Inschriftenkatalog: Stadt Helmstedt

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 61: Stadt Helmstedt (2005)

Nr. 200 St. Stephani 1661

Beschreibung

Epitaph des Georg Kreitz. Sandstein. An der nördlichen Kirchenaußenwand, dritter Stein links vom Ostportal. Böhmer sah den Stein 1710 in diesem Bereich an der Außenmauer1), ebenso Meier 18962). Hochrechteckige Platte mit eingetieftem Schriftfeld, im Giebelaufsatz zwischen Voluten zwei Vollwappen. Im Sockel unter dem Schriftfeld Engelskopf. Inschrift eingehauen.

Maße: H.: 260 cm; B.: 100 cm; Bu.: 2–5 cm.

Schriftart(en): Kapitalis mit Versalien.

DI 61, Nr. 200 - St. Stephani - 1661

 Sabine Wehking [1/2]

  1. RESPICE ET HUC VIATOR / ET QUOD PROSCRIPTUM EST LEGE. / GEORGIUS KREITZIUS / IN SPEM B(EATAE) RESURRECTIONIS HIC EST SITUSa) / IERXHEIMENSIS TERRITORII / AD ALTERUM LAPIDEM VICINI / VARIAS INTER TEMPORUM VICES / DEI OPT(IMI) MAX(IMI) PERP[E]TUA OPE / ET IV. DUCUM BRUNSVIC(ENSIUM) ET LÜNEB(URGENSIUM) / ORDINE SUCCEDENTIUM / CONSTANTI [GR]ATIA / PER IPSOS [X]LIV. ANNO[S P]RAEFECTUS / X LIBERORUM PATER / XXXV. NEPOT[U]M AVUS / VIR DEO PRINC[I]PIBUS PA[T]RIAE [UX]ORI / LIBERIS NEPOTIB(US) A[MICIS B]ONIS OMNIBVS3) / PIETATE OBSEQUIO [FIDE] C[U]RA, / AC ANTIQUA [VIR]TUT[E] / UT OMNI ANIMO [AC] O[PE]RA DEVOTUS / ITA CARISS(IMUS) D[U]M VIXITb) ACCEPTISSIMUS(QUE) / TANDEM LABORIB(US) AC SE[NE]CTUTE FRACTUSc) / AD ULTIMAM MORTALI[T]A[TI]S LINEAM4) / IN HAC AMICA SIBI URBE / FILIARUM P[AR]IS HAUT INGRATO HOSPITIO / PERVENIT [A(NN)]O MDCLXI. XII. SEPT(EMBRIS) / CUM VIXISSET ANNOS LXXIII / MENSE[S] IIX DIE[S] TOTIDEM / MARIA KEIDELIA / XLIII ANNORUM CONCORDE MATRIMONIO / SUPERSTES EHEU UIDUA / LIBERI GENERI AC NEPOTES / MARITI PATRIS SOCERI AVI / OPTIME MERITI / MEMORIAE / HOC MONUMENTUM POSUERUNT.

Übersetzung:

Schau auch hierher, Wanderer, und lies, was für die Öffentlichkeit geschrieben ist! Georg Kreitz ist hier in der Hoffnung auf eine selige Auferstehung begraben. Mit Gottes, des Besten und Größten, andauernder Hilfe und dank der beständigen Gnade von vier der Reihe nach aufeinanderfolgenden Herzögen zu Braunschweig und Lüneburg war er ganze vierundvierzig Jahre hindurch im wechselvollen Auf und Ab der Zeiten Amtmann des Amtes Jerxheim, das zwei Meilen von hier in der Nähe liegt. Dazu war er Vater von zehn Kindern und Großvater von fünfunddreißig Enkeln, ein Mann, Gott, den Fürsten, dem Vaterland, der Ehefrau, den Kindern, Enkeln, Freunden und allen Redlichen in Frömmigkeit, Gehorsam, Treue, Fürsorglichkeit und alter Zuverlässigkeit mit ganzem Herzen und Bemühen, solange er lebte, ebenso zugetan wie von ihnen geliebt und hochgeschätzt. Endlich entkräftet von Mühsal und Alter, gelangte er an das letzte Ende der Zeitlichkeit in dieser ihm angenehmen Stadt, dem geliebten Wohnort zweier Töchter, im Jahre 1661 am 12. September, nachdem er dreiundsiebzig Jahre, acht Monate und ebenso viele Tage gelebt hatte. Maria Keidel, als Witwe, weh, hinterblieben aus einer dreiundvierzigjährigen einträchtigen Ehe, die Kinder, Schwiegerkinder und Enkel haben zum Andenken an den hochverdienten Gatten, Vater, Schwiegervater und Großvater dieses Denkmal errichtet.

