Inschriftenkatalog: Stadt Hannover

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 36: Stadt Hannover (1993)

Nr. 298 Marktkirche 1631

Beschreibung

Epitaph des Statius Vasmer und der Katharina von Wintheim. Sandstein. Das Epitaph, das sich früher in der Halle des Nikolaifriedhofs befand, hängt oben an der westlichen Wand des nördlichen Seitenschiffs. Es gehört zu den wenigen aufwendigen Grabdenkmälern Hannovers, die den Zweiten Weltkrieg einigermaßen unbeschadet überstanden haben. Im Mittelteil des Epitaphs ein Relief der Grablegung Jakobs, auf dem Sarg steht die Inschrift A. Vor den reich geschmückten Pfeilern links und rechts standen die Figuren der Fides und der Spes auf Sockeln, die ihre Namen trugen (B). Die Figuren und Sockel fehlen heute. Außen befinden sich über Rollwerk mit kleinen, Inschriften tragenden Kartuschen (C, D) die Halbfiguren von Chronos mit Stundenglas und Thanatos mit Szepter und Krone, letztere ist heute stark beschädigt. Auf dem Fries oberhalb des Mittelteils verläuft die Inschrift E, die von zwei in der Mitte angebrachten Wappenschilden unterbrochen wird. Links von den Pfeilervorsprüngen befindet sich auf dem Fries das Meisterzeichen des Bildhauers (M13), rechts sein Name (F). Die Bekrönung besteht aus einem leicht geschwungenen Giebel, in dem zwischen stark verschlungenen Ornamenten zwei Putten einen Totenkopf betrachten, die rechte hält ein Stundenglas in der Hand. Der Giebel endet in einer Kartusche mit der Inschrift G, der eine auf einem Sockel stehende Spitze aufgesetzt ist. Unterhalb des Mittelteils eine von seitlichen Vorsprüngen mit Engelsköpfen begrenzte Tafel, die in drei Spalten Inschriften trägt (H–K). Den unteren Abschluß bildet eine von verschlungenen Ranken mit Früchtedekor umgebene Kartusche mit der Inschrift L.

Maße: H.: 360 cm; B.: 190 cm.1)

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 36, Nr. 298 - Hannover, Marktkirche - 1631

 Sabine Wehking [1/2]

  1. A

    GRABLEGVN(G) IAKOBS

  2. B

    [FIDES]a) [SPES]b)

  3. C

    [.....]/ DIE ZE/IT O. ME/NSCHE[..] / VERGEHT

  4. D

    DER TOD / IST DER / SVNDER/S QELERc)

  5. E

    GENESIS AM L CAP2)

  6. F

    IEREMIAS / SVTEL

  7. G

    AH. WIE GARNIC/HTS SINT DOCH AL(LE)d) ME/NSCHEN PSAL(M) 39. 6.e)3)

  8. H

    A(NN)O CH(RISTI) 1600 DEN 21 MART(II) ABE/NTS VMB 8 VHR IST DER EHRNVEST/ER WOLGELAHRTER VND WOLWEISE/R H(ERR) BVRGEMEISTERf) STATZIVS VAS/MAR IN CHRISTO SALIG ENTCHLAFEN AL/TERS 71 IAHR IS GEWESEN 17 IAHR / SECRETARIVS RHATSVERWAN/TER 7· IAHR BVRGEMEIS/TER 20 IAHR ALLESS / IN MVHE VNDT / ARBEIT

  9. I

    A(NN)O C(HRISTI) 1598 DEN 26 SEP(TEMBRIS) IST / DIE EHR VND VIELTVGENSA/ME FRAW CATHARINA V(ON) / WINTHEIMB SAL(IGEN) BVRGE=/MEIST(ER) S(TATZIVS)g) VASM(ARS) EHLI/GE HAVSFRAVW / IN CHRISTO SALI/CHLIG VERSCHI/EDEN ALTERS / 53 IAHR / SANFT VND STIL

