Inschriftenkatalog: Stadt Helmstedt

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 61: Stadt Helmstedt (2005)

Nr. 440 St. Stephani 1712

Beschreibung

Grabplatte der Maria Luisa Justina Engelbrecht. Sandstein. Bis zum Jahre 2001 im nördlichen Teil des ehemaligen Friedhofes von St. Stephani rechts neben der Grabkapelle Hahn/Eichel/Böckellen. Von der Familie Engelbrecht ist bekannt, daß sie ihre Beisetzungsstätte im nördlichen Teil des Friedhofes hatte1). Seit 2001 im Turmraum der Kirche. Schlichte Schriftplatte, linke Seite abgeschliffen. Inschrift eingehauen.

Ergänzungen nach Cm 308.

Maße: H.: 127 cm; B.: 82 cm; Bu.: 3–6 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 61, Nr. 440 - St. Stephani - 1712

 Sabine Wehking [1/1]

  1. [AD LATVS] DESIDERATISSI(MAE) MATRSa) / [QVAM] BREVI SECVTA EST / [SVAV]ITER HIC QVIESCIT / [MARIA] LVISA IVSTINA / [ENG]ELBRECHTIA / [VENVSTA OPTI]MAE INDOLIS SOBOLES / [QVAE] DEO DIL[E]CTA / [SEPTIMVM AETA]TIS MENSEM VIX EGRE[S]SA / [INNOCE]NTEM ANIMAM / [COEL]O PRIVS REDDIDIT / [QVAM MVNDAN]ARVM VANITATVM GVSTV / [CORR]VPTISSIMI SECVLI2) / [PER]VERSIS MORIBVSb)3) / [INFICI] POTVISSET / GEORGIVS / [EN]GELBRECHT I(VRIS)C(ONSVL)T(VS)c) / [IVR(IS) CANON(ICI) ET FEVDAL(IS) PROF(ESSOR)] ORDIN(ARIVS) / [FILIOLAE] SVAE DVLCISSIMAE / [MOEST(VS)] H(OC) M(ONVMENTVM) P(OSVIT)

Übersetzung:

An der Seite ihrer innigst geliebten Mutter, der sie nach kurzer Zeit gefolgt ist, ruht hier sanft Maria Luisa Justina Engelbrecht, zarter Sproß von edelster Art, die, ein Liebling Gottes, den siebten Lebensmonat kaum vollendet hatte, als sie ihre unschuldige Seele dem Himmel zurückgab, bevor sie befleckt werden konnte durch den Genuß eitlen weltlichen Tands und die entarteten Sitten eines höchst verdorbenen Zeitalters. Georg Engelbrecht, Rechtsgelehrter, ordentlicher Professor des kanonischen Rechts und des Feudalrechts, setzte seinem allerliebsten Töchterlein in Trauer dieses Denkmal.

Kommentar

Die Verstorbene ist die zweite Tochter des Professors der Rechtswissenschaft Georg Engelbrecht d. J. (vgl. Nr. 268) und seiner ersten Frau Elisabeth Maria, geborene Konerding (vgl. Nr. 438). Nach Auskunft der Inschrift hat Maria Luisa Justina ihre Mutter nur sieben Monate überlebt. Diese war am 7. September 1711 an den Folgen der Entbindung gestorben4). Die Inschrift dürfte also im Laufe des Jahres 1712 entstanden sein. Beim Tode der Elisabeth Maria war ihr Ehemann Georg Engelbrecht Professor der Institutionen und des ius criminale, hatte also den untersten Lehrstuhl der juristischen Fakultät inne5). Nach der in der Inschrift verwendeten Titulatur hatte er in der Zwischenzeit die nächsthöhere Professur, die für das ius canonicum et feudale, übertragen bekommen. Georg Engelbrecht d. J. ging 1714 nach Celle als Hofrat an die dortige Justizkanzlei, wurde 1727 geadelt und verstarb 1735 als Oberappellationsrat ebendort6).

Textkritischer Apparat

  1. MATRS] Für MATRIS. 
  2. [CORR]VPTISSIMI .. MORIBVS] Nicht in Cm 308.
  3. I(VRIS)C(ONSVL)T(VS)] Nicht in Cm 308.

Anmerkungen

  1. Vgl. Nr. 262, Anm. 1.
  2. Vgl. Tacitus, Historien 2,37,2 corruptissimo saeculo.
  3. Vgl. Cicero, Oratio pro Sexto Roscio Comoedo 18,56 perversus mos.
  4. Vgl. F. Weise, Christliche Leich= und Gedächtnüs=Predigt .. als .. Elisabeth Maria Engelbrechten gebohrne Konerdingen .. beerdiget wurde, Helmstedt o. J.
  5. Vgl. seine Titulatur in: Programma in funere .. Elisabethae Mariae Conerdingiae .. Georgii Engelbrecht J. U. D. in illustri academia Julia Institutionum et Criminalium professoris publici et ordinarii conjugis, Helmstedt o. J. Zu einer entsprechenden Verteilung des Unterrichtsstoffes über die Lehrstühle vgl. Schikora, Spruchpraxis, S. 53.
  6. Kundert, Katalog, S. 131f.

Nachweise

  1. Nieders. Landesbibliothek Hannover, Cm 308, Trauerschriften E. M. Engelbrecht, letzter Beitrag.

Zitierhinweis:
DI 61, Stadt Helmstedt, Nr. 440 (Ingrid Henze), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di061g011k0044000.