Inschriftenkatalog: Stadt Helmstedt

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 61: Stadt Helmstedt (2005)

Nr. 324 St. Stephani 1693

Beschreibung

Grabplatte des Christian Schattenhausen. Sandstein. An der nördlichen Kirchenaußenwand, sechster Stein rechts vom Ostportal. An der Kirchenaußenwand hat ihn auch Böhmer 1710 gesehen1). Auf hochrechteckiger Platte von zwei Ranken oval gerahmtes Schriftfeld mit der eingehauenen Inschrift. In den oberen Ecken je ein Engelskopf, in den unteren links Sanduhr, rechts Totenkopf auf gekreuzten Knochen.

Maße: H.: ca. 210 cm; B.: 124 cm; Bu.: 3–5,5 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 61, Nr. 324 - St. Stephani - 1693

 Sabine Wehking [1/1]

  1. D(EO) O(PTIMO) M(AXIMO) S(ACRVM) / FESTINA LE(N)TE2) VIATOR / HANC RESPICE / TVMBAM / TEGVNTVR ILLA / INFVCATAE PIETATIS / GERMANIQVE CANDORIS / VIRI / CHRISTIANI SCHAT/TENHAVSEN / EXUVIAE / HVNC / BLANKENBVRGVM GENVIT / ALMA IVLIA NVTRIVIT / HVIVS HOSPITIVM / IN CIVEM MOX IN / SENATOREM / TANDEM IN / CAMERAE PRAEFE/CTVM ASCIVIT / ISTOC ONERE LASSVS FESSAM ANIMAM DEO / QVI DEDIT ILLAM ANNI 1693, DIE 1 / NOVEMBR(IS) CVM IMPLEVISSET AETA/TIS ANNVM 47 NONDVM INTEGRVM / REDDIDIT / RELICTA VIDVA / SABINA ATENSTET / MORTI SIBIMET IPSA VICINA / IN DIVINI NOMINIS GLORIAM / MARITI SVIQVE IPSIVS MEMO[RIA]M / HOC MONVMENTVM POSV[IT]

Übersetzung:

Gott, dem Besten und Größten, geweiht. Eile mit Weile, Wanderer! Betrachte dieses Grabmal! Es werden von ihm die sterblichen Überreste des Christian Schattenhausen, eines Mannes von unverfälschter Frömmigkeit und wahrer Lauterkeit, bedeckt. Diesen brachte Blankenburg hervor, die Alma Julia erzog ihn, die ihr Gastfreundschaft gewährende Stadt Helmstedt nahm ihn als Bürger, bald als Ratsherrn und schließlich als Kämmerer auf. Von dieser Bürde erschöpft, gab er seine müde Seele Gott, der sie ihm geschenkt hatte, am 1. November des Jahres 1693 zurück, nachdem er das siebenundvierzigste Lebensjahr noch nicht ganz vollendet hatte. Die hinterlassene Witwe Sabine Atenstet, selbst dem Tode nahe, setzte zum Ruhme Gottes und als Erinnerung an den Gatten und sich selbst dieses Denkmal.

Kommentar

Christian Schattenhausen, geboren nach der Inschrift Ende 1646 oder Anfang 1647, wurde am 31. Juli 1672 als Blanckenburgensis an der Universität Helmstedt immatrikuliert3). Seit 1676 ist er mit der Berufsbezeichnung Notar und Kämmerer als Eigentümer des Hauses Südertor 16 eingetragen, das seine Frau Sabine Atenstet von ihrem ersten Ehemann, dem Bäcker Hans Maler, 1670 geerbt hatte. Das Haus ging 1680 an den Ehemann der Blandine Maler, Tochter der Sabine Atenstet aus deren erster Ehe4). Schattenhausen erwarb 1678 Papenberg 6, das nach seinem Tode 1694 ebenfalls an Blandine Maler bzw. deren Ehemann fiel5). Überlebende eigene Kinder hat das Ehepaar Schattenhausen/Atenstet demnach und nach der Inschrift nicht gehabt.

Anmerkungen

  1. Böhmer, Inscriptiones, S. 30 MONVMENTA LAPIDESQVE parietibus templi externis adfixi mit S. 35.
  2. FESTINA LE(N)TE nach dem griechischen σπεῦδε βραδέως sprichwörtlich im Lateinischen und Deutschen, vgl. Walther, Proverbia 2, Nr. 9409, Proverbia 7, Nr. 36915, G. Büchmann, Geflügelte Worte. Der Zitatenschatz des deutschen Volkes, 34. Auflage, bearb. von W. Hofmann, Frankfurt a. M. u. a. 1981, S. 315.
  3. Matrikel Helmstedt, Bd. 2, S. 193.
  4. Schaper, Häuserbuch 1,4, S. 98.
  5. Schaper, Häuserbuch 1,3, S. 65.

Nachweise

  1. Böhmer, Inscriptiones, S. 35f.

Zitierhinweis:
DI 61, Stadt Helmstedt, Nr. 324 (Ingrid Henze), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di061g011k0032401.