Inschriftenkatalog: Stadt Helmstedt

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 61: Stadt Helmstedt (2005)

Nr. 414 St. Stephani 1705

Beschreibung

Abendmahlsweinkanne. Silber, teilvergoldet. Auf Standring runder, gewulsteter Fuß, kurzer Schaft und Kannenkörper, dessen Bauch durch Zierring vom sich verjüngenden Oberteil abgesetzt ist. Gewulsteter Scharnierdeckel. Auf Fußwulst, am Kannenbauch und auf Deckelwulst Band aus getriebenen Zungen und quergestreiften, schmalen Stäben im Wechsel. Ausguß gerippt über einem Engelskopf. Auf dem geschweiften Henkel Frauenkopf. Daumenrast in Form einer Platte mit zwei herauswachsenden Voluten. Als Bekrönung auf dem Deckel Figur des Auferstandenen. Die in seinen Händen ehemals befindlichen Attribute verloren. Am schlichten Oberteil des Kannenkörpers unter dem Ausguß Wappen, darüber Band mit Inschrift, graviert1).

Maße: H.: ca. 32 cm; Dm.: 11,5 cm (Fuß); Bu.: 0,3 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 61, Nr. 414 - St. Stephani - 1705

 Sabine Wehking [1/1]

  1. SIGNETUM ACADEMIAE IULIAE

Übersetzung:

Wappen der Academia Julia.

Wappen:
Universität Helmstedt2)

Kommentar

Die Kanne wurde bisher in der Literatur als ein Erzeugnis aus dem Ende des 16. Jahrhunderts angesehen3). Die neue Datierung ergibt sich aus der zeitlichen Einordnung des Augsburger Beschauzeichens in das Jahr 1705 sowie aus der Zuweisung der Meistermarke an Johann Philipp Schuch I (1656–1733, vgl. Anm. 1). Der spätere Ansatz entspricht der ornamentalen Ausstattung der Kanne. Die Ausführung der Schrift in einer Kapitalis, die keine Einsprengsel von barocken Formen aufweist, hat möglicherweise die frühe zeitliche Einordnung begünstigt.

Anmerkungen

  1. Links und rechts des Henkels am Kannenhals, auf dem Deckelrand und am Fuß über dem Stehrand Augsburger Beschauzeichen, eine auf zweimal gewulstetem Sockel befindliche Zirbelnuß, darin sechs Kreise 1:2:3, und gestempelt die Meistermarke P S. Das Beschauzeichen ist in dieser Form nur für 1705 belegt, vgl. H. Seling, Die Kunst der Augsburger Goldschmiede 1529–1868, Bd. 3, München 1980, S. 23, Nr. 163 und Nr. 164. Die Meistermarke, die in der Ausführung auf dem Deckelrand der Helmstedter Kanne über dem P einen Punkt trägt, hat mit diesem Zusatz nur der Augsburger Goldschmiedemeister Johann Philipp Schuch I geführt. Zu ihm vgl. Seling, a. a. O., S. 263. Dort ist die Marke mit Punkt wie auf der Helmstedter Kanne abgebildet. Die Helmstedter Kanne ist nicht im Werkverzeichnis von Schuch, ebenda, genannt. Schuchs Marke fehlt im alphabetischen Meistermarkenregister a. a. O., S. 543.
  2. Wappen Universität Helmstedt: Simson mit dem Löwen zwischen Sonne l. und Mond mit Stern r. Vgl. Siebmacher, Wappenbuch, Bd. 1, 8. Abt., ND Bd. 7, S. 17f.
  3. So zuerst Meier, Kunstdenkmäler, S. 72. Ihm folgen Wandersleb in Kat. Erbe, S. 50 und ders., Inventar Stephani, Nr. 8 sowie Kleinert, Stephani-Kirche, S. 33.

Nachweise

  1. Querner 2.
  2. Meier, Kunstdenkmäler, S. 72.
  3. Kat. Erbe, S. 50.
  4. Wandersleb, Inventar Stephani, Nr. 8.

Zitierhinweis:
DI 61, Stadt Helmstedt, Nr. 414 (Ingrid Henze), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di061g011k0041400.