Inschriftenkatalog: Stadt Helmstedt

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 61: Stadt Helmstedt (2005)

Nr. 272 St. Stephani 1680

Beschreibung

Grabplatte der Anna Elisabeth Rhoden. Sandstein. An der nördlichen Kirchenaußenwand, fünfter Stein links vom Westportal. An der Kirchenaußenwand hat sie auch Böhmer 1710 gesehen1). Auf hochrechteckiger Platte von zwei Ranken gerahmtes, ovales Schriftfeld mit der eingehauenen Inschrift. Oben links und rechts zwei Wappen, unten je eine Blume.

Maße: H.: ca. 219 cm; B.: 127 cm; Bu.: 4,5–6 cm.

Schriftart(en): Kapitalis mit Versalien.

DI 61, Nr. 272 - St. Stephani - 1680

 Sabine Wehking [1/1]

  1. ANNA ELISABETHA / JOACHIMI RHODEN R(EGIAE) M(AIESTATIS) S(UECICAE) CAPITAN(EI) ET / MARGR(ETHAE) WAGENERS FILI[A] / NATA ANKLAMI POM(ERANIAE) M.DC.XLI D(IE) X. JAN(UARII) / NUPTA MDCLXI. D(IE) XII. NOV(EMBRIS) M(AGISTRO) HENNINGO KOCH / PAST(ORI) HELMST(ADIENSI) / IV LIB(ERORUM)a) HEDEW(IGIS) ELIS(ABETHAE) BALTHAS(ARIS) GERHARD(I) / HENRIC(I) ET FRIEDER(ICI) MATER / [TOTA] FASTUS FELb) FRAUS OTIUM SILENTIUMc) / JN / TERRENA VITIA MALA JNIUSTA ADVERSA / VITA PROCUL FASTU FELLE FRAUDIBUS ACTA / SUB QUOTIDIANA TELA ET PRECIBUS / PHTHISEOS AESTU AESTIBUS MALORUM SUBDUCTA / AEGRE MARITO ET LIBERIS LAETA MUNDO / ULTIMUM DIXIT VALE M.DC.LXXX. D(IE) XXI. OCT(OBRIS) / SUB CUSTODE ANGELO IN HOC ANGULO2) / EXUVIAS P(OSUIT) / DESID(ERATISSIMAE) CONI(UGI) ET MATRI VID(UUS) ET LIBERI / M(ONUMENTUM) H(OC) P(OSUERUNT)

Übersetzung:

Anna Elisabeth, Tochter des Joachim Rhoden, Hauptmanns der königlich schwedischen Majestät, und der Margretha Wagener, geboren in Anklam in Pommern am 10. Januar 1641, verheiratet 1661 am 12. November mit Magister Henning Koch, Pastor in Helmstedt, Mutter der vier Kinder Hedwig Elisabeth, Balthasar Gerhard, Heinrich und Friedrich, selbst ganz Abweisung, Galle, List, Enthaltung und Schweigen gegenüber irdischen Fehlern, Bosheiten, Ungerechtigkeiten und Widrigkeiten, führte ein Leben fern von Abweisung, Galle, listigen Ränken, wurde unter täglichem Sinnen und Beten von der Gewalt der Schwindsucht den Gewalten des Bösen entzogen und sagte zum Leidwesen des Ehemannes und der Kinder 1680 am 21. Oktober der Welt fröhlich ein letztes Lebewohl. Unter Engelsschutz in diesem engen Winkel hat sie ihre sterbliche Hülle niedergelegt. Der schmerzlichst vermißten Gattin und Mutter setzten der Witwer und die Kinder dieses Denkmal.

Wappen:
?3), ?4)

Kommentar

Der Ehemann der Verstorbenen, Magister Henning Koch, war von 1667 bis 1691 Pastor an St. Stephani5). Das bei seinem Tode 1691 für ihn verfaßte Funeralprogramm6) bestätigt die Angaben, die die Inschrift zur Biographie der Anna Elisabeth Rhoden macht. Henning Koch ist 1681 eine zweite Ehe eingegangen, die kinderlos blieb.

Textkritischer Apparat

  1. LIBB. auf dem Stein.
  2. FEL] vel Böhmer.
  3. SILENTIUM] silentium vel Böhmer.

Anmerkungen

  1. Böhmer, Inscriptiones, S. 30 MONVMENTA LAPIDESQVE parietibus templi externis adfixi mit S. 31.
  2. Das Wortspiel ANGELOANGULO ist im Deutschen schwer wiederzugeben.
  3. Wappen ?: Kranz zwischen Flügeln.
  4. Wappen ?: gepanzerter Arm, der Kranz hält.
  5. Freist/Seebaß, Pastoren, Bd. 1, S. 110.
  6. Programma in funere .. Henningi Kochii, Helmstedt o. J. (1691).

Nachweise

  1. Böhmer, Inscriptiones, S. 31.

Zitierhinweis:
DI 61, Stadt Helmstedt, Nr. 272 (Ingrid Henze), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di061g011k0027202.