Inschriftenkatalog: Stadt Helmstedt

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 61: Stadt Helmstedt (2005)

Nr. 277 Kybitzstr. 1 1681

Beschreibung

Haus. Fachwerkbau, traufenständig, zweigeschossig, im Obergeschoß zehn Gefache breit. Inschriften A und B am Schwellbalken des Obergeschosses. Durch das Erdgeschoß des Hauses führt ein öffentlicher Durchgang zur Rosmarinstraße. Über dessen Torbogen Inschrift C, links und rechts vom Torbogen die beiden Teile von Inschrift D. Inschriften bzw. Inschriftenteile (D) in vertieftem Feld erhaben geschnitzt und farbig gefaßt.

Maße: Bu.: ca. 11–12 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 61, Nr. 277 - Kybitzstr. 1 - 1681

 Sabine Wehking [1/4]

  1. A

    NIHIL TIBI TAM AEQVE FIERI POTEST AD TEMPERANTIAM OMNIVM RERVM QVAM FREQVENS COGITATIO BREVIS OEVI ET HVIVS INCERTI1)

  2. B

    NON NOBIS SED POSTERIS

  3. C

    Ba) CASPAR IOHAN CÖRNER

  4. D

    ANNO // 1681

Übersetzung:

Nichts kann dir gleich viel zur Mäßigung in allen Dingen verhelfen wie häufiges Nachdenken über das kurze Leben und dessen Unsicherheit. (A)

Nicht für uns, sondern für unsere Nachkommen. (B)

Kommentar

Caspar Johann Cörner ließ sich am 11. April 1659 als Brunsvicensis an der Universität Helmstedt immatrikulieren2). Er wurde Helmstedter Bürger, Ratsmitglied und 1679 Erster Bürgermeister. Bei seinem Tod am 24. Juli 16813) dürfte der Hausbau kaum vollendet gewesen sein. Die Inschriften sind wahrscheinlich unter dem Eindruck dieses Ereignisses ausgewählt worden4).

Textkritischer Apparat

  1. B] Steht für „Bürgermeister“.

Anmerkungen

  1. Seneca, Ad Lucilium epistulae morales 114,27. Der Text dort lautet wörtlich Nihil tamen aeque tibi profuerit ad temperantiam omnium rerum quam frequens cogitatio brevis aevi et huius incerti.
  2. Matrikel Helmstedt, Bd. 2, S. 133.
  3. Lebensdaten nach Schaper, Bürgerbuch 1, S. 167.
  4. Das Senecazitat (vgl. Anm. 1) mündet ein in die Mahnung quidquid facies, respice ad mortem (was auch immer du tust, denke an den Tod).

Nachweise

  1. Schrader, Hausinschriften 1955, Nr. 25 (A, C, D).
  2. Schaper, Bürgerbuch 1, S. 167 (A, C, D).
  3. Kleinert, Stadtbild, S. 49 (A).
  4. Hägele, Hausinschriften, Nr. 55.
  5. Moshagen, Hausinschriften, S. 13f.

Zitierhinweis:
DI 61, Stadt Helmstedt, Nr. 277 (Ingrid Henze), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di061g011k0027707.