Inschriftenkatalog: Stadt Helmstedt

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 61: Stadt Helmstedt (2005)

Nr. 361 St. Stephani, Grabkapelle auf dem ehem. Friedhof 1700

Beschreibung

Sarg der Augusta Sophia Charlotta Eichel von Rautenkron, verheiratete von Haken. Sandstein. Im oberen Kapellenraum (zum Bau vgl. Nr. 236), erster Sarg von rechts. Die sich zum Fußende hin leicht verjüngende Sargdeckelplatte zeigt im Relief Christus am Kreuz mit Titulus A, zu Füßen des Kreuzes Totenkopf über Knochen. An der trapezförmigen Frontseite des Sargoberteils am Kopfende zwei Putten, die zwei Vollwappen rahmen. Auf dem nach links schrägen Rand des Trapezes Inschrift B, fortgesetzt auf der Deckplatte, dort auf der linken Längsseite beginnend, auf drei Seiten umlaufend und von innen zu lesen. Inschrift C auf dem waagerechten und auf dem nach rechts schrägen Rand der trapezförmigen Frontseite, fortgesetzt auf der rechten Schrägplatte des Sargoberteils, hier zu lesen vom Fußende her. Auf den beiden schrägen Seitenplatten des Sargoberteils links drei Vollwappen mit – von hinten nach vorn – Beischriften D–F, rechts drei Vollwappen mit – von vorn nach hinten – Beischriften G–I, jeweils auf Schriftband. Am Sargunterteil an der Kopfseite und am Fußende in Kartuschen Inschriften J und K. An den beiden zugestellten Längsseiten je zwei Kartuschen mit Inschriften, davon einsehbar Inschriften L und M in der hinteren und vorderen Kartusche der linken Seite. Inschriften eingehauen.

Maße: H.: ca. 130 cm; B.: 114 cm; L.: 235 cm; Bu.: 4 cm (A, J–M), 3,5–4,5 cm (B, C), 4–4,5 cm (D–I).

Schriftart(en): Kapitalis.

  1. A

    I(ESUS) N(AZARENUS) R(EX) [I(UDAEORUM)]1)

  2. B

    AUGUTAa) SOPHIA · / CHARLOT[T]A V(ON) HAKEN GEBO[H]RENEb) EICHELIN. EDLE V(ON) RAUTENKRONN. / GEBOHREN / DEN 13. OCT(OBRIS) A(NNO) 1673. GESTOBEN DEN 19. IULII · ANNO 1700 ·

  3. C

    HERH ROBE/R[T] CHRIST[IAN] / [V(ON)] HAKEN ·

  4. D

    RUDOLPH WACHENSCH(E)c) W(APEN) ZUR EICH.

  5. E

    GEORG EICHEL. ZU MARLOT W(APEN)

  6. F

    IOHAN EICHEL FEU[.] SHULT.d)2)

  7. G

    HANNI[SC]H[E] WAPEN

  8. H

    HANNISCHE WAPEN

  9. I

    PFEIFFERSCHE WAPEN

  10. J

    IEREM: CAP: 31 VERS · 3. / ICH HABE DICH IE · UND IE · GE/LIEBET, DARUMB HABE ICH DICH / ZU MIR GEZOGEN AUS LAU-/TER GÜTE3).

  11. K

    II. EPST: AN DIE CORINTH, / CAP. 5. VERS. I. / WIR WISSEN ABER, SO UNSER / IRDISCH HAUS DISER HÜTTEN / ZABROCHEH WIRD, DAS WIR / EINEN BAU HABEN VON GOTT / ERBUET, EIN NAUSe) NICT / MIT HÄNDEN GEMACHT, DAS / EWIG IST IM HIMMEL.4)

  12. L

    PSALM LXXIII. VERS. 25,26. / WEN ICH NÜR DICH HABE, SO / FRAGE ICH NICHTS NACH HIMMEL / UND ERDEN, WEN MIR GLEICH LEIB / UND SEELE VER,SMACHT, SO / BIS TU DOCH GOTT, ALLEZEIT / MEINES HERZENS TROST UND / MEIN THEIL5).

