Inschriftenkatalog: Stadt Helmstedt

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 61: Stadt Helmstedt (2005)

Nr. 49 St. Marienberg 1546

Beschreibung

Grabplatte der Margarete von Hoim. Sandstein. In der Südostecke des Kreuzganges aufgestellt. Der Beisetzungsort der Margarete von Hoim befindet sich mit hoher Wahrscheinlichkeit im Südflügel des Kreuzganges (s. unten Kommentar). Auf dem sich nach unten trapezförmig verjüngenden Stein verläuft Inschrift A zwischen dünnen, eingetieften Linien als nach innen zeigende Umschrift. Sie beginnt oben links. Inschrift B ist im oberen Drittel des im übrigen leeren Mittelfeldes quer über die Platte geschrieben. Einziges Schmuckelement sind vier ornamental gefüllte Kreise in den Ecken. Inschriften eingehauen.

Maße: H.: 207 cm; B.: 80 cm (oben), 63 cm (unten); Bu.: 10 cm (A), 7 cm (B).

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien.

DI 61, Nr. 49 - St. Marienberg - 1546

 Jutta Brüdern, Braunschweig [1/1]

  1. A

    Anno d(omi)ni / M ccccc xlvi i(n) octa(va) · nati(vitatis) ma(r)ie1) obijt v[e](nera)b(ilis) / d(omi)n[a] [m]ar/gare(ta) · de · hoim cui(us) a(n)i(m)a · re[qu]iescat i(n) p[ace] · a(me)na)

  2. B

    · p(rae)fuit 30 a(nn)isb) ·

Übersetzung:

Im Jahre des Herrn 1546 am achten Tag nach dem Fest der Geburt Mariens starb die ehrwürdige Domina Margarete von Hoim. Ihre Seele ruhe in Frieden. Amen. (A)

30 Jahre stand sie (dem Kloster) vor. (B)

Kommentar

Als Kürzungszeichen werden neben waagerechten Strichen zwei Punkte über den Buchstaben verwendet.

Die seit Ende des 15. Jahrhunderts u. a. mit der Burg Esbeck, Landkreis Helmstedt, belehnte Familie von Hoim2) war im 16. Jahrhundert noch durch ein weiteres Mitglied im Marienberger Konvent vertreten3) und beteiligt an der Stiftung eines Kelches (Nr. 31). Nach einer anonymen Chronik der Jahre 1508 bis 15724) nahm Margarete von Hoim in den ersten Jahren ihrer Tätigkeit als Domina zahlreiche Baumaßnahmen in Angriff. Sie sicherte die Kirchenfenster, renovierte das Kapitelhaus und das große Orgelwerk und widmete sich vor allem der Erneuerung des Kreuzganges. Unter anderem ließ sie den Südflügel mit schönen Biblischen figuren an der Kirchenseiten ausmalen und dort durch Herrn Jordan5) einen Altar setzen als Ort ihrer täglichen Andacht. Ebendort wollte sie auch beigesetzt werden. Der Chronist vermerkt, daß sie damit auf den ihr als Domina gebührenden Platz im Nordflügel des Kreuzganges, wo sich vier ihrer Vorgängerinnen hatten beisetzen lassen, verzichtete. Am Ende ihrer Amtszeit, im Jahre 1542, erfolgte die erste Zwangsreformierung des Klosters, deren Rücknahme 1547 bereits in das Dominat ihrer Nachfolgerin Sophia von Wenden (vgl. Nr. 68) fiel6).

Textkritischer Apparat

  1. a(me)n] Fehlt in der handschriftlichen Überlieferung. n hochgestellt.
  2. p(rae)fuit 30 a(nn)is] Praefuit huic Monasterio 30 annos handschriftliche Überlieferung.

Anmerkungen

  1. 15. September.
  2. Kleinau, Ortverzeichnis, Bd. 1, S. 182.
  3. Elisabeth von Hoim, gestorben 1568, vgl. Strauß, Marienberg, S. 182.
  4. Ms. Hannover, Bl. 7r–10v.
  5. Ms. Hannover, Bl. 8r. Nach der Titulatur dürfte es sich um den Stiftsgeistlichen Jordanus Jordan (vgl. Nr. 47) handeln.
  6. Dazu Strauß, Marienberg, S. 100ff.

Nachweise

  1. Nieders. Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen 8° Cod. Ms. hist. 499, Bl. 84v.
  2. Nieders. Landesbibliothek Hannover Ms. XXIII 583, Bl. 13r.
  3. HAB Wolfenbüttel Cod. Guelf. 227 Extrav. 4°, Bl. 279v.
  4. Meier, Kunstdenkmäler, S. 51.

Zitierhinweis:
DI 61, Stadt Helmstedt, Nr. 49 (Ingrid Henze), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di061g011k0004900.