Inschriftenkatalog: Stadt Hannover

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 36: Stadt Hannover (1993)

Nr. 346 Knochenhauerstr. 26/27 (1646)

Beschreibung

Hausinschriften. Das heute auf dem Grundstück Knochenhauerstr.26/27 stehende dreigeschossige giebelständige Fachwerkhaus wurde 1972 unter Verwendung von Balken des im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigten Vorgängerbaues errichtet. Im 1. und 2. Obergeschoß wurden Balkenstücke mit Inschriften vom Vorgängerbau eingesetzt, die allerdings nicht mehr vollständig sind (A, B).1) Diese Inschriften waren im 19. und zu Anfang des 20. Jahrhunderts mit Putz bedeckt, so daß die Überlieferungen nur das Meisterzeichen mit Beil und Winkelmaß und den Initialen des Baumeisters (C) kennen, das sich heute auf einem Ständerbalken in der Mitte des 2. Obergeschosses befindet. Das heute in den Schwellbalken des 1. Obergeschosses eingesetzte Medaillon mit Hausmarke (H25) und Initialen (D) war früher wohl ebenfalls überdeckt. Der aus Balkenstücken mit Inschriften (E) zusammengesetzte Schwellbalken des Giebels ist nicht Hannoverscher Provenienz. Die Balkenstücke stammen von der Wassermühle des Gutshofs Eimbeckhausen.2) Ihre Inschriften werden hier der Vollständigkeit halber wiedergegeben.

Maße: Bu.: ca. 10 cm (A, E), ca. 8 cm (B), ca. 5 cm (C), ca. 2 cm (D).

Schriftart(en): Kapitalis (A–D), gotische Minuskel mit Versalien (E).

DI 36, Nr. 346 - Hannover, Knochenhauerstr.26/27 - (1646)

 Sabine Wehking [1/4]

  1. A

    //NIEDEN · DIE · MIR · NICHTS · GEBEN ·NOCH · MVSEN · SIE · LEIDEN · DAS · ICH · LEB//

  2. B

    //BOS · NACH · DEM · GESETZ · VND · ZEVGNVS · WERDEN · SIE · DAS NICHT · SAGEN · SO · WERDEN · SIE · DIE · MORGEN·ROTE · NICHT · HABENa)3)ICHb) · BIN · IVNG · GEWESEN · VND · ALT · WORDEN · VND · HAB · NOCH · NIE · GESEHEN · DEN · GERECHTEN · VERLASSEN · ODER · SEINEN · SAMEN / · NACH · BROD · GEHEN ·c)4)

  3. C

    M · C · L

  4. D

    H V D

  5. E

    Wo de here dat hus nicht buwet. so arbeiden vorgewes de da//d)5)Help godt ut noth.Afgunst is grodt.6)Anno. M. d. lxxij. ////ummesus Im handerste [......]e)7)//

Kommentar

Die Initialen lassen sich als M(eister) C(ord) L(evecke) auflösen. Nach Winkelmüller war Levecke in der Zeit um 1650 in Hannover als Baumeister tätig. Er starb 1661.8) Die Hausmarke läßt darauf schließen, daß der Erbauer des Hauses der Familie von Dören angehörte.9) Es dürfte sich um den im Schoßregister von 1646 an der betreffenden Stelle aufgeführten Hans von Dören handeln.10)

Textkritischer Apparat

  1. Nach HABEN Ende des Balkens.
  2. Mit ICH beginnt ein neuer Balken.
  3. Die drei letzten Worte sind in kleineren Buchstaben unter die Zeile an das Balkenende gesetzt.
  4. Zu ergänzen ist: daran bauen.
  5. Die letzten Buchstaben sind nicht mehr sinnvoll zu lesen.

Anmerkungen

  1. An der rechten Haushälfte ein neuer Balken mit der Inschrift: BAUHERRIN MARIA KLAUSNER ARCHITEKT HANS THIERMANN WIEDERERBAUT 1972 GEBAUT 1646.
  2. Auskunft des Architekten Hans Thiermann (Hannover). Vgl. Mithoff, Kunstdenkmale, S. 27.
  3. Jes. 8, 20. Was die Buchstaben BOS zu bedeuten haben, ist nicht klar. Möglicherweise handelt es sich um eine falsch restaurierte Stellenangabe JES.
  4. Ps. 37, 25.
  5. Ps. 127, 1.
  6. Wander, Bd. 2, Sp. 58, Nr. 1381.
  7. Der Sinn der Inschrift läßt sich nicht mehr rekonstruieren.
  8. Winkelmüller, Meisterzeichen, S. 56.
  9. Winkelmüller, Hausmarken, S. 263f., Nr. 141-144.
  10. StaH, B 7569, fol. 120. Hans von Dören ist nur im Schoßregister von 1646 aufgeführt.

Nachweise

  1. Meisterzeichen: Winkelmüller, Meisterzeichen, S. 67, Nr. 101; Leonhardt, Straßen und Häuser 1924, S. 112.

Zitierhinweis:
DI 36, Stadt Hannover, Nr. 346 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di036g006k0034601.