  13. M

    HIOB. XIX VERS. 25.26.27. / ICH WEIS, DAS MEIN ERLÖSER LEBET / UND ER WIRD MICH HERNACH AUS DER / ERDEN AUF.ERWECKEN, UND WERDE DAR/NACH MIT DIESER MEINER HAUT UMBGE/BEN WERDEN UND WERDE IN MEINEM / FLEISCH GOTT SEHEN DENSELBEN WERDE / ICH MIR SEHEN UND MEINE AUGEN WER/DEN IN SCHAUEN UND KEIN / FREMDER6)

Wappen:
Eichel7), Haken8)
Wachen zur Eiche9), Eichel (zu Marlot)7), Eichel7)
Hahn10), Hahn10), Pfeiffer11)

Kommentar

Augusta Sophia Charlotta Eichel von Rautenkron (zu den Eltern vgl. Nr. 236) hatte im Hause ihrer kinderlosen Schwester Hedwig Sophia von Böckellen (vgl. Nr. 451) ihre Kindheit verbracht12). 1695 heiratete sie den Schaumburg-Lippischen Hofmeister Robert Christian von Haken und lebte mit ihm auf dem Eichelschen Familienbesitz Nedlitz, Landkreis Zerbst. Als sie während einer Schwangerschaft erkrankte, begab sie sich mit ihren zwei Töchtern nach Helmstedt in das Haus ihrer Schwester Hedwig Sophia von Böckellen und wurde dort von der ebenfalls anwesenden Schwester Johanna Henrietta von Stauff (vgl. Nr. 375) bis zu ihrem Tode am 19. Juli 1700 gepflegt. Ihre Beisetzung im Erbbegräbnis auff der Julius-Universität fand am 31. Juli 1700 statt.

Textkritischer Apparat

  1. AUGUTA] Für AUGUSTA. Die zahlreichen Steinmetzfehler der Sarginschriften werden im folgenden nicht gesondert ausgewiesen.
  2. GEBO[H]RENE ] Oder GEBO[N]RENE ? Der Steinmetz weiß nicht immer zwischen H und N zu unterscheiden.
  3. Abkürzung aufgelöst nach Nr. 375, Inschrift C.
  4. Das zu erwartende W(APEN) fehlt.
  5. NAUS] Für HAUS. Zu H und N vgl. Anm. b.

Anmerkungen

  1. Io. 19,19.
  2. Möglicherweise verbirgt sich hinter FEU[.] SHULT. der Stand des Vaters Johann Eichel. Er wird in einem 1756 entstandenen Lebenslauf des Sohnes Johann Eichel mit Fürstl. Sächsicher Lehn (feudum) Schulz angegeben, vgl. Landeskirchl. Archiv Wolfenbüttel, OA Helmstedt 101, Bl. 50r.
  3. Jer. 31,3.
  4. 2. Ko. 5,1.
  5. Ps. 73,25–26.
  6. Hi. 19,25–27.
  7. Wappen Eichel: zwei geharnischte Arme, die Pfeil nach oben umfassen. Neben Pfeilspitze je drei Eicheln.
  8. Wappen Haken: Balken, belegt mit Kleeblatt zwischen zwei Eicheln, darüber drei Sterne. Vgl. Siebmacher, Wappenbuch, Bd. 3, 2. Abt., ND Bd. 14, S. 156.
  9. Wappen Wachen zur Eiche: Stern über Balken. Wachen zur Eiche bezieht sich auf die Familie der Mutter des Johann Eichel. Der Name der Mutter wird in dem in Anm. 2 zitierten Lebenslauf des Sohnes mit Cunigunda Wachenschwänzin zur Eich angegeben. Das Wappen erscheint in Nr. 451 auch als Wappen Ruhtülf zur Eichen. Dieser Name läßt sich nicht identifizieren.
  10. Wappen Hahn: Hahn.
  11. Wappen Pfeiffer: wachsender Löwe.
  12. Ihre Lebensdaten bei C. Evenius, Bey .. Leich=Begängniß Der .. Auguste Sophien Charlotten von Haken, Zerbst 1700. Das Folgende ebenda.

Zitierhinweis:
DI 61, Stadt Helmstedt, Nr. 361 (Ingrid Henze), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di061g011k0036104.