Wappen:
Kreitz5), Keidel?6)

Kommentar

Georg Kreitz wurde am 5. Januar 1588 als Sohn eines Pfarrers in Markoldendorf, Landkreis Northeim, geboren7). Nach einem aus Geldmangel abgebrochenen Studium wirkte er seit 1617 als Amtmann in Jerxheim, Landkreis Helmstedt. Die in der Inschrift erwähnten vier herzoglichen Dienstherren erklären sich aus der Funktion des Amtes Jerxheim als Wittumsamt der Herzogin Elisabeth von 1613 bis 1626 und der Herzogin Anna Sophie von 1628 bis 16598). Dazwischen und danach unterstand Jerxheim und damit der Amtmann Kreitz dem jeweils regierenden Herzog, also Friedrich Ulrich und August dem Jüngeren. Kreitz war seit dem 14. September 1618 mit einer Tochter seines Amtsvorgängers, der das Grabdenkmal setzenden Maria Keidel, verheiratet. Bei den in der Inschrift genannten zwei in Helmstedt wohnhaften Töchtern handelt es sich um Anna Elisabeth, verheiratet mit dem Helmstedter Professor Georg Werner (vgl. Nr. 241), und um die Frau des Helmstedter Stadtphysikus Heinrich Bosse. In dessen Haus hatte sich Kreitz wegen eines Fußleidens in der Hoffnung auf Heilung begeben. Dort verstarb er am 12. September bzw. kurz nach Mitternacht am 13.9) September 1661.

Textkritischer Apparat

  1. HIC EST SITUS] PROXIMO TUMULO EST CONTECTUS (ist von dem nächstliegenden Hügel bedeckt) Cm 161.
  2. D[U]M VIXIT] Fehlt in Cm 161.
  3. Hier Einschub in Cm 161 OMNIBUS HIS DUM IN UTRAQUE FORTUNA / NITITUR FRUITURQUE (während er sich in Glück und Unglück auf alles dies stützte und sich daran erfreute).

Anmerkungen

  1. Böhmer, Inscriptiones, S. 30 MONVMENTA LAPIDESQVE parietibus templi externis adfixi mit S. 38f.
  2. Meier, Kunstdenkmäler, S. 71.
  3. Zu bonis omnibus vgl. S. 37f. der Einleitung.
  4. Nach Horaz, Episteln 1,16,79 mors ultima linea rerum est. Die Horazwendung als Zitat verbreitet, vgl. z. B. DI 25 (Ludwigsburg), Nr. 396, Nr. 668.
  5. Wappen Kreitz: Schnecke.
  6. Wappen Keidel?: Schräglinksbalken, oben und unten begleitet von Rose.
  7. P. Kanneman, Bey Christlicher Leichbegängnis Des .. Georg Creitz, Helmstedt 1662 und Programma in funere .. Georgii Kreitzen, Helmstedt 1662.
  8. Kleinau, Ortsverzeichnis, S. 322.
  9. Bei Kanneman, wie Anm. 7, und in der Inschrift 12. September, 13. September nach dem Programma in funere, wie Anm. 7, und der Lebensalterberechnung der Inschrift menses IIX dies totidem.

Nachweise

  1. Nieders. Landesbibliothek Hannover, Cm 161, Trauerschriften G. Kreitz, letzter Beitrag.
  2. Böhmer, Inscriptiones, S. 38f.

Zitierhinweis:
DI 61, Stadt Helmstedt, Nr. 200 (Ingrid Henze), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di061g011k0020006.