Inschriftenkatalog: Stadt Helmstedt

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 61: Stadt Helmstedt (2005)

Nr. 119 St. Walpurgis 1605

Beschreibung

Wappentafel der Schustergilde. Öl auf Leinwand. In der Eingangshalle des Turms. Meier sah sie 1896 im südlichen Querhaus1). Die Tafel ist symmetrisch angelegt und kann in der Mitte geklappt werden. Jede Hälfte besteht aus einem unteren querrechteckigen Bereich, der sich außen in einem niedrigen Querrechteck, innen in einem Hochrechteck fortsetzt. Inschrift A verläuft in gemalter Kartusche oben über beide Hälften des inneren Hochrechtecks. Unter Inschrift A ein Vollwappen. In den beiden Hälften des unteren Bereichs unten die beiden Teile der Jahreszahl B in zwei gemalten Kartuschen, darüber in zwei Reihen über beide Hälften zehn Vollwappen (6:4) mit den Beischriften C–L, jeweils auf Band schwarz auf beige gemalt.

Maße: H.: 168 cm; B.: 227 cm (geöffnet); Bu.: 2,5 cm.

Schriftart(en): Fraktur (A, C–L), Kapitalis (B).

DI 61, Nr. 119 - St. Walpurgis - 1605

 Sabine Wehking [1/1]

  1. A

    Der Erbaren Schoster / Gilde Wapen

  2. B

    ANNO // 1605

  3. C

    Ka) Hinrich Giseken

  4. D

    Hinrich Eggestein.

  5. E

    Andreas Tettebornn

  6. F

    Jürgen Osterodt

  7. G

    Lüddeke Lütingk

  8. H

    Engelke Werdenhagen

  9. I

    Davidtb) Kreüet.

  10. J

    Michel Büssen

  11. K

    Brandt Moller

  12. L

    Hinrich Giseken der / Jüngrc)

Wappen:
Schustergilde2), Giseken3), Eggestein4), Tettebornn5), Osterodt6), Lütingk7), Werdenhagen8), Krevet9), Büssen10), Moller (Müller)11), Giseken3)

Kommentar

Die sich auf der Wappentafel darstellende Schustergilde hatte zu einem nicht bekannten Zeitpunkt das Kloster St. Ludgeri im Patronat über die Kirche abgelöst (vgl. Nr. 35).

Heinrich Giseken war von 1594 bis zu seinem Tod 1606 Kämmerer. Ein gleichnamiges weiteres Familienmitglied – wie in Inschrift L genannt – läßt sich zum Jahre 1605 nicht nachweisen12). – Heinrich Eggestein dürfte identisch sein mit dem gleichnamigen Schuhmachermeister und Ratsverwandten, gestorben 1660, verheiratet mit einer 1576 geborenen Sophie N. N.13). – Andreas Tettebornn war Ratsherr und verstarb 161414). – Der Name Jürgen Osterodt erscheint um diese Zeit mehrfach und ist nicht eindeutig zuzuordnen15). – Bei Lüddeke Lütingk handelt es sich wohl um den gleichnamigen Ratsherrn (1547–1635), für dessen Zugehörigkeit zur Schustergilde spricht, daß er seine Tochter mit einem Schuhmacher verheiratet hatte. Über einen 1626 gestorbenen Lüddeke Lütingk d. J. liegen keine diesbezüglichen Angaben vor16). – Engelke Werdenhagen war 1594 Eigentümer u. a. von Papenberg 817). – Die genannten Krevet und Büssen ließen sich nicht identifizieren. – Brandt Moller (Müller) ist nach seinem Wappen identisch mit dem Erbauer des Speicherhauses von 1605 am Langen Steinweg (Nr. 117)18).

Textkritischer Apparat

  1. K] Steht für „Kämmerer“.
  2. Über v zwei Punkte.
  3. der / Jüngr] verkleinert und untereinander.

Anmerkungen

  1. Meier, Kunstdenkmäler, S. 78.
  2. Wappen Schustergilde: Schuh, darüber Ahle und Schustermesser?
  3. Wappen Giseken: Hausmarke (Anhang 2, H11).
  4. Wappen Eggestein: geteilt, oben drei Pfähle, unten zwei Sterne.
  5. Wappen Tettebornn: gespalten, r. halbe Lilie, l. zwei Schrägbalken.
  6. Wappen Osterodt: schräggeteilt, r. halbe Lilie, l. zwei Rosen.
  7. Wappen Lütingk: gekreuzte, zweizackige Gabeln.
  8. Wappen Werdenhagen: Helm? mit zwei Elchschaufeln.
  9. Wappen Krevet: Krebs.
  10. Wappen Büssen: Justitia mit Schwert und Waage.
  11. Wappen Moller (Müller) geteilt, oben drei Blütenstiele, gebündelt, unten halbes Mühlrad.
  12. Schaper, Bürgerbuch 2, S. 338.
  13. Schaper, Bürgerbuch 1, S. 238.
  14. Schaper, Bürgerbuch 4, S. 1108.
  15. Schaper, Bürgerbuch 3, S. 836.
  16. Schaper, Bürgerbuch 3, S. 712.
  17. Schaper, Bürgerbuch 5, S. 1198.
  18. Die drei Blütenstiele stehen dort in der Helmzier. Im Schild erscheint statt ihrer eine Hausmarke (Anhang 2, H 10).

Nachweise

  1. Meier, Kunstdenkmäler, S. 78 (A, B).

Zitierhinweis:
DI 61, Stadt Helmstedt, Nr. 119 (Ingrid Henze), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di061g011k0011907.