Inschriftenkatalog: Stadt Helmstedt

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 61: Stadt Helmstedt (2005)

Nr. 511 St. Stephani 1785

Beschreibung

Grabplatte des Anton Julius von der Hardt. Sandstein. An der südlichen Kirchenaußenwand, dritter Stein rechts vom Westportal. Auf der hochrechteckigen Platte leicht erhabenes, an den Ecken abgerundetes Schriftfeld. Die letzten vier Zeilen der eingehauenen Inschrift sind durch Querstrich abgetrennt. Die gleiche Flächenaufteilung auch bei der links anschließenden Grabplatte der Ehefrau des Verstorbenen Nr. 506. Bei Anton Julius von der Hardt zusätzlich oben in der Mitte Wappenschild mit Mitra und gekreuzten Abtsstäben in gerahmtem, rundem Feld.

Maße: H.: 225 cm; B.: 105 cm; Bu.: 2,5–5 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 61, Nr. 511 - St. Stephani - 1785

 Sabine Wehking [1/1]

  1. HIC SITUS EST / VIR DOCTRINA PIETATE ET MERITIS / DE ACADEMIA IVLIA CAROLINA / SPECTATISSIMUS / ANTONIUS IULIUS VON DER HARDT / S(ANCTAE) THEOL(OGIAE) DOCT(OR) THEOL(OGIAE) ET LINGUAR(UM) ORIENT(ALIUM) P(ROFESSOR) P(UBLICUS) O(RDINARIUS) / ACADEM(IAE) SENIOR ET ABBAS AD MICHAELIS LAPIDEM / GENITUS A / IOHANNE PETRO VON DER HARDT / EX VETERI ET ILLUSTRI PROSAPIA NATO / VICARIO CAPITULI S(ANCTI) BLASII ET PRAEPOSITO / VECTIGALIBUS QUAE ACCISAM VOCANT / LUCEM ASPEXIT BRUNOVICI D(IE) XIII. NOV(EMBRIS) MDCCVII. / UXOREM DUXIT D(IE) XXVII. SEP(TEMBRIS) MDCCXLVI. / IOHANNAM IULIANAM HENNINGEN / IOHANNIS HENNINGEN / S(ANCTAE) TEOL(OGIAE)a) D(OCTORIS) CONSILIAR(II) CONSISTOR(IALIS) ET ARCHIDIACON(I) HELMSTADIENS(IS) / FILIAM NATU MINIMAM / QUA MORTUA D(IE) VI[II]b). IUN(II) MDCCLI. / MATRIMONIO SIBI IUNXIT D(IE) XXII. MAII MDCCLX / HENRIETTAM IUSTINAM WAGNER / RUDOLPHI WAGNERI / PROFESSORIS HELMSTAD(IENSIS) FILIAM / ASCAN(II) CHRISTOPH(ORI) MEELBAUMII / ECCLES(IAE) HELMST(ADIENSIS) ARCHIDIAC(ONI) VIDUAM / ET HAC AMISSA D(IE) XVIII. SEPT(EMBRIS) MDCCLXXX. / IPSE IN MELIOREM VITAM MIGRAVIT / D(IE) XXVII. IUN(II) MDCCLXXXV EXACTIS / FERE ANNIS LXXVIII. // PARENTI OPTIMO LUGENTES POSUERE / FILIAEc) IOANNA IULIANA NUPTA / MULLERO SOPHIA DOROTHEA / ET ELISABETHA FRIDERICA

Übersetzung:

Hier liegt der wegen seiner Gelehrsamkeit, Frömmigkeit und seiner Verdienste um die Academia Julia Carolina hochangesehene Anton Julius von der Hardt, der hl. Theologie Doktor, derselben und der orientalischen Sprachen öffentlicher ordentlicher Professor, Senior der Akademie und Abt von Michaelstein, Sohn des Johann Peter von der Hardt aus einem alten und berühmten Geschlecht, des Vikars des Domkapitels St. Blasius und des Vorstehers der Steuern, die man Akzise nennt. Er erblickte das Licht der Welt in Braunschweig am 13. November 1707, heiratete am 27. September 1746 Johanna Juliane Henninges, die jüngste Tochter des Johannes Henninges, Doktors der hl. Theologie, Konsistorialrats und Archidiakons zu Helmstedt. Nachdem diese am 8. Juni 1751 verstorben war, nahm er sich am 22. Mai 1760 Henriette Justine Wagner zur Frau, Tochter des Rudolph Wagner, Professors in Helmstedt, und Witwe des Askanius Christoph Mehlbaum, Archidiakons an der Helmstedter Kirche. Nachdem er auch sie am 18. September 1780 verloren hatte, begab er sich selbst in ein besseres Leben am 27. Juni 1785 nach Vollendung von fast achtundsiebzig Jahren. Dem besten Vater setzten die trauernden Töchter Johanna Juliane verheiratete Müller, Sophie Dorothea und Elisabeth Friederike (dieses Denkmal).

