Inschriftenkatalog: Stadt Helmstedt

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 61: Stadt Helmstedt (2005)

Nr. 191 Kreis- und Universitätsmuseum 1657

Beschreibung

Epitaph des Christoph Roier. Gußeisen. 1710 von Böhmer unter den Grabdenkmälern an den Außenwänden von St. Stephani aufgeführt1). Nach der Reihenfolge der Inschriften bei Böhmer hing es im Chorbereich2). Ebendort hat es auch Meier 1896 gesehen3). Tafel mit querovalem, von Ranken gerahmtem Schriftfeld, darüber schlafender Putto zwischen Totenkopf und Stundenglas, darunter Engelskopf, an den Seiten rechts Vollwappen, Wappen links abgebrochen, das Ganze von Rankenwerk eingefaßt. Buchstaben erhaben gegossen.

Maße: H.: 88 cm; B.: 107 cm; Bu.: 2–2,5 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 61, Nr. 191 - Kreis- und Universitätsmuseum - 1657

 Sabine Wehking [1/1]

  1. D(EO) O(PTIMO) M(AXIMO) S(ACRVM) / CHRISTOPHORVS / ROIERVS / VRBIS HVIVS CONSVL BENEMERITVS / PIETATIS · CVLTOR INFVCATVS / IVSTI · ET AEQVI · VINDEX PAVPERVM ASILVM / PRISCI CANDORIS · EXEMPLVM / MOLESTVS NEMINI · / AMICVS · ET GRATVS OMNIBVS / VITAE ET HONORIS · SATVR / ANNO MDCLVIIa) DIE III MEN(SIS) IANVARII / EFFOETI · CORPORIS EXUVIAS · HEIC / IN SPEM RESVRRECTIONIS DEPOSVIT / MARGARETHA DUVIA / TERTIA CONIVX VIDVA MOESTISSIMA / H(OC) M(ONVMENTVM) P(ONI) C(VRAVIT) / NATVS EST BRVNSVIGAE XII FEBRV(ARII) / ANNO MDLXXXVIIa)

Übersetzung:

Gott, dem Besten und Größten, geweiht. Christoph Roier, dieser Stadt wohlverdienter Bürgermeister, wahrhaftiger Diener des Glaubens, Anwalt des Rechten und Billigen, Zuflucht der Armen, ein Muster alter Redlichkeit, niemandem zuwider, allen gewogen und bei allen beliebt, legte hier lebenssatt und übergenug geehrt im Jahre 1657 am 3. Januar die Hülle seines abgelebten Körpers nieder in der Hoffnung auf Auferstehung. Margareta Duve, dritte Ehefrau und tieftraurige Witwe, ließ dieses Denkmal setzen. Geboren ist er in Braunschweig am 12. Februar im Jahre 1587.

Wappen:
Duve4)

Kommentar

Christoph Roier, geboren als Sohn eines Tuchhändlers in Braunschweig5), erwarb nach Lehrjahren im Woll- und Gewandhandel in Hamburg und Helmstedt 1611 das Helmstedter Bürgerrecht und ließ sich als Kaufmann dort nieder. 1627 wurde er Ratsherr, in den folgenden Jahren Schöffe, Kämmerer und 1650 Bürgermeister. Seine drei Ehen, 1612–1617 mit der Braunschweiger Bürgermeisterstochter Margareta Lüddeken, 1618–1626 mit der Helmstedter Kaufmannstochter Margareta Stalmeken und 1627–1657 mit der Helmstedter Bürgermeisterstochter Margareta Duve, blieben ohne überlebende Kinder. Er adoptierte die Tochter Anna Margarete seines Schwagers Heinrich Duve (vgl. Nr. 172). Sie wurde Ehefrau des nachmaligen Professors der Theologie und Abts von Königslutter, Friedrich Ulrich Calixt (vgl. Nr. 339). Dieser erbte später das Roiersche Haus Schuhstr. 46). Die Gestaltung des Epitaphs dürfte von Roier noch selbst vorgegeben worden sein7).

Roiers Name und der seiner drei Frauen findet sich auch an dem von ihm 1644 gestifteten Hochaltar von St. Stephani (vgl. Nr. 160). Für seine Taufkirche St. Magni in Braunschweig hat er 1640 einen Taufdeckel gestiftet und in der Inschrift daran erinnert, daß der erste lutherische Prediger in Braunschweig und an St. Magni sein Urgroßvater Heinrich Lampe (Lampadius) gewesen ist8).

Textkritischer Apparat

  1. Neulateinische Zahlzeichen.

Anmerkungen

  1. Böhmer, Inscriptiones, S. 30 MONVMENTA LAPIDESQVE parietibus templi externis adfixi mit S. 39.
  2. Nach dem Eintrag im Kirchenbuch von St. Stephani, NStA Wolfenbüttel 1 Kb 583, S. 450 wurde Roier auch hinder dem Cohr begraben.
  3. Meier, Kunstdenkmäler, S. 70f.
  4. Wappen Duve: Taube auf Ast, mit Zweig im Schnabel.
  5. Lebensdaten nach B. Cellarius, Bey dem Begräbnis Des .. Christophori Royers, Helmstedt 1657.
  6. Schaper, Häuserbuch 1,3, S. 130. Eine Baumaßnahme des Ehepaares Roier/Duve in Schuhstr. 4 dokumentiert Inschrift Anhang 1 1634.
  7. Vgl. Programma in funere .. Christophori Roieri, Helmstedt o. J. (1657) rem familiarem omnem composuit de struendo sepulchro nominatim etiam solicitus (er ordnete sein Hauswesen, wobei er sich insbesondere um die Herrichtung des Grabmals bemühte).
  8. Vgl. DI 56 (Stadt Braunschweig II), Nr. 890.

Nachweise

  1. Böhmer, Inscriptiones, S. 39.
  2. Querner 2.

Zitierhinweis:
DI 61, Stadt Helmstedt, Nr. 191 (Ingrid Henze), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di061g011k0019106.