Inschriftenkatalog: Stadt Helmstedt

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 61: Stadt Helmstedt (2005)

Nr. 33 St. Marienberg 2. H. 15. Jh.

Beschreibung

Antependium, sog. Wappenantependium1). Wollenes Tuch, mit Seide bestickt. Konturstreifen Leder. In zweimal drei annähernd quadratische Felder aufgeteilt. Am linken Rand ein Streifen angesetzt, der bei der Restaurierung 1981 unter dem mittleren Feld der unteren Reihe gefunden wurde und deutlich besser erhalten ist2). Das mittlere Feld der oberen Reihe fast gänzlich zerstört. Dargestellt ist jeweils über kleinem, von Tieren bevölkertem Hügel ein Baum mit zwei sich oben umeinanderschlingenden und nach beiden Seiten üppig in Blattwerk ausschwingenden Ästen. Im linken oberen Feld Inschrift A1 auf Schriftband quer vor dem Baumstamm. Im rechten oberen Feld und in den drei unteren Feldern ähnliche Schriftbänder mit Inschriften A2–5, darunter je ein heraldisch rechtsgelehnter Wappenschild. Die Kontur der Buchstaben in bräunlichen, mit hellgelber Seide angehefteten Lederstreifen gearbeitet, Buchstabenkörper ursprünglich mit roter Seidenstickerei gefüllt, hier jetzt große Verluste. Dunkler Untergrund.

Maße: H.: ca. 95 cm; B.: ca. 165 cm; Bu.: 4–5 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel.

DI 61, Nr. 33 - St. Marienberg - 2. H. 15. Jh.

 Jutta Brüdern, Braunschweig [1/1]

  1. A1

    mita) villen

  2. A2–5

    mit villenb)

Wappen:
Alvensleben3), Alten4), Cramm5), Veltheim6),

Kommentar

Römer datiert den Teppich in die zweite Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts nach den um diese Zeit nachweisbaren Verschwägerungen der vier sich in den Wappen darstellenden Geschlechter7).

Die Inschriften sind ohne Wortabstand gearbeitet. Nur die Version A1 bietet eine sinnvolle Worttrennung durch den dazwischengelegten Ast. Die enge räumliche Verbindung von Inschriftenbändern und Wappen legt den Gedanken nahe, in den beiden Worten der Inschrift eine Devise zu sehen, die allerdings für alle Wappenführer Gültigkeit haben müßte. Aus lautgesetzlichen Gründen verbietet sich eine Deutung von villen zu „Willen“. Möglich ist es, villen als ungedehnte Variante von vielen aufzufassen8). Die Aussage der Devise wäre so ein Bekenntnis zur gemeinsamen Stärke, wie es z. B. der erste Teil eines zeitgenössischen Sprichworts formuliert mit vilen soll man die feind schlagen9). Wie etliche weitere Teppiche aus dem Bestand des Klosters bietet auch dieser Wappen- oder Bündnisteppich ein rein säkulares Programm.

Textkritischer Apparat

  1. Hier Darstellung eines Astes.
  2. Darstellung eines Astes nach v.

Anmerkungen

  1. Zur liturgischen Verwendung vgl. Römer, Paramente, S. 52.
  2. Vgl. dazu sowie zu Materialien und Farbgebung die ausführliche Beschreibung des Teppichs bei Römer, Paramente, S. 49ff.
  3. Wappen Alvensleben: zwei Balken, der obere mit zwei, der untere mit einer Rose belegt. Vgl. Siebmacher, Wappenbuch, Bd. 3, 1. Abt., ND Bd. 14, S. 1.
  4. Wappen Alten: sieben Rauten, schrägbalkenweise gestellt, je in der Mitte mit einem Tropfen belegt. Vgl. Siebmacher, Wappenbuch, Bd. 2, 2. Abt., ND Bd. 19, S. 3.
  5. Wappen Cramm: drei Lilien. Vgl. Siebmacher, Wappenbuch, Bd. 2, 2. Abt., ND Bd. 19, S. 4.
  6. Wappen Veltheim: breiter Balken, mit zwei Leisten belegt. Vgl. Siebmacher, Wappenbuch, Bd. 2, 2. Abt., ND Bd. 19, S. 10.
  7. Römer, Paramente, S. 50f.
  8. Vgl. DWb, Bd. 26, Sp. 105.
  9. Überliefert bei Sebastian Franck, Sprichwörter, schöne weise Klugreden .., Frankfurt 1548, S. 160b.

Nachweise

  1. Römer, Paramente, S. 49 (Abb.).

Zitierhinweis:
DI 61, Stadt Helmstedt, Nr. 33 (Ingrid Henze), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di061g011k0003305.