Wappen:
Anton Julius von der Hardt, Abt von Michaelstein1)

Kommentar

Die Inschrift ist die jüngste unter den erhaltenen und bekannten Professorengrabschriften. Der als Vater des Verstorbenen genannte Johann Peter von der Hardt ist von 1706 bis zu seinem Tode 1760 als Vikar von St. Blasius in Braunschweig nachweisbar2). Er führt 1706 die Berufsbezeichnung Fürstl. Br. Bibliothecarius. Sein Sohn Anton Julius3) ließ sich am 31. Mai 1725 in Helmstedt immatrikulieren4). Er wohnte bei seinem Onkel, dem Professor für orientalische Sprachen Hermann von der Hardt (vgl. Nr. 479). Nach Erwerb des Magistergrades 1728 in Wittenberg erhielt er im gleichen Jahr in Helmstedt die facultas docendi, wurde 1744 wie sein Onkel auf den Lehrstuhl für orientalische Sprachen und 1749 zusätzlich auf den Lehrstuhl für Altes Testament berufen. Kurz davor, im gleichen Jahr 1749, war er zum Doktor der Theologie promoviert worden5). Von 1746 bis 1750 verwaltete er das Amt des Universitätsbibliothekars. Mit der Würde eines Abtes des Klosters Michaelstein, Gemeinde Blankenburg, Landkreis Wernigerode, wurde er 1766 ausgezeichnet. Erwähnung findet Anton Julius von der Hardt in der älteren Literatur als Erbe der umfangreichen Bücher- und Materialsammlung des Onkels, die 1785 nach seinem Tode an Herzog Carl von Württemberg nach Stuttgart verkauft wurde, wo sie sich heute noch befindet6).

Anton Julius von der Hardts erste Ehe mit Johanna Juliane Henninges7), einer Enkelin des Justus Cellarius, verband ihn mit einer in Helmstedt hochangesehenen Theologen- und Juristenfamilie (vgl. zu Nrr. 240 und 501). Die drei das Grabdenkmal setzenden Töchter entstammen dieser Ehe. Zur zweiten Ehefrau Henriette Justine Wagner vgl. Nr. 506. Deren in der Inschrift genannter erster Ehemann Askanius Christoph Mehlbaum war in erster Ehe mit einer älteren Schwester der ersten Ehefrau von Anton Julius von der Hardt, Johanna Juliane Henninges, verheiratet gewesen8).

Nach dem Tod seines Onkels 1746 wurde Anton Julius Eigentümer von dessen Wohnsitz Ziegenmarkt 7, dem heute als „Conringsches Haus“ bekannten stattlichen Bau des Calenberger Kanzlers Johannes Stucke (vgl. Nr. 136)9).

Textkritischer Apparat

  1. TEOL(OGIAE)] Für THEOL(OGIAE).
  2. Todestag der Johanna Juliane Henninges ist der 8. Juni, wie Anm. 7.
  3. FILIAE] A ohne Mittelbalken.

Anmerkungen

  1. Wappen Anton Julius von der Hardt, Abt von Michaelstein: quadriert, 1. und 4. Erzengel Michael, mit dem Drachen kämpfend, 2. und 3. gespalten, r. zweimal geteilt, in jedem Platz ein Stern, l. steigender Hirsch. Vgl. Siebmacher, Wappenbuch, Bd. 1, 5. Abt., 2. Reihe, ND Bd. 8, S. 24 und Bd. 5, 8. Abt., ND Bd. 11, S. 80.
  2. Döll, Kollegiatstifte, S. 341. Das Folgende ebenda.
  3. Lebensdaten nach Memoria .. Antonii Julii von der Hardt .. Academiae Juliae Carolinae nomine commendata, Helmstedt o. J. (1785), HAB Wolfenbüttel Db 2250. Vgl. auch Ahrens, Lehrkräfte, S. 101f.
  4. Matrikel Helmstedt, Bd. 3, S. 135.
  5. Seine Promotionsurkunde in Nieders. Landesbibliothek Hannover, Cm 64, 26.
  6. H. W. Rotermund, Das gelehrte Hannover, Bd. 2, Bremen 1823, S. LI und NDB 7, S. 669, Art. „Hermann von der Hardt“.
  7. Ihre Lebensdaten in: Das Gedächtnis der .. Johanna Juliana Henninges .. aus dem Lateinischen ins Deutsche übersetzt, Helmstedt o. J. (1751). Zum Vater Johannes Henninges vgl. Nr. 373.
  8. Freist/Seebaß, Pastoren, Bd. 2, S. 199.
  9. Schaper, Häuserbuch 1,4, S. 133ff.

Nachweise

  1. Henze, Helmstedt, S. 42f.

Zitierhinweis:
DI 61, Stadt Helmstedt, Nr. 511 (Ingrid Henze), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di061g011k0051104.