Inschriftenkatalog: Stadt Helmstedt

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 61: Stadt Helmstedt (2005)

Nr. 45 Schuhstr. 5 1514

Beschreibung

Haus. Traufenständiger Fachwerkbau, sieben Gefache breit, Erd- und Zwischengeschoß mit durchschießenden Ständern, Obergeschoß vorkragend. Auf dessen Schwellbalken Inschrift und Treppenfries. Über dem 1. bis 6. Balkenkopf von links Inschrift A, über dem 7. Balkenkopf Medaillon mit den Initialen der Inschrift B. Dazwischen jeweils sechsstufiges Treppenteil, gefüllt mit spitzem Blendbogen. Meisterzeichen (Anhang 2, M2) über dem 6. Balkenkopf unter dem Eigennamen aus Inschrift A. Schrift zeilenweise gerahmt von schräg geführten Perlschnüren, ein Ornament, das vergrößert auch die Treppen begleitet. Inschriften erhaben geschnitzt und farbig gefaßt.

Maße: Bu.: ca. 7 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel (A), frühhumanistische Kapitalis (B).

DI 61, Nr. 45 - Schuhstr. 5 - 1514

 Sabine Wehking [1/2]

  1. A

    […..]icka) / [......]b) // fundator anno / m°ccccc° / xiiiic) // an mandaghesd) / na cantate1) // is dit hus / bereideth // dorch mester / clawes // lindenberch

    B

    S A D H Se)

Kommentar

Inschrift A verwendet doppelstöckiges, kastenförmiges, unten offenes a. s trägt überwiegend einen den Buchstaben von oben nach unten teilenden, breiten Zierstrich.

Die schriftliche Überlieferung zum Haus Schuhstr. 5 beginnt erst mit dem Jahr 15512). Der genannte Klaus Lindenberch läßt sich in Helmstedt nicht nachweisen. Folgt man Meier, der in Klaus Lindenberch den ausführenden Baumeister sieht3), könnte sich der Name des auftraggebenden Bauherrn in den Initialen von Inschrift B verbergen. Das zweifelsfrei zu lesende fundator (Gründer, Stifter) bezeichnet hier möglicherweise ebenfalls den Bauherrn, der am Anfang der Inschrift genannt war und vielleicht Hinrick mit Vornamen hieß. Mit den anschließenden Teilen folgt die Inschrift dem verbreiteten zeitgenössischen Formular4).

Textkritischer Apparat

  1. [...]ick] ...ck Meier. Nach dem vorhandenen Platz kann man darüber hinaus den Verlust von drei bis vier Buchstaben am Anfang des Wortes annehmen, vgl. dazu Kommentar.
  2. Die in der unteren Zeile zu erkennende Perlschnurrahmung spricht für einen Textverlust an dieser Stelle von etwa fünf bis sechs Buchstaben.
  3. xiiii] xiiii° Meier.
  4. an mandaghes] am mandagh Meier, Schrader, Schaper.
  5. Die Reihenfolge, in der die Initialen hier angeordnet werden, ist unsicher. Die leicht nach innen gebogenen Schäfte eines H sind jeweils belegt mit einem S, links spiegelverkehrt. Der Balken des H ist nach oben ausgebuchtet. Darüber steht ein spitzes A mit beidseitig überstehendem, nach unten gebrochenem Mittelbalken, darunter offenes unziales D.

Anmerkungen

  1. 15. Mai.
  2. Schaper, Häuserbuch 1,3, S. 131f.
  3. Meier, Kunstdenkmäler, S. 378.
  4. Vgl. dazu DI 35 (Stadt Braunschweig I), S. XLVIff.

Nachweise

  1. Meier, Kunstdenkmäler, S. 101 (A).
  2. Schrader, Hausinschriften 1955, Nr. 3 (A).
  3. Schaper, Häuserbuch 1,3, S. 131f.
  4. Hägele, Hausinschriften, Nr. 3 (A).
  5. Moshagen, Hausinschriften, S. 24 (A, Abb.).

Zitierhinweis:
DI 61, Stadt Helmstedt, Nr. 45 (Ingrid Henze), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di061g011k0004505.