Inschriftenkatalog: Stadt Helmstedt

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 61: Stadt Helmstedt (2005)

Nr. 279 St. Marienberg 1682

Beschreibung

Grabplatte des Christoph Cordes. Sandstein. Im südlichen Kreuzgang an der nördlichen Außenwand befestigt. Nach einer Zeichnung von 1736 befand sich die Beisetzungsstätte des Christoph Cordes in der Kirche im Vorchor links vor dem Altar1). Auf der hochrechteckigen Platte oben Engelskopf zwischen zwei Vollwappen. Darunter großes ovales Schriftfeld, von Knospen- und Blattgirlande gerahmt, mit der eingehauenen Inschrift. In den unteren Ecken links Sanduhr, rechts Totenkopf.

Maße: H.: 218 cm; B.: 109 cm; Bu.: 4–6 cm.

Schriftart(en): Kapitalis mit epsilonförmigem E, Minuskeln und Versalien.

DI 61, Nr. 279 - St. Marienberg - 1682

 Sabine Wehking [1/1]

  1. D(EO) S(ERVATORI) S(ACRUM) / HIC SITUS EST / M(AGISTER) CHRISTOPHORUS CORDES / ECCLESIAE MARIAEBERGENS(IS) ET VICINARUM / PER ANNOS XXIX · / FIDELIS ANIMARUM PASTOR / EXEMPLAR GREGIS / FIDUS MYSTERIORUM DEI DISPENSATOR / VIR PIUS MITIS CANDOR IPSE / NATUS HORNEBURGI A(NN)O M · DCXXVII · d(ie) 2 · Apr(ilis) / DENATUS A(NN)O MDCLXXXIIa) · d(ie) 17 · FEBR(UARII) / AETATIS LIV · MENS(IUM) X · / POSTQUAM OMNE DEI CONSILIUM POPULO EXPOSUISSET / AD ARAM APOPLEXIA CORREPTUS / NON ANTE DIMISIT DOMINUM QUAM BENEDICENTI / BENEDICERET2) / HEIC OSSA EIUS OMNIA CUSTODIT DOMINUS / AD GLORIAM VERO RESUSCITATUS SERVUS FIDELIS / INTRABIT IN GAUDIUM DOMINI SUI3)· / CONIUGI ET PARENTI OPTIMO AC DESIDERATISSIMO / VIDUA LIBERIQUE MOESTISSIMI / TRISTE HOC MONUMENTUM / F(IERI) F(ECERUNT)

Übersetzung:

Gott, dem Erretter, geweiht. Hier liegt Magister Christoph Cordes, neunundzwanzig Jahre hindurch ein treuer Seelenhirte an der Marienberger und den ihr benachbarten Kirchen, ein Vorbild seiner Herde, ein gewissenhafter Verwalter des göttlichen Mysteriums, ein frommer, sanfter Mann, die Reinheit in Person, geboren in Hornburg im Jahre 1627 am 2. April, gestorben im Jahre 1682 am 17. Februar im Alter von vierundfünfzig Jahren und zehn Monaten. Nachdem er Gottes ganzen Ratschluß der Gemeinde ausgelegt hatte, wurde er am Altar von einem Schlaganfall getroffen und ließ nicht eher von seinem Herrn, als bis Gott den Segnenden gesegnet hatte. Hier bewacht der Herr alle seine Gebeine. Zur Herrlichkeit aber wiederauferweckt, wird der treue Knecht eingehen in seines Herren Freude. Dem besten und schmerzlichst vermißten Gatten und Vater ließen die Witwe und die Kinder in tiefem Schmerz dieses traurige Denkmal errichten.

Wappen:
Cordes4), ?5)

Kommentar

Christoph Cordes, Sohn eines Schusters6) aus Hornburg, Landkreis Wolfenbüttel, Helmstedter Student und Hauslehrer bei Christoph Schrader (vgl. Nr. 269), wurde 1653 als Pfarrer an St. Marienberg und den Filialen Emmerstedt und St. Georg in der Neumark eingeführt. Den Magistergrad erwarb er am 28. Januar 1655 an der Universität Helmstedt. Seine Neigung, mit gelehrten Leuten gern zu conversiren, ließ ihn trotz mehrerer Berufungen nach außerhalb sein ganzes Berufsleben – neunundzwanzig Jahre – in der Universitätsstadt verbringen. Die Umstände seines Sterbens – er wurde während des Gottesdienstes auf dem Weg von der Kanzel zum Altar in St. Georg vom Schlag getroffen und rang sich bei zunehmender Lähmung den Segen noch bis zum Ende ab – geben der Inschrift Anlaß zum Vergleich mit Jakob, vgl. Anm. 2. Bei der Lebenszeitberechnung verzichtet die Inschrift im Gegensatz zu Leichenpredigt und Funeralprogramm darauf, Wochen bzw. Tage anzugeben. Verheiratet war Cordes mit Christine Ritmeier, Tochter eines Braunschweiger Kaufmanns. Er hinterließ zwei Töchter. Beigesetzt wurde er am 26. März 1683 in einer Gruft in der Kirche.

Textkritischer Apparat

  1. Neulateinische Zahlzeichen.

Anmerkungen

  1. NStA Wolfenbüttel 4 Alt 3 Marbg. Nr. 1827.
  2. Anspielung auf Jakobs Kampf mit dem Engel Gn. 32,26 non demittam te nisi benedixeris mihi.
  3. Biblischer Wortgebrauch, vgl. Mt. 25,21 und 23 serve .. fidelis .. intra in gaudium domini tui.
  4. Wappen Cordes: von Anker durchbohrtes Herz (= cor), aus dem drei Rosen sprießen.
  5. Wappen ?: geteilt, oben wachsender Mann mit Sense, unten vier Pfähle.
  6. Lebensdaten nach A. Fröling, Bey .. Leich=Bestattung Des .. Christophori Cordes, Helmstedt 1683 und Programma in funere .. Christophori Cordes, Helmstedt o. J.

Nachweise

  1. Nieders. Landesbibliothek Hannover, Cm 162, Trauerschriften C. Cordes, letzter Beitrag.
  2. Böhmer, Inscriptiones, S. 145.

Zitierhinweis:
DI 61, Stadt Helmstedt, Nr. 279 (Ingrid Henze), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di061g011k0027908.