Inschriftenkatalog: Stadt Helmstedt

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 61: Stadt Helmstedt (2005)

Nr. 123 St. Stephani 1611

Beschreibung

Grabplatte des Franziscus Parcovius. Sandstein. An der südlichen Kirchenaußenwand, rechts vom Westportal. Nach Böhmer befand sich der Stein 1710 in der Nähe des Kreuzaltars1). 1851 hat ihn Querner noch in der Kirche gesehen2). Meier zählt ihn 1896 bereits unter den Grabsteinen im Außenbereich der Kirche auf3). Unter Dreipaßbogen in Nische lebensgroße, halbplastische Figur des Verstorbenen, barhäuptig, bärtig, mit Halskrause, Umhang, darunter Wams mit Kette und Gürtel sowie Kniehosen. Die rechte Hand hält Handschuhe, die linke liegt auf dem Knauf eines Degens4). Links und rechts des Dreipaßbogens zwei Vollwappen. Inschrift in Schriftband umlaufend, oben links beginnend. Buchstaben erhaben ausgehauen.

Maße: H.: 187 cm; B.: 98 cm; Bu.: 3 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 61, Nr. 123 - St. Stephani - 1611

 Sabine Wehking [1/1]

  1. FRANCISCVS PARCOVIVS ROSTOCHIEN[SIS PHI/LOSO]PH(IAE)a) ET MEDICINAE DOCTO[R] NASCITVR XXIX. APRIL(IS) + ANNO MDLX · MORITVR [HELM/S]TADII XIIX [IVN(II)b) ANNO CHRISTI] / MDCXI AETATIS LI PROFESSIONIS XXV CVIVS ANIMA REQVIESCAT IN PACE ·

Übersetzung:

Franziscus Parcovius aus Rostock, Doktor der Philosophie und der Medizin, ist geboren am 29. April im Jahre 1560 und gestorben in Helmstedt am 18. Juni im Jahre Christi 1611 nach einundfünfzig Lebens- und fünfundzwanzig Berufsjahren. Seine Seele ruhe in Frieden.

Wappen:
?5), Parcovius6)

Kommentar

Franziscus Parcovius gehört zu der nicht geringen Zahl von Gelehrten, die die neu gegründete Helmstedter Hochschule der Universität Rostock verdankte. Geboren am 29. April 1560 in Rostock, erwarb Parcovius auf seiner Heimatuniversität am 19. März 1583 den Magistergrad7). Am 3. Oktober 1586 wurde er als Professor der Mathematik in die philosophische Fakultät der Universität Helmstedt aufgenommen, ein Datum, das die Inschrift der Berechnung seiner Berufsjahre zugrunde legt. Nach Erwerb des medizinischen Doktortitels am 31. August 1590 wechselte Parcovius in die medizinische Fakultät über. Er starb als Inhaber der Ersten medizinischen Professur und Leibarzt des Herzogs Heinrich Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel. Parcovius war seit dem Tage seiner Promotion verheiratet mit Elisabeth, der Tochter des späteren Rates und Schultheißen in Wolfenbüttel Johannes Molinus (vgl. Nr. 82). Die Grabschriften von zweien seiner Töchter sind bekannt (vgl. Nrr. 134 und 142).

Textkritischer Apparat

  1. Textergänzungen, soweit nicht anders vermerkt, nach Böhmer. Dieses und das folgende Zeilenende sind wegen Zerstörungen des Steines nicht sicher zu bestimmen.
  2. IVN(II)] Nicht bei Böhmer. Dort Lücke. Ergänzt nach Kupferstich Parcovius, Braunschweigisches Landesmuseum, LMB Nr. 22040, abgebildet in: Kat. Späthumanismus, S. 49. Das dort abweichend von der Inschrift mitgeteilte Todesdatum XIX. Jun. entspricht nicht den Angaben der Leichenpredigt, wie Anm. 7.

Anmerkungen

  1. Böhmer, Inscriptiones, S. 8 PROPE ALTARE MINVS. 
  2. Querner 1, S. 20.
  3. Meier, Kunstdenkmäler, S. 72. Zwischenzeitlich war der Stein offenbar nach draußen gebracht worden und dort in Vergessenheit geraten. Das Helmstedter Kreisblatt berichtet unter dem 2. 10. 1886 über seine Wiederauffindung „bei der Anlage eines Weges neben der St. Stephanikirche“ (frdl. Hinweis von Herrn Stadtarchivar H. E. Müller).
  4. In sehr ähnlicher Pose ist Parcovius in Halbfigur auf dem in Anm. b zitierten, nach seinem Tode angefertigten Kupferstich dargestellt.
  5. Wappen ?: geteilt, im übrigen verwittert.
  6. Wappen Parcovius: Engel mit Schwert in der Rechten. Vgl. Zimmermann, Album, S. 412. Daß das Vaterwappen hier heraldisch links steht, ist ungewöhnlich.
  7. Lebensdaten nach Zimmermann, Album, S. 411f. und L. Scheurle, Eine .. Leichpredigt Bey der Begrebnus des .. Francisci Parcovii, Helmstedt 1611. Vgl. auch Triebs, Medizinische Fakultät, S. 61 und Ahrens, Lehrkräfte, S. 173f.

Nachweise

  1. Böhmer, Inscriptiones, S. 8.
  2. Helmstedter Kreisblatt vom 2. 10. 1886.
  3. Henze, Helmstedt, S. 40.

Zitierhinweis:
DI 61, Stadt Helmstedt, Nr. 123 (Ingrid Henze), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di061g011k0012304.