Inschriftenkatalog: Stadt Helmstedt

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 61: Stadt Helmstedt (2005)

Nr. 456 St. Marienberg 1724

Beschreibung

Epitaph der Catharina Ursula Cuno1). Holz, farbig gefaßt, Ölgemälde. In der Kirche, an der Südwand der südlichen Turmkapelle. Nach Art einer Ädikula aufgebaut. Im Hauptgeschoß zwischen korinthischen Pilastern ovales Brustbild der Verstorbenen über querovaler Tafel mit Inschrift A. Über dem Gebälk Vollwappen. Unten zwischen Konsolen fast runde Tafel mit Inschrift B. Inschriften gemalt, gold auf schwarzem Grund, Farbe teilweise abgeblättert.

Maße: H.: ca. 350 cm; B.: 215 cm; Bu.: ca. 3 cm (A), 2–4 cm (B).

Schriftart(en): Fraktur (A), Fraktur mit Antiqua (B).

DI 61, Nr. 456 - St. Marienberg - 1724

 Sabine Wehking [1/2]

  1. A

    Als die Sterbenden / und siehe wir Leben2)

  2. B

    Alhier / Ruhet ein Andächtiges Hertz a)/ Die Hohe Ehrwürdige Domina a)/ Jungfer Catharina Ursula Cunoin a)/ Gebohren und wiedergebohren Zu Helmstett den 12 Martij A(nn)o 1669. / Als Domina des Marienbergischen Jungfräulichen Closters a)/ eingeführet den 22 May Anno <....> / Welche beÿ Jhrer Andacht Jesum gesucht z[u ih]m gefunden / Jm Wort a)/ Jm Tempel a)/ Jm Closter a)/ Bis Sie in Andacht zu Jhm gekommen / den 12 Octoberb) A(nn)o 1724. / Uns aber lehreht: / Wer Jesum hie nicht Andächtig suche a)/ werde Jhn dort niemahls finden.

Wappen:
Cuno3)

Kommentar

Die Verstorbene war eine Tochter des Helmstedter Bürgermeisters Franz Cuno (vgl. Nr. 334). Ihre Einführung als Domina des Klosters St. Marienberg fand am 22. Mai 1701 statt4). Ihr Epitaph bietet die einzige aus dem 18. Jahrhundert bekannte Grabschrift einer Marienberger Klosterfrau. Aus dem Formular der frühen deutschsprachigen Domina-Grabschriften hat sich Ehrwürdige .. Jungfer erhalten (vgl. Nrr. 126 und 139). Das in den älteren Inschriften ebenfalls gebrauchte andächtige wurde hier variiert und thematisch ausgeweitet.

Unter den Altargeräten von St. Walpurgis befinden sich drei Stiftungen der Catharina Ursula Cuno aus der Zeit, als sie noch nicht Domina in St. Marienberg war (Nrr. 329, 330 und 378).

Textkritischer Apparat

  1. Auf der Tafel hier Schrägstrich als Zeilentrenner.
  2. October in Antiqua.

Anmerkungen

  1. Von Meier, Kunstdenkmäler, S. 52, irrtümlich unter dem Namen „Cath. Urs. Gmoin“ aufgeführt.
  2. 2. Ko. 6,9.
  3. Wappen Cuno: gepanzerter Arm mit Schwert nach l. Vgl. Siebmacher, Wappenbuch, Bd. 5, 5. Abt., ND Bd. 10, S. 10.
  4. NStA Wolfenbüttel 4 Alt 3 Marbg. Nr. 1820, Schreiben P. von Wendhausen an J. P. Köhler vom 30. April 1701, die Introduktion der Domina betreffend.

Nachweise

  1. Kleinert, Walpurgis, S. 69.

Zitierhinweis:
DI 61, Stadt Helmstedt, Nr. 456 (Ingrid Henze), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di061g011k0045608.