Herrn R. Volkmann.
  2. Zu ihm Thieme/Becker, Bd. 15, S. 480f.
  3. Abgebildet bei Mortzfeld, Porträtsammlung, A 8530. Die schwer lesbare Unterschrift lautet G. K. (oder H?) Harnisch ad vivum pinxit 176(?).
  4. Beide Verfahren waren verbreitet, vgl. Oehme, Jenaer Professoren, S. 12.
  5. Kundert, Katalog, S. 135. Das Folgende ebenda. Vgl. auch Ahrens, Lehrkräfte, S. 97.
  6. Dazu Schneider, Beiträge, S. 72ff.

Zitierhinweis:
DI 61, Stadt Helmstedt, Nr. 525 (Ingrid Henze), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di061g011k0052508.