Inschriftenkatalog: Stadt Hannover

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 36: Stadt Hannover (1993)

Nr. 256(†) Marktkirche 1613, 1751

Beschreibung

Taufschale. Silber mit Resten von Vergoldung. Die Schale wurde 1751 von dem Hannoveraner Goldschmied Bernhard Heinrich Cortnum aus einer 1613 für die Marktkirche gestifteten Taufschale umgearbeitet. Dabei wurde mit großer Wahrscheinlichkeit das Medaillon im Innern der Schale von der Vorgängerin übernommen und die Stifterinschrift der alten Schale auf die neue übertragen.1) 1752 fertigte Cortnum ein Duplikat für die Neustädter St.Johanniskirche an, das sich noch heute in deren Besitz befindet.

Die Schale steht auf einem gewölbten Fuß, dessen angedeutete Buckel denen der Schale entsprechen. Dem schlichten Fußhals ist die Buckelschale aufgesetzt. In deren Innern befindet sich ein konvexes Medaillon mit einem Flachrelief der Taufe Christi; um das Medaillon verläuft die Inschrift A. Daß das Medaillon mit dem umlaufenden Inschriftenband wahrscheinlich älter als die Schale ist, zeigt sich bei dem Vergleich mit der Nachbildung in der Taufschale der Johanniskirche, die gröber und vereinfachender gefertigt wurde. Die um das Medaillon verlaufende Inschrift ist ebenfalls in Kapitalis ausgeführt, vom Schriftcharakter her aber deutlich jünger als die Inschrift auf der Marktkirchenschale, die eindeutig dem Beginn des 17. Jahrhunderts zugeordnet werden kann.

Außen ist die Schale durch zwei Engelsköpfe und zwei Masken verziert; unter den Masken sind die Henkel angebracht. Auf der Wandung sind zwei Inschriften eingraviert2), von denen eine (B) offenbar die Wiedergabe der Stiftungsinschrift aus dem Jahr 1613 ist.

Maße: H.: 13,8 cm; Du.: 24,3 cm (Schale), 16,5 cm (Fuß); Bu.: 0,4 cm (A).

Schriftart(en): Kapitalis (A).

DI 36, Nr. 256 - Hannover, Marktkirche - 1613 / 1751

 Sabine Wehking [1/1]

  1. A

    WEHR · GLEVBEN · THVT · VND · WIRT · GETAVFT· DER · IST · DVRCHS · BLVET · CHRISTI · ERKAVFT· MARCI · AM · 33)

  2. B

    ANNO 1613 / HABEN DIEDERICH SALGE / UND ELISABETHA / VON WINTHEIM · DIESES / GEFÄS IN DIE SST. IACOBI / ET GEORGIE KIRCHE / GEGEBEN ·

Kommentar

Der Stifter der Taufschale, Dietrich Salge, gehörte in den Jahren 1624 bis 1626 dem Rat der Stadt an.4) Nach der Hannoverschen Chronik5) resignierte der dem katholischen Glauben angehörende Salge 1626 nach dem Sieg Tillys bei Lutter am Barenberg, um im Auftrag der kaiserlichen Seite die Gegenreformation im Braunschweigischen Land durchzuführen. Da er sich in kaiserliche Dienste begeben hatte, wurde Salge 1627 vom Rat aufgefordert, die Stadt Hannover zu verlassen. Salges erste Frau, Elisabeth von Wintheim, war bereits im Oktober 1615 gestorben.6)

Anmerkungen

  1. Darauf, daß die Schale 1751 von Grund auf neu gearbeitet wurde, verweist die auf dem Fuß und am Schalenrand befindliche Meistermarke, die sich aus den Initialen BHC zusammensetzt. Der Goldschmied Bernhard Heinrich Cortnum ist in Hannover seit 1722 nachzuweisen. Graeven, Goldschmiede, S. 222; Scheffler, Goldschmiede, S. 729f. Auch die Beschaumarke auf dem Fuß mit der Lotangabe 12 stammt aus dem 18. Jahrhundert.
  2. Die Inschrift B ist in derselben Schrift ausgeführt wie die Inschriften, die auf die Renovierung von 1751 verweisen. Diese lauten:
    ANNO 1751 / IST. SIE ZU EHREN DER / HEILIGEN TAUFFE / AUF DER KIRCHEN / UNKOSTEN / RENOVIRET.
    DIACONORVUM / HEINR. ENGELHARD / HANSING. CASPAR / CHRIST: BÖHME / BARTOLDHANSEMANN / HEINR: SCHLOO IOHAN(N) / HEINR: DAHLGRÜNN / FRIED: WILHELM / HEINING.
  3. Nach Mk. 16, 16. Die Angabe der Bibelstelle in der Inschrift ist falsch.
  4. Jürgens, Chronik, 360 u. 435.
  5. Ebd., S. 437 u. 461f.
  6. KBA, Kirchenbuch Marktkirche, Todesfälle Oktober 1615.

Nachweise

  1. Mithoff, Kunstdenkmale, S. 68.
  2. Nöldeke, Kunstdenkmäler I, S. 98 (A); Abb. 41, ebd.

Zitierhinweis:
DI 36, Stadt Hannover, Nr. 256(†) (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di036g006k0025602.