Inschriftenkatalog: Stadt Helmstedt

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 61: Stadt Helmstedt (2005)

Nr. 6 Braunschweig, Braunschweigisches Landesmuseum 13. Jh.

Beschreibung

Glocke. Bronze. Meier hat sie 1896 noch im Kloster St. Ludgeri in Helmstedt gesehen1). 1901 gehörte sie zum Bestand des damaligen Herzoglichen Museums, des heutigen Herzog Anton Ulrich-Museums in Braunschweig2). Seit 1975 befindet sie sich im Braunschweigischen Landesmuseum3). Die bienenkorbförmige Glocke trägt auf der Flanke die beiden apokalyptischen Buchstaben, die sich gegenüberliegen. Oberhalb des Schlages verläuft ein Band aus doppelten Stegen. Zwei weitere Bänder aus doppelten Stegen am Hals schließen über dem Alpha ein Kreuz ein. Buchstaben erhaben ausgeführt.

Maße: H.: ca. 67 cm; Dm.: ca. 61 cm; Bu.: 10 und 15 cm.

Schriftart(en): Griechische Buchstaben.

DI 61, Nr. 6 - Braunschweig, Braunschweigisches Landesmuseum - 13. Jh.

 Sabine Wehking [1/1]

  1. A // ω

Kommentar

Alpha und Omega, erster und letzter Buchstabe des griechischen Alphabets und symbolische Selbstbezeichnung Gottvaters und Christi nach Off. 1,8, 21,6 und 22,13, sind bereits in der altkirchlichen Kunst häufig gebrauchte Christussymbole4); auf Glocken werden sie bis ins 14. Jahrhundert oft dargestellt5), auch in Verbindung mit anderen Zeichen, die darauf deuten, daß ihnen eine Dämonen abwehrende Wirkung zugeschrieben worden ist. Ihre Gestaltung auf der Ludgeri-Glocke bietet ein verbreitetes Muster6): Das flachgedeckte A trägt als weiteres Christuszeichen auf dem Deckbalken das Kreuz, Omega wird, wie bis in das späte Mittelalter üblich7), als Kleinbuchstabe geschrieben. Sein mittlerer Schaft ist ebenfalls als Kreuz ausgeführt, seine beiden seitlichen Bögen sind spiralförmig zur Mitte eingerollt. Ungewöhnlich ist die aufwendige Ornamentierung, ein sich bogenreich verästelndes Blatt- und Rankenwerk an den Schaft-, Balken- und Kreuzbalkenenden. Es bildet ein breites Dach über Omega und eine geschlossene Standlinie unter Alpha. Alpha zeigt noch keine unzialen Elemente, sondern ist klar aus kapitalem A entwickelt, wobei der schwach entwickelte Mittelbalken nach oben verschoben ist. Die frühe Datierung der Glocke nach ihrer Bienenkorbform folgt dem Vorschlag von Pfeifer.

Anmerkungen

  1. Meier, Kunstdenkmäler, S. 28.
  2. Vgl. H. Pfeifer, Kirchenglocken im Herzogthum Braunschweig. Ein Beitrag zur deutschen Glockenkunde. In: Die Denkmalpflege, 3. Jg., Nr. 15, 1901, S. 114.
  3. Frdl. Auskunft von Frau Dr. R. Marth, Herzog Anton Ulrich-Museum, mit Schreiben vom 21. 2. 1997.
  4. LCI 1, S. 2.
  5. Schilling, Glocken, S. 328 zu Abb. 180. Das Folgende ebenda, S. 136.
  6. Vgl. Sachs/Badstübner/Neumann, Ikonographie, S. 26 mit Skizze. Beispiele bei Schilling, Glocken, S. 112, 135, 137, 140 u. ö.
  7. Schilling, Glocken, S. 328 zu Abb. 180.

Nachweise

  1. Meier, Kunstdenkmäler, S. 28.
  2. H. Pfeifer, Kirchenglocken im Herzogthum Braunschweig. Ein Beitrag zur deutschen Glockenkunde. In: Die Denkmalpflege, 3. Jg., Nr. 15, 1901, S. 114. (Abb.).
  3. Kat. Jahrtausend, S. 320 (Abb.).

Zitierhinweis:
DI 61, Stadt Helmstedt, Nr. 6 (Ingrid Henze), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di061g011k0000608.