Inschriftenkatalog: Stadt Helmstedt

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 61: Stadt Helmstedt (2005)

Nr. 230 St. Stephani 1668

Beschreibung

Grabplatte des Johannes Horneius. Sandstein. Innen an der Nordwand des nördlichen Seitenschiffes. Der ursprüngliche Standort kann erschlossen werden aus dem Hinweis der Inschrift auf die Nähe des Grabes zu den Gräbern der übrigen Familienangehörigen. Die Beisetzungsstätte der Familie Horneius befand sich nach Böhmer im nördlichen Teil des Friedhofes1). Der Stein muß an verdeckter Stelle die Jahrhunderte überdauert haben, denn weder erwähnt ihn Böhmer 1710 noch findet er sich bei Querner und Meier in deren Bestandsaufnahmen von um 1850 und 1896. Auf der hochrechteckigen Platte oben links und rechts je ein Vollwappen, darunter die eingehauene Inschrift. In den Ecken und zwischen den Wappen florales Ornament.

Maße: H.: 205 cm; B.: 108 cm; Bu.: 4–5,5 cm.

Schriftart(en): Kapitalis mit Versalien.

DI 61, Nr. 230 - St. Stephani - 1668

 Sabine Wehking [1/1]

  1. CHRISTO SERVATORI S(ACRVM) / MEMORIAE / V(IRI) CL(ARISSIMI) / JOANNIS HORNEII, / QVI A(NNO) MDCXXVa), D(IE) III SEPTEMBR(IS) / HEIC NATVS, / TVM ALIIS PRAECLARIS VIRIS TVM IPSOMET PATRE / MAGISTRO VSVS, / POST IN RINTHELENSI PHILOSOPHIAM, IN PATRIA / VERO ACADEMIA HISTORIAM POESIN / CRAECASQVEb) LITTERAS DOCVIT, / PIETATEM OPTIMORVM PARENTVM EXEMPLO / VNICE SECTATVS. / A(NNO) MDCLXVIIIa), D(IE) IX AVGVSTI, / QVVM XLIII ANNOS VIVENDO NONDVM EXPLEVISSET, / IN IPSO QVIDEM AFTATISc) VIGORE, / SED VANITATVM ET AERVMNARVM HVIVS MVNDI / PRIDEM PERTAESVS, / IN DOMINO OBDORMIVIT. / PROPE EORVNDEM EXSVVIASd), QVIBVS OLIM CARISSIMVS / FVERAT, SVO QVOQVE CORPORE CONDITO, / GLORIOSAM RESVRRECTIONEM EXSPECTANS. / MARGARETA ELISABETA TAPPIA / MARITO DESIDERATISS(IMO) / H(OC) M(ONVMENTVM) P(ONI) C(VRAVIT)

Übersetzung:

Christus, dem Erretter, geweiht. Dem Andenken an den hochberühmten Johannes Horneius, der im Jahre 1625 am 3. September hier geboren wurde, neben anderen vorzüglichen Männern auch seinen Vater selbst zum Lehrer hatte und später an der Universität Rinteln Philosophie, an seiner Heimatuniversität aber Geschichte, Dichtkunst und griechische Literatur lehrte. Dabei war er nach dem Vorbild seiner vortrefflichen Eltern sehr fromm. Er entschlief im Herrn im Jahre 1668 am 9. August, nachdem er noch keine dreiundvierzig Jahre gelebt hatte, zwar in der Blüte seiner Jahre, doch schon längst angeekelt von der Eitelkeit und Mühsal dieser Welt. Nachdem bei den sterblichen Überresten der Menschen, denen er einst der Liebste war, auch sein Leichnam beigesetzt worden ist, erwartet er eine herrliche Auferstehung. Margarete Elisabeth Tappen ließ dem schmerzlichst vermißten Gatten dieses Denkmal setzen.

Wappen:
Horneius2), Tappen3)

Kommentar

Johannes Horneius gehört zu den nicht wenigen Helmstedter Professoren, die an derselben Hochschule wie ihre berühmteren Väter einen Lehrstuhl erhielten. Geboren als ältester Sohn des Theologieprofessors Konrad Horneius (vgl. Nr. 167) und der Anna Katharina Reiche, Tochter des Kanonikus und Seniors des Stiftes St. Blasii in Braunschweig Johann Theodor Reiche4), besuchte er nicht die städtische Lateinschule, sondern wurde ausschließlich von Privatlehrern unterrichtet. Nach Studien in Helmstedt und Altdorf erwarb er am 18. Januar 1649 in Helmstedt den philosophischen Magistertitel und folgte im Mai 1649 einem Ruf als Professor der Physik an die Universität Rinteln5). Noch im selben Jahr kehrte er nach Helmstedt zurück und verwaltete dort von 1650 bis 1655 die Professur für Geschichte und Poesie, „ohne daß über die Art seines Lehrverfahrens der Nachwelt auch nur das Geringste bekannt geworden wäre“6). 1655 wechselte er auf den Lehrstuhl der griechischen Sprache. Dem Unterricht und einigen wenigen Veröffentlichungen widmete er die Arbeitskraft seiner letzten Lebensjahre. Er war verheiratet mit der Helmstedter Professorentochter Margarete Elisabeth Tappen (vgl. Nr. 383). Einer Tochter aus dieser Ehe gilt die Inschrift Nr. 308, einem Bruder des Verstorbenen Nr. 176.

Textkritischer Apparat

  1. Neulateinische Zahlzeichen.
  2. CRAECASQVE] Für GRAECASQVE.
  3. AFTATIS] Für AETATIS.
  4. EXSVVIAS] Für EXVVIAS.

Anmerkungen

  1. Böhmer, Inscriptiones, S. 46 LAPIDES IN PARTE COEMITERII anteriore mit S. 55ff. Dort die Inschriften der Familien Horneius Nrr. 383, 176, 308, 167 und 350 sowie der mit Horneius verschwägerten Wideburg und Vogler Nrr. 387, 338 und 256.
  2. Wappen Horneius: aus Wolke am linken Schildrand wachsender Arm, eine Schere haltend.
  3. Wappen Tappen: Vogel mit Zweig über Kranz, darin Hausmarke (Anhang 2, H14). Abgewandelt in Nr. 271.
  4. Lebensdaten nach Programma in funere .. Joannis Horneii, Helmstedt o. J. (1668). Vgl. auch Koldewey, Geschichte der klassischen Philologie, S. 104–106 und Ahrens, Lehrkräfte, S. 120f.
  5. Vgl. W. Hänsel, Catalogus Professorum Rinteliensium, Rinteln 1971, S. 73.
  6. Koldewey, Geschichte der klassischen Philologie, S. 119.

Nachweise

  1. Schultz, Grabmale 1963, S. 103.
  2. Henze, Helmstedt, S. 38.

Zitierhinweis:
DI 61, Stadt Helmstedt, Nr. 230 (Ingrid Henze), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di061g011k0023004.