Inschriftenkatalog: Stadt Helmstedt

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 61: Stadt Helmstedt (2005)

Nr. 98 Gröpern 55 1591

Beschreibung

Haus, traufenständig, dreigeschossig, im zweiten Obergeschoß vorkragendes Fachwerk, dort acht Gefache breit. Fassade des Erd- und ersten Obergeschosses massiv. Inschriften A und B hintereinander auf dem Schwellbalken des zweiten Obergeschosses. Vor und nach dem Bibelspruch in Inschrift A Ornament in Form einer Acht. Inschriften vertieft eingeschnitzt und farbig gefaßt. Inschrift A ist zum Teil zerstört und nur teilweise restauriert worden.

Maße: Bu.: ca. 10 cm.

Schriftart(en): Fraktur (A), Kapitalis (B).

  1. A

    · wer den hern furchtet Dem wirds wolg[ – – – ] letztena) not vnd wird [ – – – ]ab) segen erhaltenc) · got lieben · das ist die aller schoenste wai[ – – – ]d) denn er sihet [....]d) grosse wunder sie [.…]e) · Sira: 1. cap.1)

  2. B

    V(ERBUM) · D(OMINI) · M(ANET) · I(N) · AE(TERNUM)f) · I · PET · I.2) ANNO. CHRISTI. m. c°c°c°c°c° NONAGESIMO PRIMO

Übersetzung:

Des Herrn Wort bleibt in Ewigkeit. Im Jahre Christi 1591. (B)

Kommentar

Die dicht ausgeführte unruhige Fraktur der Inschrift A unterscheidet nicht deutlich zwischen d und D. Das a in cap. ist kastenförmig und unten offen. In Inschrift B erscheint in PET ein epsilonförmiges E.

Der in Inschrift B verwendete Bibelspruch – Devise des sächsischen Kurfürsten Friedrich des Weisen – ist nachreformatorisch vor allem in lutherischen Gegenden häufig anzutreffen3). In Helmstedt ist er in gleicher, abgekürzter Form auch für das Haus Edelhöfe 13 (Nr. 122) belegt.

Eigentümer des Grundstücks Gröpern 55 war von 1587 bis 1613 der Bürger der Neumark Hermann Rubra4).

Textkritischer Apparat

  1. letzten] lesten Hägele.
  2. a] Restaurierungsfehler?
  3. erhalten] behalten Hägele.
  4. Die durch die Restaurierung angebotenen Zeichen lassen sich nicht als Buchstaben identifizieren.
  5. [.…]] tuht Hägele.
  6. Die Balken des E sind nicht farbig gefaßt.

Anmerkungen

  1. Sir. 1,13–15: Wer den Herrn fürchtet, dem wird’s wohl gehen in der letzten Not, und er wird endlich den Segen behalten. Gott lieben, das ist die allerschönste Weisheit, und wer sie ersieht, der liebt sie; denn er sieht, welch große Wunder sie tut.
  2. Devise nach 1. Pt. 1,25.
  3. Vgl. DI 42 (Einbeck), S. XXI; DI 46 (Stadt Minden), Nr. 73 mit weiterführender Literatur zum Spruch.
  4. Schaper, Helmstedter Häuserbuch 2, S. 156, dort unter Gröpern 56.

Nachweise

  1. Hägele, Hausinschriften, Nr. 19.

Zitierhinweis:
DI 61, Stadt Helmstedt, Nr. 98 (Ingrid Henze), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di061g011k0009807.