Inschriftenkatalog: Stadt Helmstedt

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 61: Stadt Helmstedt (2005)

Nr. 335 St. Stephani 1695

Beschreibung

Grabplatte der Anna Margaretha Behrens. Sandstein. An der nördlichen Kirchenaußenwand, dritter Stein links vom Westportal. Böhmer sah die Platte 1710 zusammen mit der des Ehemannes Johann Barthold Niemeier im Eingangsbereich im Westen der Kirche1). Die hochrechteckige Grabplatte ist nahezu vollständig von der eingehauenen Inschrift ausgefüllt. In den vier Ecken je ein Vollwappen.

Maße: H.: 215 cm; B.: 108 cm; Bu.: 3–4,5 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 61, Nr. 335 - St. Stephani - 1695

 Sabine Wehking [1/1]

  1. D(EO) O(PTIMO) M(AXIMO) S(ACRUM) / ET MEMORIAE / NOBILISSIMAE MATRONAE / ANNAE MARGARETHAE / BEHRENS / QUAE / CELLIS LUNEBURGICIS / D(IE) XI APRILIS ANNO MDCLa) / PATRE / JOH(ANNE) BEHRENS PHIL(OSOPHIAE) ET MEDI[C](INAE) D(OCTORE) / CONSILIARIO ET ARCHIATRO DUCALI / MATRE / ANNA MARGARETHA MITHOFIA / NATA / PROBIS MORIBUS INNUTRITA / DEO DEVOTA / CORPORE VENUSTA ANIMO ELEGANTIOR / PRUDENS MATER FAMILIAS / DECUS SUI SEXUS SEMPER FUIT / EA / POSTQUAM IN CONJUGIO VIXISSET / ANNOS XV MENSES VI / DELECTATIO ET SOLATIUM MARITI / TANDEM / CACHEXIAE ET PARALYSI SUCCUBUIT / HELMSTADI(I) / D(IE) XV. DECEMBR(IS) ANNO MDCXCVa) / CONJUGI OPTIMAE / QUA MELIOREM NEMO EXPETIVERIT / MOESTISSIMUS VIDUUS / JOH(ANNES) BARTHOLDUS NIEMEIERUS / S(ACRO)S(ANCTAE) THEOL(OGIAE) D(OCTOR) ET PROF(ESSOR) PUBL(ICUS) ORDIN(ARIUS) / HOC / AMORIS ET HONORIS / M(ONUMENTUM) P(ONI) C(URAVIT)

Übersetzung:

Gott, dem Besten und Größten, geweiht und dem Andenken an die hochedle Frau Anna Margaretha Behrens, die im lüneburgischen Celle am 11. April im Jahre 1650 als Tochter des Johannes Behrens, Doktors der Philosophie und Medizin, herzoglichen Rats und Leibarztes, und der Anna Margaretha Mithoff geboren und in rechtschaffener Weise erzogen worden ist. Sie war fromm, anmutig im Äußeren und noch feiner im Geist, eine kluge Familienmutter, immer eine Zierde ihres Geschlechtes. Nachdem sie zur Freude und zum Trost ihres Gatten fünfzehn Jahre und sechs Monate im Ehestand gelebt hatte, erlag sie schließlich in Helmstedt am 15. Dezember im Jahre 1695 der Schwindsucht und Nervenlähmung. Der allerbesten Gattin – eine bessere könnte sich niemand wünschen – ließ der tieftraurige Witwer Johann Barthold Niemeier, der hochheiligen Theologie Doktor und öffentlicher ordentlicher Professor, dieses Denkmal der Liebe und Verehrung setzen.

Wappen:
Behrens?2)Mithoff3)
Niemeier4)?5)

Kommentar

A und I sind sowohl in Kapitalis wie in den Formen der Versalschrift ausgeführt. Bei U ist der Verbindungsbogen spitz gebrochen.

Anna Margaretha Behrens6) entstammt über Vater und Mutter berühmten niedersächsischen Ärztefamilien. Zu ihren Vorfahren gehören der erste Professor der Medizin in Helmstedt, Johann Böckel (vgl. Nr. 83), und aus der Familie der inschriftlich genannten Mithoffs der Leibarzt Herzog Erichs I. von Braunschweig-Calenberg, Burchard Mithoff7). Sie hatte am 16. Juni 1680 den Helmstedter Professor Johann Barthold Niemeier (vgl. Nr. 425) geheiratet. Die – wie die Inschrift exakt vermerkt – fünfzehneinhalbjährige Ehe blieb kinderlos. Die Terminologie der Inschrift bei der Wiedergabe der Todesursachen – CACHEXIA, PARALYSIS – entspricht der der Leichenpredigt und des Funeralprogramms.

Textkritischer Apparat

  1. Neulateinische Zahlzeichen.

Anmerkungen

  1. Böhmer, Inscriptiones, S. 28 IN PORTICV TEMPLI.
  2. Wappen Behrens?: nach r. laufender Bär? unter Blume.
  3. Wappen Mithoff: gekreuzte Anker, von einem Stern überhöht. Vgl. Siebmacher, Wappenbuch, Bd. 5, 4. Abt., ND Bd. 10, S. 62.
  4. Wappen Niemeier: geteilt, oben Stern zwischen zwei nach innen gewandten Bärentatzen, unten drei Pfeile balkenweise. Wie in Nr. 425.
  5. Wappen ?: gekrönter Knabenkopf auf armlosem Puppenleib mit drei Knöpfen.
  6. Lebensdaten nach J. Ritmeier, Nach .. Beerdigung Der .. Annen Margarethen Behrens, Helmstedt o. J. Vgl. auch Programma memoriae .. Annae Margarethae Behrens, o. O. und J.
  7. Sein Bildepitaph in der Pfarrkirche St. Blasii in Hann. Münden, Landkreis Göttingen, ist erhalten.

Nachweise

  1. Nieders. Landesbibliothek Hannover, Cm 63, Trauerschriften A. M. Behrens, letzter Beitrag.
  2. Böhmer, Inscriptiones, S. 28f.
  3. Querner 2.

Zitierhinweis:
DI 61, Stadt Helmstedt, Nr. 335 (Ingrid Henze), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di061g011k0033504.