Inschriftenkatalog: Stadt Helmstedt

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 61: Stadt Helmstedt (2005)

Nr. 294 St. Stephani 1685

Beschreibung

Fragment der Grabplatte des Johannes Thomas Fröling. Sandstein. Im Mai 1996 mit der Schriftseite nach hinten am Hinterhaus Magdeburger Str. 3, Ecke Papenberg, angebracht aufgefunden, seit 2001 im Turmraum der Kirche1). Böhmer hat den Stein 1710 im nördlichen Teil des Friedhofes neben dem des Vaters Andreas Fröling Nr. 284 gesehen2). Der Fundort von 1996 grenzt an den nördlichen Teil des ehemaligen Stephanifriedhofes. Von der ursprünglich hochrechteckigen Platte das linke obere Viertel erhalten. Gesamter plastischer Schmuck gewaltsam nivelliert. Über dem von ovalem Blattrankenornament eingefaßten Schriftfeld Reste von Flügeln zu erkennen. Inschrift eingehauen.

Ergänzungen nach Böhmer.

Maße: H.: 100 cm; B.: 50 cm; Bu.: 3–6 cm.

Schriftart(en): Kapitalis mit Versalien.

DI 61, Nr. 294 - St. Stephani - 1685

 Sabine Wehking [1/1]

  1. C(HRISTO) S(ERVATORI) [S(ACRUM] / HIC SITU[S EST] / JOHANNES THO[MAS FRÖLINGIUS] / DULCE MUSAR[UM DECUS3)] / Q[UI] / NAT(US) HELMSTADII A(NN)O [MDCLXI VII SEPTEMB(RIS)] / PA[TRE] / ANDRE[A FRÖLINGIO] / THEOLOGO ET PHI[LOSOPHO CELEBERRIMO MATRE WUNIGUNDA ELISABETHA HONACKIA POST IACTA PRIMA PIETATIS AC ERUDITIONIS FUNDAMENTA PATERNORUM STUDIORUM HERES CUM PHILOSOPHIA THEOLOGIAM COPULANS TANTOS BREVI FECIT PROFECTUS UT EIUS PIETATEM INDUSTRIAM DOCTRINAM DOCTORES AMARENT AEQUALES AEMULARENTUR EXSTINCTAM LUGEANT BONI4) SED ITA DEO VISUM CUI ANIMAM IS REDDIDIT A(NNO) MDCLXXXV KAL(ENDIS) MART(II)5) MATRI OPT(IME) MER(ITAE) DOLORE RELICTO QUAE FILIO PRIMOGENITO ET CARISSIMO H(OC) M(ONUMENTUM) F(IERI) F(ECIT)]

Übersetzung:

Christus, dem Erretter, geweiht. Hier ist Johannes Thomas Fröling bestattet, süße Zierde der Musen, geboren in Helmstedt im Jahre 1661 am 7. September. Sein Vater war Andreas Fröling, gefeierter Theologe und Philosoph, seine Mutter Wunigunde Elisabeth Honacken. Nachdem bei ihm die ersten Grundlagen von Frömmigkeit und Bildung gelegt waren, verknüpfte er – ganz Erbe der väterlichen Studiengebiete – die Theologie mit der Philosophie und machte in kurzer Zeit so große Fortschritte, daß die akademischen Lehrer seine Frömmigkeit, seinen Fleiß und seine Gelehrsamkeit von Herzen gern hatten, seine gleichaltrigen Kommilitonen diesen Eigenschaften nacheiferten und die Redlichen nun deren Auslöschung betrauern. Aber so war es Gottes Ratschluß, dem er seine Seele wiedergab im Jahre 1685 an den Kalenden des März. Dabei blieb für seine hochverdiente Mutter nur Trauer zurück. Sie veranlaßte, daß ihrem ältesten und heißgeliebten Sohn dieses Denkmal gesetzt wurde.

Kommentar

Johannes Thomas Fröling, ältester Sohn des Helmstedter Professors der Theologie Andreas Fröling und der Wunigunde Elisabeth Honacken (vgl. Nr. 284), wurde am 17.6) September 1661 in Helmstedt geboren. Er studierte in Jena7) und Helmstedt Theologie. Jena hatte er 1680 wegen der Pest verlassen und war nach Helmstedt zurückgekehrt, wo er am 1. März 1685 an den Pocken starb.

Anmerkungen

  1. Vgl. dazu S. 20 der Einleitung.
  2. Böhmer, Inscriptiones, S. 46 LAPIDES IN PARTE COEMITERII anteriore mit S. 68.
  3. Vgl. Horaz, Carmen 1,1,2 dulce decus.
  4. Zu boni vgl. S. 37f. der Einleitung.
  5. 1. März.
  6. Vgl. Programma in funere .. Joh. Thomae Frölingii, Helmstedt o. J. Die Inschrift gibt das Tagesdatum nach dem alten Kalender an.
  7. Dort am 12. Mai 1680 immatrikuliert, vgl. Matrikel Jena, Bd. 2, S. 220.

Nachweise

  1. Böhmer, Inscriptiones, S. 68.

Zitierhinweis:
DI 61, Stadt Helmstedt, Nr. 294 (Ingrid Henze), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di061g011k0029405.