Inschriftenkatalog: Stadt Helmstedt

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 61: Stadt Helmstedt (2005)

Nr. 473 St. Stephani 1738

Beschreibung

Grabplatte der Sophia Elisabeth Stisser. Sandstein. An der nördlichen Kirchenaußenwand, rechts vom Westportal. Nach Querner befand sie sich um 1850 im Inneren der Kirche1). Die hochrechteckige Platte ist wie die des Ehemannes Johann Barthold Niemeier (Nr. 425) gearbeitet: Schriftfeld von beranktem Tauband oval eingerahmt, in den Ecken oben je ein Vollwappen, unten je ein Engelskopf. Inschrift erhaben ausgehauen.

Maße: H.: 220 cm; B.: 111 cm; Bu.: 3–6 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 61, Nr. 473 - St. Stephani - 1738

 Sabine Wehking [1/1]

  1. HIC . / AD . ALTERVM . LATVS / IOANNIS . BARTHOLDI . NIEMEIERI / THEOLOGI . ET . PHILOSOPHI / DVM . VIVERET . CONSVMMATI / SITA . EST . CONIVX . ALTERA / SOPHIA . ELISABETA / STISSERORVM / GENTE . ILLVSTRI . PROGNATA / HANOVERAE . A(NNO) . D(OMINI) . XVIIIIa) . IVNY MDCLXX / MORTVA HELMAESTADI / A(NNO) . D(OMINI) . XXVI . NOVEMBR(IS) . MDCCXXXVIII / IMMORTALIS . GLORIAE . MATRONA / CVI / EX . XII . ANNORVM . CON[I]VGIO . DVLCISSIMO / AT . LIBERIS . VACVO / VIDVAE . XXX . ANNORVM / BENEFICAE . COGNATORVM . EGENORVMQVE . MATRI / FRVGALITATE . LABORIS . PATIENTIA / CANDORE . PRVDENTIA . PIETATE / DE OMNIBVS . BENE . MERITAE . CARAE . OMNIBVS / MONVMENTVM . HOC . F(IERI) . C(VRAVIT) . / SORORIS . FILIA . HERES / CATHARINA . CAROLINA . LAMPADIA / NATA . BEHRENS

Übersetzung:

Hier an der anderen Seite von Johann Barthold Niemeier, dem zu Lebzeiten vollkommensten Theologen und Philosophen, liegt seine zweite Frau Sophia Elisabeth aus dem berühmten Geschlecht der Stisser, geboren in Hannover im Jahre des Herrn am 19. Juni 1670, gestorben in Helmstedt im Jahre des Herrn am 26. November 1738, eine Frau von unsterblichem Ruhm. Ihr, die nach zwölfjähriger, liebevollster, aber kinderloser Ehe seit dreißig Jahren Witwe war, der wohltätigen Mutter von Anverwandten und Armen, der mit ihrer Redlichkeit, ihrer Ausdauer im Ertragen von Mühsal, ihrer Lauterkeit, Klugheit und Frömmigkeit um alle wohlverdienten und von allen geliebten, ihr ließ Catharina Carolina Lampadius, geborene Behrens, die Tochter ihrer Schwester, als Erbin dieses Denkmal errichten.

Wappen:
Stisser2), Niemeier?3)

Kommentar

Die Verstorbene ist die jüngste Tochter des Johann Kilian Stisser, Kanzleisekretärs in welfischen Diensten in Hannover, und seiner ersten Frau Catharina Hedwig Block4). Die Worte der Inschrift STISSERORVM GENTE ILLVSTRI PROGNATA sind ein vergleichsweise zurückhaltender Hinweis auf die Verdienste dieser seit Generationen in Norddeutschland bekannten Familie. Sophia Elisabeth Stisser wurde am 27. Oktober 1696 zweite Ehefrau des Helmstedter Professors Johann Barthold Niemeier (vgl. Nr. 425). Ihre Erbin, die in der Inschrift sich nennende Catharina Carolina Lampadius, geborene Behrens, ist eine Tochter der Anna Dorothea Stisser, einer jüngeren Schwester der Verstorbenen. Anna Dorothea war verheiratet mit dem Amtsschreiber in Medingen, Johann Matthias Behrens5). Ob und in welchem Grad eine verwandtschaftliche Beziehung zur ersten Ehefrau des Johann Barthold Niemeier, Anna Margaretha Behrens (vgl. Nr. 335), besteht, ließ sich nicht feststellen.

Textkritischer Apparat

  1. XVIIII] XVIII Schultz.

Anmerkungen

  1. Querner 1, S. 20.
  2. Wappen Stisser: gekreuzte Stäbe, bewinkelt oben von Stern, zu beiden Seiten und unten von Rose. Vgl. Siebmacher, Wappenbuch, Bd. 5, 2. Abt., ND Bd. 9, S. 10.
  3. Wappen Niemeier?: gespalten, r. Stern zwischen zwei Pfählen, l. drei Pfeile nach oben, gebündelt. Helmzier: drei Pfeile nach oben, gebündelt, belegt mit Stern. Nur Helmzier übereinstimmend mit der des Wappens Niemeier in Nr. 335 und Nr. 425.
  4. Vgl. K. Stisser, Stisserischer .. Stammbaum, Halle 1698, S. 33.
  5. Vgl. G. B. Falkenhagen, Leich=Predigt über den .. Abschied Der .. Anna Dorothea Stissers, Lüneburg 1699.

Nachweise

  1. Querner 2.
  2. Schultz, Grabmale 1963, S. 108.

Zitierhinweis:
DI 61, Stadt Helmstedt, Nr. 473 (Ingrid Henze), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di061g011k0047309.