Inschriftenkatalog: Stadt Helmstedt

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 61: Stadt Helmstedt (2005)

Nr. 156 St. Stephani 1636

Beschreibung

Epitaph des Ernst Stisser. Sandstein. An der nördlichen Kirchenaußenwand, dritter Stein rechts vom Ostportal. In diesem Bereich befand er sich auch 17101). Hochrechteckige Schriftplatte, bekrönt durch Volutengiebel, darin links und rechts Vollwappen mit den erhaben ausgehauenen Beischriften A und B, dazwischen Frauenkopf. Über diesem weiteres Vollwappen. Die eingehauene Inschrift C auf der darunter befindlichen Platte.

Maße: H.: 196 cm; B.: 95,5 cm; Bu.: 2,5 cm (A, B), 3,5–6 cm (C).

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 61, Nr. 156 - St. Stephani - 1636

 Sabine Wehking [1/1]

  1. A

    MARGARETA CURDES

  2. B

    EUPHMOSYNAa) SCHAEFFERIN

  3. C

    ERNESTUS STISSER / S(ANCTAE) TH(EOLOGIAE) L(ICENTIATUS) HEBR(AE AE) L(INGUAE) PROF(ESSOR) PUBL(ICUS) / COLLEGIATAR(UM) ECCL(ESIARUM) S(ANCTORUM)b) NICOL(AI) ET / GANGOLFI MAGDEB(URGENSIUM) CANONICUS / VIR ERUDITIONE PRUDENTIA CAN-/DORE INSIGNIS / PIETATIS ET VIRTUTIS ZELO / ADMIRABILIS / NATUS HALAE SAX(ONUM) MDXCVc) · PR(IDIE) K(A)L(ENDAS) IUN(II)2) / PUBLICE DOCUIT ANN(OS) IIX · VIXIT XLI / DECESSIT MDCXXXVIc) X K(A)L(ENDAS) SEPT(EMBRIS)3) / E X LIB(ERIS)d) QUOS PROCREAVIT IV PRAEMISIT / QUINTUM HOC TUMULO RECEPIT / RELIQUOS IN SECULO SUPERSTITES / APUD DEUM PRAESTOLATUR / ET UT DUM VIVUNT MORI DISCANT / ETIAMNUM COMMONET · / MARITI ET PARENT(IS) INCOMPARABILIS / EXUVIAS / DUM CHR(IST)O JUBENTE IM(M)ORTALES EXURGANT / IUXTA SAXUM HOC CUM LACHRYMIS / DEPOSUERE / VIDUA ET LIBERI · / QUID TE FUTURUM LECTOR COGITA / ET HOC AGE ·

Übersetzung:

Ernst Stisser, der hl. Theologie Lizentiat, öffentlicher Professor der hebräischen Sprache, Kanonikus an den Stiftskirchen St. Nikolai und St. Gangolf in Magdeburg, ein Mann von herausragender Bildung, Klugheit und Geistesklarheit, in seinem Streben nach Frömmigkeit und Tugend bewundernswert, geboren im sächsischen Halle 1595 am Tag vor den Kalenden des Juni, lehrte acht Jahre öffentlich, lebte einundvierzig und verschied 1636 am 10. Tag vor den Kalenden des September. Von den zehn Kindern, die er zeugte, sandte er vier voraus; das fünfte nahm er in dieses Grab mit auf, die übrigen, in dieser Welt zurückgelassenen erwartet er bei Gott und mahnt sie nun noch, daß sie sterben lernen, während sie noch leben. Bei diesem Stein bestatteten die Witwe und die Kinder unter Tränen des unvergleichlichen Gatten und Vaters sterbliche Überreste, bis sie auf Christi Geheiß unsterblich auferstehen. Bedenke dein zukünftiges Schicksal, Leser, und richte dich danach! (C)

Wappen:
Stisser4)
Curdes5), Schäffer6)

Kommentar

Die Schriftzeilen sind nach links leicht abgesenkt. Über alle römischen Zahlzeichen ist ein durchgehender Querstrich gesetzt.

Ernst Stisser7) wurde dank des Einflusses seines Vaters, des Magdeburger Kanzlers Kilian Stisser, schon in jungen Jahren Kanonikus der Magdeburger Kollegiatstifter St. Nikolai und St. Gangolf. 1628 nahm er einen Ruf als Professor der hebräischen Sprache an der Universität Helmstedt an. Hier erwarb er am 27. April 1636, wenige Monate vor seinem Tod, den Grad eines Lizentiaten der Theologie.

Stissers erste Ehefrau Margarete Curdes, Tochter des Magdeburger Kanonikus an St. Gangolf Paul Curdes, starb schon 1621. Ihre einzige Tochter Margarethe (vgl. Nr. 293) heiratete den Helmstedter Professor Christoph Schrader (vgl. Nr. 269). Die Stifterin des Grabsteins, Stissers zweite Frau Euphrosyna Schäffer, war die Tochter des Magdeburger Rates Dr. Johannes Schäffer. Aus dieser Ehe gingen sechs Töchter und drei Söhne hervor, von denen zum Zeitpunkt der Inschriftenabfassung noch vier Kinder lebten.

Textkritischer Apparat

  1. EUPHMOSYNA] Für EUPHROSYNA.
  2. Auf dem Stein: SS.
  3. Neulateinische Zahlzeichen.
  4. Auf dem Stein: LIBB.

Anmerkungen

  1. Vgl. Böhmer, Inscriptiones, S. 30 MONVMENTA LAPIDESQVE parietibus templi externis adfixi mit S. 34.
  2. 31. Mai.
  3. 23. August.
  4. Wappen Stisser: gekreuzte Stäbe, bewinkelt oben von Stern, zu beiden Seiten und unten von Rose. Vgl. Siebmacher, Wappenbuch, Bd. 5, 2. Abt., ND Bd. 9, S. 10.
  5. Wappen Curdes: Pfeil auf Schrägbalken, begleitet von zwei zugewandten Halbmonden.
  6. Wappen Schäffer: Über Schaf gleichseitiges Dreieck mit einem durchgesteckten Stab. Dieser begleitet von drei Rosen.
  7. Lebensdaten bei Zimmermann, Album, S. 440.

Nachweise

  1. Böhmer, Inscriptiones, S. 34.
  2. Koch bei Meier, Monumenta Julia.
  3. Henze, Helmstedt, S. 52.

Zitierhinweis:
DI 61, Stadt Helmstedt, Nr. 156 (Ingrid Henze), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di061g011k0015603.