Inschriftenkatalog: Stadt Helmstedt

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 61: Stadt Helmstedt (2005)

Nr. 310 St. Stephani 1690

Beschreibung

Epitaph des Samuel Meyer und seiner Ehefrau Maria Pabst (Paust)1). Kalkstein. An der südlichen Kirchenaußenwand, fünfter Stein rechts vom Westportal. Querner sah die Platte um 1850 „außen an der Kirche“2). In den oberen Ecken der hochrechteckigen Platte links und rechts Vollwappen, dazwischen Engelskopf. Unten Totenschädel über gekreuzten Knochen. In der Mitte die eingehauene Inschrift auf Vorhang, der oben an drei Punkten befestigt ist und unten links und rechts von zwei Putten gehalten wird. Die Zeilen sind der Vorhangdrapierung folgend im Bogen ausgeführt. Die Inschrift ist in zwei Kolumnen, links für Samuel Meyer, rechts für Maria Pabst, angeordnet. Die Kolumnen sind viermal verbunden durch Aussagen, die beide Ehepartner gemeinsam betreffen. Diese Teile der Inschrift sind hier eingerückt wiedergegeben. Der Stein ist stark verwittert.

Maße: H.: 229 cm; B.: 117 cm; Bu: 3–5 cm (Fraktur), 5 cm (Kapitalis).

Schriftart(en): Fraktur mit Kapitalis, die Kapitalis mit Versalien.

DI 61, Nr. 310 - St. Stephani - 1690

 Sabine Wehking [1/2]

  1. Neben diesem Steine Ruhen /

    T(itulierter) Herr / Samuel Meyer / gebohren Zu Lunen=/burg d(en) [1]1 · Mart(ii) 1612 · /

    T(itulierte) Frau / Maria Pabsts / gebohren alhier / d(en) 28 · Januar 1607 · /

    Welche / 1637 ein Leib durch die H(eilige) Ehe geworden /

    worauf [er 1]642 alhie / in den Raht und 1654 / Zum Bürgermeister er=/wehlet Welchem Ampte / er 31 · Jahr · Rühmlich / Vargestandena) /

    in Welcher Sie From(m) / und Christlich gelebet, 3 · / Söhne und 1 Tochter ge[ze]uget / davon 1 Sohn al=/bereit den Weg alles / Fleisches gegangen /

    Nach Vieler ausgestandener unruh · /

    Da Jhn seine amptsge=/schäfte auf das Rahthaus / Forderten, Forderte Gott / seine Seele Zur Ewigen / Ruhe den 6 · Febr(uarii) 1685 /

    Die sie unverdrossen / Jederzeit in ihrer Haus=/sorge über sich genom(m)en / entbant sie der Liebe Gott / d(en) 21. jun(ii) 1690b) /

    und erwarten Jhre Leiber alhier / der Frölichen Aufterstehungc) / SpesMea Christus Meum Profugium / STATIUS SIGISM(UNDUS)MARG(ARETHA) ELISABETH JOSIAS / Filii (Et) Filia / P(arentibus) P(osuerunt)d)

Übersetzung:

Christus, meine Hoffnung, meine Zuflucht. Statius Sigismund, Margarethe Elisabeth und Josias, Söhne und Tochter, setzten den Eltern (diesen Stein).

Wappen:
Meyer3), Pabst (Paust)4)

Kommentar

Samuel Meyer, geboren am 11. März 16125) als Sohn eines Kaufmanns in Lüneburg, kam 1634 nach Helmstedt, um ein Studium aufzunehmen, verheiratete sich hier am 27. August 1637 mit der fünf Jahre älteren, wohlhabenden Maria Pabst (Paust) und durchlief die in der Inschrift mitgeteilte Ämterkarriere. Die besonderen Umstände seines Todes – er starb an einem Herzschlag auf dem Wege zum Rathaus – deutet die Inschrift nur kurz an, setzt sie also als stadtbekannt voraus. Meyer hat das erheiratete Vermögen gut genutzt. Er besaß zeitweilig fünf bebaute Grundstücke in der Stadt6). Seine Ehefrau Maria, Tochter des Bürgermeisters Konrad Pabst (Paust)7), wurde nach dem Tode ihres Vaters neben ihrer Stiefmutter Katharina Gertner, der späteren Frau des Theologen Georg Calixt (vgl. Nr. 340), Erbin der väterlichen Grundstücke. So erbte sie das Haus Holzberg 17 (vgl. Nr. 58). Sie war – davon schweigt die Inschrift – in erster, kinderloser Ehe mit dem Ratsherrn Johann Hartmann verheiratet gewesen. Die drei das Grabdenkmal setzenden Kinder stammen aus der Ehe mit Samuel Meyer.

Textkritischer Apparat

  1. Vargestanden] Für Vorgestanden.
  2. 1690] Für 1689. Maria Pabst wurde am 30. Juni 1689 begraben, vgl. NStA Wolfenbüttel, 1 Kb 584, S. 629.
  3. Aufterstehung] Für Auferstehung.
  4. Möglich auch P(ii) P(osuerunt) – „setzten in Kindesliebe (diesen Stein)“.

Anmerkungen

  1. Mit der Namensform PAUSTS in Nr. 58 und in der Literatur. Vgl. auch Anm. 7.
  2. Querner 1, S. 23.
  3. Wappen Meyer: Hügel zwischen zwei Sternen, daraus wachsend drei gestielte Rosen, belegt mit gekreuzten Sensenklingen. Wie Siebmacher, Wappenbuch, Bd. 5, 5. Abt., ND Bd. 10, S. 81: Nikolaus Meyer, Lüneburg 1656. Die Bilder dort in anderer Anordnung.
  4. Wappen Pabst (Paust): geteilt, oben wachsender geflügelter Löwe?, unten zwei Pfähle.
  5. Lebensdaten nach J. Cellarius, Bey der Beerdigung Des .. Samuel Meiers, Helmstedt 1685.
  6. Vgl. Schaper, Bürgerbuch 3, S. 740.
  7. Zu ihm Schaper, Bürgerbuch 3, S. 851. Namensformen dort Pauel, Pawel, Paul.

Zitierhinweis:
DI 61, Stadt Helmstedt, Nr. 310 (Ingrid Henze), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di061g011k0031007.