Inschriftenkatalog: Stadt Helmstedt

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 61: Stadt Helmstedt (2005)

Nr. 70 Kreis- und Universitätsmuseum 1572

Beschreibung

Brüstungsplatte. Eichenholz. Die querrechteckige Platte stammt von dem 1910 abgebrochenen Fachwerkhaus Neumärker Straße 231). Oben und unten durchgehende Leiste mit Inschriften A und E. An beiden Seiten breite Leiste mit Renaissanceornamenten, u. a. Vasen mit Blattwerk und Masken. Im Mittelfeld Jahreszahl B unter Flachbogen beiderseits der Helmzier eines Vollwappens. Dessen Schild ruht auf Schriftband mit zweigeteilter, eingeritzter Inschrift C. Darunter Inschrift D, eingeritzt, mit teilweise großen Zwischenräumen. Inschriften A, B und E erhaben geschnitzt.

Maße: H.: 63,5–65,5 cm; B.: 110 cm; Bu.: 6 cm (A), 2 cm (C), 2,5 cm (D), 5 cm (E).

Schriftart(en): Kapitalis mit Elementen der frühhumanistischen Kapitalis.

DI 61, Nr. 70 - Kreis- und Universitätsmuseum - 1572

 Sabine Wehking [1/1]

  1. A

    HINRECH · CHRIST · ME FIERI FECIT ·

  2. B

    15//72

  3. C

    ANNE // BARNESFELTa)

  4. D

    S IN E Mb)

  5. E

    WER AHN CHRISTVM GELEVBET DER HAT DAS EWIGE LEBEN2)

Übersetzung:

Heinrich Christ hat mich erbauen lassen. (A)

Wappen:
Christ3)

Kommentar

Als typische Formen frühhumanistischer Kapitalis erscheinen unziales D und ein dazu nahezu spiegelsymmetrisches, unziales G mit hochgezogenem unteren Bogenende. Alle I-Schäfte sind in der Mitte nach links ausgebuchtet, ebenso die Mittelbalken des H nach oben in Inschrift A und teilweise in Inschrift E.

Erbauer des Hauses war Heinrich Christ, der sich in seinem Wappen am ehemaligen Beginenhaus (Nr. 79) als Kämmerer bezeichnet und am 21. Juli 1588 als Bürgermeister verstorben ist4). Die Familie der vermutlichen Ehefrau Anne Barnesfelt läßt sich in Helmstedt nicht nachweisen.

Textkritischer Apparat

  1. BARNESFELT] Zwischen E und S Blattranke.
  2. Eine Auflösung der Initialen kann nicht gegeben werden. Möglicherweise handelt es sich um eine abgekürzte Devise.

Anmerkungen

  1. Vgl. Schaper, Ansichten 1976, Nr. 75. Die dort irrtümlich angegebene Hausnummer 10 wird von der kopialen Literatur übernommen, so von Hägele, Hausinschriften, Nr. 7. – Neumärker Straße 23 führte bis 1952 die Hausnummer 17, vgl. Schaper, Häuserbuch 1,3, S. 25.
  2. Nach Jh. 3,36 Wer an den Sohn glaubet, der hat das ewige Leben.
  3. Wappen Christ: Lilie, begleitet von zwei achteckigen Sternen oder Blüten.
  4. Vgl. den Beerdigungseintrag im Kirchenbuch NStA Wolfenbüttel 1 Kb 582, S. 83.

Nachweise

  1. Schaper, Ansichten 1976, Nr. 75 (B, E, Abb.).
  2. Kleinert, Stadtbild, S. 52 (B, E, Abb.).
  3. Hägele, Hausinschriften, Nr. 7.

Zitierhinweis:
DI 61, Stadt Helmstedt, Nr. 70 (Ingrid Henze), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di061g011k0007008.