Inschriftenkatalog: Stadt Helmstedt

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 61: Stadt Helmstedt (2005)

Nr. 131† Holzberg 15/16 1616 o. später, M. 17. Jh.

Beschreibung

Rekonstruierte Fachwerkfassaden zweier Häuser, die als Neubauten 1981–83 mit Holzberg 17 (Nr. 58) zu einem Haus verbunden worden sind. Von den ehemals vorhandenen Inschriften wurde Inschrift A nach den Schriftresten rekonstruiert1) und in einer ergänzten Fassung auf dem Schwellbalken des ersten Obergeschosses von Holzberg 15 wieder angebracht. Die folgende Beschreibung behält die ursprüngliche Trennung nach Hausstellen bei und gibt den Zustand von vor 1981 wieder2).

Nördlicher Hausteil (ehem. Holzberg 15): Traufenständiges, ursprünglich zwei-, im 19. Jahrhundert dreigeschossiges Fachwerkhaus, fünf Gefache breit. Inschrift A auf dem Schwellbalken des vorkragenden Obergeschosses, bis 1978 wie das gesamte dekorierte Fachwerk unter Putz verborgen. Inschrift erhaben geschnitzt.

Südlicher Hausteil (ehem. Holzberg 16): Traufenständiges, ursprünglich zwei-, im 19. Jahrhundert dreigeschossiges Fachwerkhaus, vier Gefache breit. Reich geschmücktes Fachwerk und Inschrift 1978 aufgedeckt. Inschrift B ehemals auf dem nördlichen Teil des Schwellbalkens des vorkragenden Obergeschosses über dem damals hier befindlichen Hauseingang3).

Inschrift A nach Photo Denkmalkartei Stadt Helmstedt, B nach Denkmalkartei Stadt Helmstedt.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 61, Nr. 131 - Holzberg 15/16 - 1616 o. später, M. 17. Jh.

 Sabine Wehking [1/1]

  1. A

    WER GOT […]TRAWET [..]T WO[.] G[.]BA[… .........] VND AVF ERDEN DEM SOL DER HIMMEL WERDEN4) [.]NDREAS BRANDES M[...]a)

  2. B

    [...]DRICH HVN[...]

Kommentar

Holzberg 15: Die unregelmäßig gearbeitete Kapitalis der Inschrift A verwendete retrogrades N in ERDEN.

Wohl um Platz für den Namen des Bauherrn zu gewinnen, wurde der Text des Kirchenliedes verkürzt. Die 1982 an der gleichen Stelle am Gebäude angebrachte Fassung der Inschrift hat dies geändert und verzichtet dafür auf die Nennung des Erbauers5). Die Datierung der Inschrift – die jetzt zu lesende Zahl 1659 (vgl. Anm. 5) ist eine moderne Zutat – hat den inschriftlich genannten Namen Brandes mit zu berücksichtigen. Andreas Brandes läßt sich nicht eindeutig identifizieren. Eine Anna Maria Brandes heiratete 1659 den Schuster Heinrich Wrede6), der von eben diesem Jahr 1659 bis 1686 als Eigentümer des Grundstücks eingetragen ist7). Vor 1659 besteht eine Lücke im Katalog der Eigentümer. Falls Anna Maria eine Tochter des sich in der Inschrift nennenden Andreas Brandes ist – immerhin trägt ihr ältester Sohn den Namen Andreas8) – hätte sie das Haus 1659 mit in die Ehe gebracht. Der Zeitpunkt für die Abfassung der Inschrift bzw. die Erbauung des Hauses dürfte dann einige Jahre vor 1659 anzusetzen sein.

Holzberg 16: Der Sattlermeiser Friedrich Hüne war von 1616 bis zu seinem Tode 1665 Eigentümer des Grundstücks9). In diese Zeit fällt die Entstehung der Inschrift bzw. der Bau des Hauses. Die am Neubau von 1982 auf dem Platz der alten Inschrift angebrachte Jahreszahl 1595 dürfte sich auf die erste greifbare Nennung des Hauses in den Akten beziehen10).

Textkritischer Apparat

  1. M[...]] Lesung Denkmalkartei Stadt Helmstedt.

Anmerkungen

  1. Frdl. Auskunft des Eigentümers, Herrn H. Kopp, Helmstedt.
  2. Nach Denkmalkartei Stadt Helmstedt und Photo der Häuser von 1898 bei Schaper, Ansichten 1976, Nr. 56.
  3. Dort jetzt moderne Inschrift . 1595 . ERNEUERT 1982 ·.
  4. Wander, Sprichwörterlexikon, Bd. 2, Sp. 90, Nr. 2200 mit Fortsetzung des Joachim Magdeburg (1525–nach 1587), in EKG 1951 u. ö., Nr. 284.
  5. Die moderne Inschrift lautet: WER GOT VERTRAWET HAT WOL GEBAVET IM HIMMEL VND AVF ERDEN WER SICH VERLÄST AVF JESVM CHRIST DEM SOL DER HIMMEL WERDEN . 1659. Der ergänzte Teil WER SICH VERLÄST AVF JESVM CHRIST ist in Schriftgestaltung und Orthographie dem übrigen, dem Original folgenden Buchstabenbestand angepaßt.
  6. Schaper, Bürgerbuch 5, S. 1253.
  7. Schaper, Häuserbuch 1,2, S. 68. Das Folgende ebenda.
  8. Schaper, wie Anm. 6.
  9. So Schaper, Bürgerbuch 2, S. 477. Anders, nämlich 1616–1651 mit Eigentümerlücke von 1651–1665, ders., Häuserbuch 1,2, S. 70. Da eine Tochter Hünes das Haus dem nachfolgenden Eigentümer Christoph Röpenach 1665 mit in die Ehe brachte (Schaper, Bürgerbuch 4, S. 922), ist die erste Version die wahrscheinlichere.
  10. Schaper, Häuserbuch 1,2, S. 70 mit Eigentümerangabe Hermann Ulenbrock.

Nachweise

  1. Denkmalkartei Stadt Helmstedt (mit Photos zu Holzberg 15).

Zitierhinweis:
DI 61, Stadt Helmstedt, Nr. 131† (Ingrid Henze), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di061g011k0013106.