Inschriftenkatalog: Stadt Helmstedt

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 61: Stadt Helmstedt (2005)

Nr. 204 St. Stephani 1662

Beschreibung

Grabplatte des Johann Friedrich von Holwede. Sandstein. An der nördlichen Außenwand der Kirche, sechster Stein links vom Westportal. Nach Böhmer befand sich die Platte 1710 im Inneren der Kirche in der Nähe des Taufbeckens1). In der Kirche sah sie um 1850 auch Querner2). Meier fand sie 1896 außen an der Nordseite der Kirche vor3). Inschriften A und B in der oberen bzw. unteren Hälfte der hochrechteckigen Platte, dazwischen eingelassenes rundes Feld mit zwei Vollwappen. Inschrift C auf dem äußeren Rand des Steines umlaufend, oben links beginnend und von innen zu lesen. Inschriften eingehauen.

Maße: H.: 195 cm; B.: 98 cm; Bu.: 4 cm (A, B), 5 cm (C).

Schriftart(en): Fraktur mit Kapitalis (A, B), Kapitalis mit Versalien (C).

DI 61, Nr. 204 - St. Stephani - 1662

 Sabine Wehking [1/1]

  1. A

    Johan Friederig Von Holwede / Seliger Herr Oberster Leütenant zu Ros ist / Gebohren den 6. APRIL A(NN)O 1619 Gestorben / AN(N)O 1662 den 7. monat AVGVSTI · Seines / alters 43 iahr 4 mont undt 1 tag des Sele / GOTT Genadig Sey undt am Lieben Jüng/sten Tage ein Fröliche Aufferstehung verleihen / woll umb der Auferstehung JESV Christi / willen

  2. B

    Ich Habe E[i]nen Gutten Kampf Gekemffet ich / habe Glauben gehalten ich habe den Lauf Vol/lendet hin[f]ort ist mir beygeleget die Kron der / Gerechtigkeit welche mich der HERR der / Gerechte Richter geben wird nicht Alleine mir / Sonderen alle die Seine Erscheinung Lieb haben / 2 TIM: am · 4 · V · 7 · 84) ·

  3. C

    ALSO HADT GOTT DIE WELT GELI-/BET DAS ER SEINEN EINGEBOHREN SOHN GAB AVF DAS ALLE DIE AN IHN / GLAVBEN N[I]CHT VERLO[RE]N WER=/DEN SONDERN DAS EWIGE LEBEN HABEN · IOH 3 · CAP5) ·

Wappen:
Holwede6), ?7)

Kommentar

Der Fall des Johann Friedrich von Holwede zeigt den guten Ruf der medizinischen Fakultät. Holwede, geboren am 6. April 1619 als Sohn des Oldenburgischen Rates und Kanzlers Johann Ernst von Holwede und der Agnesa Reiche aus Rostock8), hatte sich nach Studien in Rinteln, Leiden und Franeker 1638 zum Kriegsdienst entschlossen. Als Rittmeister in schwedischen Diensten erlitt er eine schwere Kopfverletzung, die ihn wiederholt zwang, sich auf seinen Sitz nach Dreileben, Bördekreis, zurückzuziehen. Zuletzt Kurfürstlich-Brandenburgischer Oberstleutnant, erhielt er 1660 seine Entlassung. Er widmete sich fortan seiner Familie – er war verheiratet mit Anna Sophia, Tochter des Oldenburgischen Rates Christoph Pflug und der Elisabeth von Zahrenhausen – und seinem Rittergut Dreileben. Als sich Ende Juli 1662 die Beschwerden aus seiner Verletzung verstärkten, reiste er am 31. Juli nach Helmstedt in der Absicht, sich von den dortigen Universitätsmedizinern behandeln zu lassen. In Helmstedt verschlechterte sich sein Zustand rapide. Er verstarb am 7. August und wurde am 9. September in der Stephanikirche beigesetzt.

Anmerkungen

  1. Böhmer, Inscriptiones, S. 25 PENES BAPTISTERIVM.
  2. Querner 1, S. 20.
  3. Meier, Kunstdenkmäler, S. 70f.
  4. Nach 2. Ti. 4,7–8.
  5. Jh. 3,16.
  6. Wappen Holwede: hohler Baumstamm („hohle Weide“). Vgl. Meier, Kunstdenkmäler, S. 71.
  7. Wappen ?: gespalten, r. Lilie, l. drei Sterne pfahlweise.
  8. Lebensdaten nach B. Cellarius, Bey .. Sepultur des .. Johann Friedrichs von Holwehde, Helmstedt 1663.

Nachweise

  1. Böhmer, Inscriptiones, S. 25 (A).
  2. Ludewig, Geschichte, S. 174 (A).
  3. Querner 1, Typoskript, S. 20 (A, B), Ms., S. 21 (A, B).

Zitierhinweis:
DI 61, Stadt Helmstedt, Nr. 204 (Ingrid Henze), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di061g011k0020404.