Inschriftenkatalog: Stadt Helmstedt

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 61: Stadt Helmstedt (2005)

Nr. 442 St. Walpurgis 1712

Beschreibung

Grabplatte des Lambert Hülsemann und seiner Ehefrau Maria Elisabeth Müller. Sandstein. Außen, an der Ostwand des Chores. Auf der hochrechteckigen Platte von Ranke begrenztes, ovales Schriftfeld. In den vier Ecken je verschieden gestaltetes Blüten- und Blattwerk. Die u tragen übergeschriebene Schlängel oder schrägparallele Striche. Inschrift eingehauen.

Maße: H.: 226 cm; B.: 137 cm; Bu.: 5,5–7 cm.

Schriftart(en): Fraktur mit Antiqua.

DI 61, Nr. 442 - St. Walpurgis - 1712

 Ingrid Henze, Helmstedt [1/1]

  1. Leser / wiltu was ungemeines lesen / so liesz / 70 und 80 Jahr waren das höchste lebensZiel / Zur Zeit Mosis1) / aber / noch viel höher sind in Jhren Jahren kommen / Tit(ulierter) Herr Lambert Hülsemann weÿl(and) hochadl(ig) / Asseburgl(icher) Amtmann zu Pesskendorff / alt 85 Jahr / und / Fr(au) Maria Elisabeth Müllerin / alt 71 Jahr. / Zweÿ Eheleüte von 156 Jahren, / Welches unter 10000 kaum Zween Wiederfahren / noch mehr! / 40 Jahr haben sie gelebet im Ehstande, / aber / ohne Kinder / doch hat es Jhnen an kindern nicht gefehlet: / sie nahmen auf kinder ohne Eltern: / halfen auch Jhren freünden. / sie wahren / Eine sonne / Welche andre erwärmete / Ein licht, / das andere erleüchtete / Sie lieszen Jhre güter der welt / und eileten in wahren glauben / Zun gütern des Himmels / Jhren gebeinen hat die Schuldige / danckbarkeit der hinterbliebenen / diesen Stein legen Laszen / Anno 1712

Kommentar

Die reich verzierte Fraktur unterscheidet nicht zwischen I und J, ebenso nicht zwischen z und Z. Bemerkenswert sind die aus Schaft-s und Schleifen-s kombinierten Verbindungen von Doppel-s. Analog zu der grundsätzlich ähnlichen Gestaltung von Schaft-s und f wird diese Verbindung auch für Doppel-f übernommen, so daß das zweite f in Pesskendorff die Form eines Schleifen-s hat.

Der Stein wurde dem kinderlosen Ehepaar einige Jahre nach beider Tod gesetzt. Die Personendaten der Frau waren möglicherweise schon etwas in Vergessenheit geraten. So war sie nach dem Kirchenbucheintrag vom 17. Oktober 1706 – anders als die Inschrift mitteilt – mit neunundsechzig Jahren gestorben und trug die Vornamen Margarethe Elisabeth2). Lambert Hülsemann wurde am 23. Februar 1710 im Bereich von St. Walpurgis beigesetzt3). Laut Inschrift ehemals Amtmann der Asseburgischen Güter in Pesekendorf, Bördekreis, hatte Hülsemann 1694 das Helmstedter Bürgerrecht erworben und war von 1693 bis 1699 Eigentümer von Neumärker Str. 74).

Anmerkungen

  1. Anspielung auf Ps. 90,10.
  2. NStA Wolfenbüttel 1 Kb 584, S. 728 Hr. Lambert Hülsemann seine fr. Marg. Elisab. in St. W. Kirche in ein gewölbe öffendtl. beysetz .. aet. 69.
  3. NStA Wolfenbüttel 1 Kb 584, S. 758 ad S. Walp. begraben.
  4. Schaper, Häuserbuch 1,3, S. 13 und ders., Bürgerbuch 2, S. 478. Dort auch betitelt als Verwalter des Amtes Ummendorf, Bördekreis.

Nachweise

  1. R. Schaper, Helmstedter Inschriften – Wer sieht sie? In: Helmstedter Kreisblatt, 25. 11. 1967.
  2. Kleinert, Walpurgis, S. 41 (nach Schaper, Abb.).

Zitierhinweis:
DI 61, Stadt Helmstedt, Nr. 442 (Ingrid Henze), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di061g011k0044204.