Inschriftenkatalog: Stadt Helmstedt

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 61: Stadt Helmstedt (2005)

Nr. 68 St. Marienberg 1572

Beschreibung

Grabplatte der Sophia von Wenden. Kalkstein. Im östlichen Kreuzgang an der Wand befestigt. Auf der stark mit Versteinerungen durchsetzten Platte die Verstorbene in grober Ritzzeichnung in Lebensgröße, dargestellt in einer Tracht wie auf ihrem Epitaph Nr. 69 und mit auf der Brust zum Gebet zusammengelegten Händen. Die eingehauene Inschrift beginnt oben links, verläuft als nach innen zeigende Umschrift und wird in zwei Zeilen über und einer Zeile links neben dem Haupt der Verstorbenen zu Ende geführt.

Maße: H.: 232 cm; B.: 105 cm; Bu.: 8–8,5 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 61, Nr. 68 - St. Marienberg - 1572

 Sabine Wehking [1/2]

  1. ANNO D(OMI)NI 1572 IN DIE / AGATHAE1) OBIIT VENERABILIS ET NOBILIS / SOPHIA DE WENDEN / HVIVS CENOBII D(OMI)NA SVB REGIMINE EIVS. 26a). / CVIVS ANIMA RE/QVIESCAT IN SANC/TA PACEb)

Übersetzung:

Im Jahre des Herrn 1572 am Tag der Agathe starb die ehrwürdige und edle Sophia von Wenden, Domina dieses Klosters, (das) sechsundzwanzig Jahre unter ihrer Leitung (stand). Ihre Seele ruhe in heiligem Frieden.

Kommentar

Die Verstorbene gehört einem welfischen Ministerialengeschlecht an, das bereits im 15. Jahrhundert im Kloster St. Marienberg eine Priorin, Jutta von Wenden, gestellt hatte2). Sophia von Wenden war von 1540 bis 1546 Unterpriorin und von 1546 bis zu ihrem Tod am 5. Februar 1572 Priorin bzw. Domina3). Während der langen Dauer ihres Wirkens erlebte das Kloster zunächst die vorläufige Reformation 1542, die Rekatholisierung durch Herzog Heinrich den Jüngeren 1547 und die endgültige Reformation 1568/69 durch Herzog Julius. Zusammen mit der Unterpriorin Margarethe von Bartensleben (vgl. Nr. 66) und dem übrigen Konvent hat sie zähen Widerstand gegen die Einführung der Reformation geleistet4).

Textkritischer Apparat

  1. 26] 76 Gesamte kopiale Überlieferung. Die ungewöhnliche Formel cenobii domina sub regimine eius .. ist möglicherweise nicht verstanden worden und wurde auf das Lebensalter der Verstorbenen bezogen. Nach NStA Wolfenbüttel VII B Hs. 286, Bl. 7a, zitiert bei Strauß, Marienberg, S. 163, ist Sophia von Wenden im Alter von 76 Jahren gestorben. Die Schreiber der kopialen Überlieferung setzten diese Zahl hier ein und ergänzten dann ihre Abschrift um die scheinbar fehlende Amtszeitangabe, vgl. Anm. b.
  2. CVIVS .. PACE] p(rae)fuit annos 26 gesamte kopiale Überlieferung.

Anmerkungen

  1. 5. Februar.
  2. Strauß, Marienberg, S. 161, S. 174.
  3. Strauß, Marienberg, S. 163, S. 165.
  4. Strauß, Marienberg, S. 100ff.

Nachweise

  1. Nieders. Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen 8° Cod. Ms. hist. 499, Bl. 84v.
  2. Nieders. Landesbibliothek Hannover Ms. XXIII 583, Bl. 13r.
  3. HAB Wolfenbüttel Cod. Guelf. 227 Extrav. 4°, Bl. 279v.
  4. Meier, Kunstdenkmäler, S. 51.

Zitierhinweis:
DI 61, Stadt Helmstedt, Nr. 68 (Ingrid Henze), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di061g011k0006808.