Inschriftenkatalog: Stadt Hannover

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 36: Stadt Hannover (1993)

Nr. 308† Köbelingerstr. 27 1635

Beschreibung

Hausinschriften am Hinterhaus. Das dreigeschossige Hinterhaus in Fachwerk wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Die rundbogige Durchfahrt hatte auf der Seite zur Köbelingerstraße eine steinerne Einfassung mit dem Allianzwappen des Erbauerehepaars und der Inschrift A. Auf der Schwelle des 1. Obergeschosses die Inschrift B, auf der Schwelle des 2. Obergeschosses die Inschrift C, auf einem Pfosten die Initialen des Baumeisters (D) mit gekreuztem Beil und Winkelmaß. An der anderen Seite des Hauses über der rundbogigen Durchfahrt auf einem Balken die Inschrift E, auf der Schwelle des 1. Obergeschosses die Inschrift F, auf der Schwelle des 2. Obergeschosses die Inschrift G, in die Piktogramme in Form von Herz, Blume und Kreuz eingefügt waren.

Inschriften A und D nach Nöldeke, B, C, E–G nach Photographien.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 36, Nr. 308 - Hannover, Köbelingerstr.27 - 1635

 Sabine Wehking [1/2]

  1. A

    1635JOHANNES / WILCKENCATHARINA / HALSBANT

  2. B

    WER GOTT VERTRAVT ·HAT WOLGEBAVT ·IM HIMEL · VNT AVF ERDEN1)

  3. C

    EWIGE · FREVDE ODER PEIN ·WIRD VNSER ALLER LONVNG SENa)

  4. D

    M D S

  5. E

    DER · HER · DVRCH · DER · ENGEL · SCHAR ·MEINE(N) EIN VND AVSGANG BEWAHR ·

  6. F

    DES VATERS SEGEN . BAVWET . DEN KINDERN . HEVSER . ABER . DER . MVTTER . FLVCH . REISSET . SIE . NIEDER.2) ANNO ·1·6·3·5

  7. G

    DES MENSCHEN (Herz) IN (Blumen) GEHT.WENS MITTEN VNTERM (Kreuze) STEHT.3)DAS (Kreuz) IST SCHWER DAS GLVCK IST GVHT.TRVBSAL DIE (Blumen) BRINGEN THVT.b)4)

Kommentar

Die Initialen des Baumeisters lassen sich zu M(eister) D(irk) S(tunkel) auflösen (vgl. Nr. 296).5)

Die Verwendung von Piktogrammen in der Inschrift G ist einzigartig in Hannover und kommt generell in Inschriften kaum vor. Sie erklärt sich hier dadurch, daß die Lutherrose mit ihren Bestandteilen Herz und Kreuz zum Ausgangspunkt für die Verse genommen wurde. Das erste Reimpaar läßt sich bereits 1601 in Zusammenhang mit der Lutherrose nachweisen; es gibt jedoch keinen Anhaltspunkt dafür, daß der Spruch von Luther selbst stammt.6)

Textkritischer Apparat

  1. Sic!
  2. Die Piktogramme in Form von Herz, Blume und Kreuz sind hier dem Text entsprechend in runden Klammern aufgelöst.

Anmerkungen

  1. Vgl. Nr. 312 und Wander, Bd. 2, Sp. 90, Nr. 2200.
  2. Sir. 3, 11.
  3. Balthasar Mentzius, Stambuch, dorinnen vermeldet wie das Königreich zu Sachsen ein Hertzogthumb worden. Wittenberg 1601, fol.FIIr. Hier lautet der Spruch, den Mentzius zusammen mit einer Abbildung der Lutherrose wiedergibt:Des Christen Hertz auff Rosen geht,Wenns mitten unterm Creutze steht.
  4. Vgl. Wander, Bd. 2, Sp. 1605, Nr. 16.
  5. Winkelmüller, Meisterzeichen, S. 56.
  6. Hierzu Klaus Conermann, Luther's Rose: Observations on a Device in the Context of Reformation Art and Theology. In: Emblematica 2, 1987, S. 1-60, hier S. 18 u. Anm. 82. Vgl.a. Anm. 3.

Nachweise

  1. Photographien (HM u. D 2241,11).
  2. Nöldeke, Kunstdenkmäler I, S. 525ff., Abb. 360, S. 526.
  3. Mithoff, Kunstdenkmale, S. 95.
  4. Wüstefeld, Hausinschriften, S. 17.
  5. Riemer, Baugeschichte, S. 221f.
  6. Leonhardt, Straßen und Häuser 1924, S. 38f.
  7. Peßler, Höfe, S. 6.
  8. Meisterzeichen: Winkelmüller, Meisterzeichen, S. 67, Nr. 97.

Zitierhinweis:
DI 36, Stadt Hannover, Nr. 308† (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di036g006k0030801.