  10. K

    IN A(NN)O 1631 HAT MEL/CHIOR VASMAR DIS / EPITAPHIVM SEINEM / SALIGEN VATER VND / MVTTER WIE AVCH / SICH SELBSTEN ZV / EHREN VNDT CHR/IST(LICHEM) GEDECHTNIS / AVF SEINE EIGNE / VNKOST HIEHERO / SETZEN LASEN

  11. L

    NB:h) A(NNO) 16〈..〉 DEN 〈..〉 IST AVCH / DER EHRBAR VND WOLGEACHTER / MELCHIOR VASMAR DVRCH EIN / SALIGS END SEINEN SALI(GEN) ELTER(N) / GEFOLGET HERR SPRICH ZV / MEINER SEEL(E) / ICH BIN DEI(NE) HE/LF(E) V(ND) TROST / PS 354)

Wappen:
Vasmer (Ast mit drei Zweigen)
von Wintheim (drei ineinandergreifende Ringe, der obere offen)

Kommentar

Der aus einer Hannoverschen Familie stammende Statius Vasmer immatrikulierte sich am 30. April 1552 an der Universität Wittenberg. 1558 übernahm er das Amt des Sekretärs der Stadt Hannover. In den Jahren 1580 bis 1600 bekleidete er das Bürgermeisteramt.5) Sein Sohn Melchior gehörte seit 1632 dem Rat an. Er starb am 20. März 1636.6)

Schuchhardt hält die Figuren in der Szene der Grablegung für Porträts der Beteiligten. Plausibel erscheint dies vor allem durch einen Vergleich der zweiten Person von links, die ein Buch in Händen hält und von Schuchhardt als der Pastor David Meier identifiziert wird, mit der Darstellung David Meiers auf seiner Grabplatte (Nr. 326). Die Figur auf der Grabplatte, die ausgesprochen lebensnah wirkt, weist starke Ähnlichkeit mit derjenigen auf dem Epitaph auf. Porträthafte Züge hat auch der am linken Bildrand stehende Mann – laut Schuchhardt der Stifter des Epitaphs, Melchior Vasmer. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, daß Schuchhardt in der jugendlich aussehenden Figur hinter dem Sarg, die einen Meißel in der Hand hält, den Bildhauer Jeremias Sutel erkennt. Das Epitaph dürfte Sutels letztes Werk gewesen sein; er starb am 11. April desselben Jahres. Zu Sutel vgl. Nr. 299.

Textkritischer Apparat

  1. Die Inschrift war schon zu Beginn dieses Jahrhunderts nicht mehr vorhanden.
  2. Nach der Abbildung bei Schuchhardt, Bildhauer, Tafel XIX.
  3. SVNDERS QELER] Lesung unsicher.
  4. AL(LE)] DI Schuchhardt, Mahrenholtz.
  5. 39. 6.] 32,67 Schuchhardt. Das, was Schuchhardt für eine 7 hielt, scheint nur ein Ornament zu sein.
  6. BVRGEMEISTER] burgermeister Schuchhardt, Mahrenholtz.
  7. BVRGE=/MEIST(ER) S(TATZIVS)] burge/meisters Schuchhardt, Mahrenholtz.
  8. N(OTA) B(ENE).

Anmerkungen

  1. Angaben nach Schuchhardt, Bildhauer, S. 101. Aufgrund der Höhe, in der das Epitaph angebracht ist, konnten die Maße nicht überprüft und die Buchstabenhöhen nicht festgestellt werden.
  2. Das 50. Kapitel der Genesis enthält die Schilderung von Jakobs Begräbnis.
  3. Ps. 39, 6.
  4. Ps. 35, 3.
  5. Zimmermann, Bürgermeister, S. 202f.
  6. Jürgens, Chronik, S. 513 u. 527.

Nachweise

  1. Schuchhardt, Bildhauer, S. 101f. (G–L), Abb. Tafel XIX.
  2. Mahrenholtz, Grabsteininschriften, S. 109 (H−L).

Zitierhinweis:
DI 36, Stadt Hannover, Nr. 298 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di036g006k0029801.