Inschriftenkatalog: Stadt Helmstedt

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 61: Stadt Helmstedt (2005)

Nr. 444 St. Stephani 1714

Beschreibung

Epitaph des Andreas Homborg. Weißer und schwarzer Marmor, Ölgemälde. An der Westseite des nördlichen Choreckpfeilers in etwa zwei Meter Höhe. Dreistöckiges Epitaph, im Mittelteil ovales Bildnis des Verstorbenen über Sockel mit Vollwappen im Relief. Zu beiden Seiten des Sockels Figuren der Liebe (l.) und der Hoffnung (r.), beide auf das Porträt des Verstorbenen weisend. Am nach unten abschließenden Gesims hängend Inschrifttafel mit querovalem Schriftfeld. Gesamter Aufbau bekrönt von Figur des Glaubens, erhöht zwischen zwei Putten mit Totenschädel. Inschrift leicht eingetieft und farbig gefaßt, weiß auf dunklem Grund.

Maße: H.: ca. 380 cm; B.: ca. 165 cm; Bu: 2–3 cm.

Schriftart(en): Kapitalis mit Antiqua.

DI 61, Nr. 444 - St. Stephani - 1714

 Sabine Wehking [1/2]

  1. IMMORTALITATI / VIRI SINE MORTE MORTVI. / ANDREAE HOMBORGII. I(VRIS) V(TRIVSQVE) D(OCTORIS) et / PROF(ESSORIS) PVBL(ICI) PRIMARII / DICASTERII GVELPHICAE AVLAE ASSESSORIS GRAVISSIMI / FACVLTATIS SVAE ANTEGESSORISa) ET SENIORIS NON SERISb) / CVI / VITAM PATRIA EX SANGVINE PATRIO / a(nn)o MDCLVI. D(IE) 5. IANVARI(I) / DOCTRINAM ACADEMIAE PLVRES, IVLIA, SALANA / LIPSIENS(IS) HEIDELBERG(ENSIS) ET ARGENTORAT(ENSIS) / HONORES S(ERENISSI)MA DOMVS BRVNSVICO-LVNEBVRG(ENSIS) / FAMAM CATHEDRA ET SCRIPTA / MORTALIA DONA MORTALES / IMMORTALIA VIRTVS MORI NESCIA, DEVSQVE / IMMORTALIS DEDERVNT a(nn)o MDCCXIV. / D(IE) 20. IVNII. / MONVMENTVM HOC PONI CVRARVNT / INTER MORTVOS / AGNATI HOMBORGIANI ·

Übersetzung:

Der Unsterblichkeit eines Mannes, zwar verstorben, doch ohne Tod, des Andreas Homborg, Doktor beider Rechte und öffentlicher Professor primarius, würdigster Beisitzer am welfischen Hofgericht, Rechtslehrer und seiner Fakultät Senior, ohne Greis1) zu sein, dem seine Vaterstadt im Jahre 1656 am 5. Januar aus heimischem Geblüt das Leben schenkte, mehrere Universitäten, nämlich die Julia, die von Jena, Leipzig, Heidelberg und Straßburg, die Gelehrsamkeit, das durchlauchtigste Haus Braunschweig-Lüneburg ehrenvolle Ämter, sein Lehrstuhl und seine Veröffentlichungen Ruhm, dem die Sterblichen Sterbliches gaben, Unsterbliches (aber) die Tugend, die den Tod nicht kennt, und der unsterbliche Gott. (Der Unsterblichkeit dieses Mannes) ließen Mitglieder der Familie Homborg im Jahre 1714 am 20. Juni dieses Denkmal unter den Sterblichen setzen.

Wappen:
Homborg2)

Kommentar

Die hochbarocke Inschrift stellt die Biographie des Verstorbenen unter das Thema Todesüberwindung – der Wortstamm mor erscheint in neunmaliger Variation. Unter Verzicht auf einen Hinweis auf Familie und Abstammung und den damit ererbten Ruhm – Homborg war Sohn des Helmstedter Professors Johannes Homborg (vgl. Nr. 188) – wird die eigene Lebensleistung des Verstorbenen, sein Studiengang, seine Ämterkarriere und seine VIRTVS schlechthin aufgeführt als Begründung für die Teilhabe des Verstorbenen an der Unsterblichkeit. Andreas Homborg, geboren am 5. Januar3) 1656, absolvierte den in der Inschrift beschriebenen Studiengang4). Am 17. November 1698 wurde er außerordentlicher Professor der Rechte in Helmstedt5), kurz danach Assessor am Hofgericht in Wolfenbüttel. Am 19. Mai 1701 erwarb er den juristischen Doktorgrad in Erfurt. Am 4. Mai 1702 erfolgte seine Berufung zum ordentlichen Professor in Helmstedt. 1705 erhielt er die Professur des Codex übertragen, verbunden mit dem Titel Senior der Fakultät6). Er starb unverheiratet am 21. Juni7) 1714. Seine Erben ließen ihn in der Kirche St. Stephani beisetzen8).

Textkritischer Apparat

  1. ANTEGESSORIS] Falsch restauriert, für ANTECESSORIS.
  2. SERIS] Falsch restauriert, für SENIS.

Anmerkungen

  1. Das Wortspiel SENIORIS NON SENIS läßt sich im Deutschen nicht wiederholen.
  2. Wappen Homborg: burgähnliches Haus.
  3. Die davon differierende Tagesangabe 15. Januar bei Kundert, Katalog, S. 137 folgt dem Funeralprogramm und erklärt sich durch den Kalenderwechsel, vgl. Programma in funere .. Andreae Homburgii, o. O. (Helmstedt) 1714.
  4. Sommersemester 1673 an der Universität Jena, vgl. Matrikel Jena, Bd. 2, S. 422; Wintersemester 1678 Universität Leipzig, vgl. Matrikel Leipzig, Bd. 2, S. 192. Bei den übrigen genannten Hochschulen ließ sich der Immatrikulationstermin nicht ermitteln.
  5. Vgl. F. Weise, Bei des .. Andreae Homburgs .. beerdigung, Helmstedt o. J. (1714). Das Folgende ebenda.
  6. Programma in funere, wie Anm. 3.
  7. Als Todestag wird sowohl – wie in der Inschrift – der 20. als auch der 21. Juni genannt. Nach dem Funeralprogramma, wie Anm. 3, hat Homborg am 21. Juni morgens um zwei Uhr noch nach seinem Diener gerufen.
  8. Programma in funere, wie Anm. 3.

Nachweise

  1. Querner 1, S. 14.
  2. Schultz, Grabmale 1963, S. 101.
  3. Henze, Helmstedt, S. 35ff.

Zitierhinweis:
DI 61, Stadt Helmstedt, Nr. 444 (Ingrid Henze), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di061g011k0044408.