Inschriftenkatalog: Stadt Hannover

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 36: Stadt Hannover (1993)

Nr. 230 Nikolaikapelle 1601

Beschreibung

Epitaph des Ludolf von Anderten, der Ilse von Wintheim und ihrer Tochter Anna von Anderten. Sandstein. Das Epitaph befindet sich am Chor der Nikolaikapelle. Es wurde im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt, so daß heute die Seitenteile fehlen. Im Mittelteil des Epitaphs unter einem von kannelierten Pfeilern getragenen Rundbogen im Flachrelief eine Auferstehungsdarstellung, unterhalb des Sarges kniet die Familie in Bethaltung, die Tochter in der Mitte. In den Zwickeln des Rundbogens Engelsköpfe. Der Mittelteil wurde von heute zerstörten Pfeilern mit je vier Wappenschilden darauf eingerahmt, außen befand sich Rollwerk, darin je ein Löwenkopf. Über den Wappenschilden waren Bänder angebracht; die Abbildung bei Schuchhardt läßt jedoch nicht erkennen, ob sich darauf Wappenbeischriften befanden. Oberhalb des Mittelteils auf einem Fries die Inschrift A, darüber über einem Gesims eine dreieckige Bekrönung, darin die Darstellung Gottvaters in Halbfigur mit zum Segen erhobener Rechten und der Weltkugel in der linken Hand. Die drei auf der Spitze des Dreiecks und seitlich auf dem Gesims stehenden Obelisken fehlen heute. Unterhalb des Mittelteils eine seitlich von je einem Löwenkopf eingerahmte Tafel mit der Inschrift B, darunter eine von Rollwerk mit Früchtedekor und einem Maskenkopf umgebene Tafel, die im linken Drittel die Inschrift C, rechts die Inschrift D trägt.

Inschrift A ergänzt nach Schuchhardt.

Maße: H.: 218 cm; B.: 155 cm;1) Bu.: 4 cm (A), 3,5 cm (B), 2,5–3 cm (C, D).

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 36, Nr. 230 - Hannover, Nikolaikapelle - 1601

 Sabine Wehking [1/2]

  1. A

    [IOHAN. 11 CAP. ICH BI]N DIE AVF[ERSTEH]VNG VND DAS LEBEN / [WER AN MICH G]LEVBET DER [WIRD LEBEN] OB ER GLEICH STVR/[BE] VND [WER DA LEBET VND GLEVBET AN MICH WIRD NIM(M)ER ST]ERBEN2)

  2. B

    HIOB · AM · 19 · CAP: ICH · WEIS · DAS · MEIN · ERLOSER ·/ LEBET, VND · EHR · WIRD · MICH · HERNACH AVS / DER · ERDEN · AVFWECKEN, VND · WERDE · DAR=/NACH · MITH · DIESER · MEINER · HAVT · VMBGEBEN · / WERDEN · VND · WERDE · IN · MEINEM · FLEISCHE · GOT · SEHEN ·3)

  3. C

    〈A(NN)O 1562 DEN 10 / SEPTEMB(RIS) IST HERR / LVDOLF VON ANDER/TEN PATRICIVS / RAHTSVERWANTER / VND CAMMERHERR IN / DER STAD HANNOVER / GEB(ORN) V(ND) A(NN)O 1626 AM 30 / AVGVSTI IN CHRISTO / SEL(IG) VERSCHID(EN) / AETATE 64 IAHR

  4. D

    A(NN)O 1599 DEN 29 MAY NACHMIT=/TAGS VMB 3 VHR IST DIE ERBAR VND / VIELTUGENTSAME ILSE VON WINT=/HEIMB LVDOLFS VON ANDERTEN / EHELICHE HAVSFRAVWE IRES ALTERS / IM 22 IAHR IN GOT SELIG ENTSLAFEN / A(NN)O 1601 DEN · 10 · MAY DES MORGENS / VMB 4 VHR IST ANNA VON ANDERTEN / IHRER BEIDERSEITS EINIGE THOCHTER / IRES ALTERS 4 IAHR IN CHRIS/TO SELIG ENTSLAFE(N)

Wappen:
links:von Anderten (drei Löwenköpfe balkenweise)
von Hake (zwei gekreuzte Haken, darüber eine Rose)
von Limburg (drei Widderköpfe)
von Rohland (Fuchs mit Weintraube im Maul)4)
rechts:von Wintheim (drei ineinandergreifende Ringe, der obere offen)
von Hagen (nach rechts steigender Löwe vor einem Querbalken)
Gevekot (drei Fische pfahlweise, davor ein Querbalken mit Bach)
von Hornburg (Schweinekopf)

Kommentar

Die Anbringung der Inschrift C in einer schmaleren Spalte links von der Inschrift D deutet darauf hin, daß die Spalte zunächst freigelassen und die Inschrift später nachgetragen wurde. Es ist daher wahrscheinlich, daß das Epitaph nach dem Tod der Tochter 1601 angefertigt wurde.

Ilse von Wintheim war die Tochter des Caspar von Wintheim und der Anna von Hagen (vgl. Nr. 161). Ihr Ehemann Ludolf von Anderten, der Mitglied der Hannoverschen Kaufmannschaft war und als Mitglied des Rates sowie als Stadtkämmerer fungierte, entstammte der Ehe des Ludolf von Anderten mit Anna Hake (vgl. Nr. 138) und war der Bruder des Joachim von Anderten (vgl. Nr. 269, 270).5) In zweiter Ehe war Ludolf von Anderten mit der aus Minden stammenden Katharina Leiffers verheiratet, die wenige Tage vor ihm – am 26. August 1626 – starb. Ludolf von Anderten starb am 30. August, nach Auskunft der Hannoverschen Chronik an der zu dieser Zeit in der Stadt grassierenden Pest6), deren Opfer auch seine zweite Ehefrau geworden sein dürfte7).

Anmerkungen

  1. Die Maßangaben – nach Schuchhardt, Bildhauer, S. 66, Nr. 38 – beziehen sich auf den ursprünglichen Zustand des Epitaphs.
  2. Joh. 11, 25–26.
  3. Hiob 19, 25–26.
  4. Vgl. Mahrenholtz, Grabsteininschriften, S. 14. Die Zeichnung bei Schuchhardt zeigt einen Fuchs mit einer Blume im Maul.
  5. Auskunft über die Biographie Ludolfs von Anderten gibt die Leichenpredigt für ihn und seine zweite Ehefrau, SuUB Göttingen, Conc.fun., 4° N.II.11., verfaßt vom Pastor der Marktkirche David Meier.
  6. Jürgens, Chronik, S. 437.
  7. Die Leichenpredigt für das Ehepaar (wie Anm. 5) gibt darauf keinen Hinweis. Es hat jedoch allgemein den Anschein, als ob die Angabe der Pest als Todesursache in Leichenpredigten möglichst vermieden wurde.

Nachweise

  1. Schuchhardt, Bildhauer, S. 67, Nr. 38, Abb. ebd.
  2. Mithoff, Kunstdenkmale, S. 78 (C, D).
  3. Wüstefeld, Nikolaikapelle, fol. 15.
  4. Mahrenholtz, Grabsteininschriften, S. 13.

Zitierhinweis:
DI 36, Stadt Hannover, Nr. 230 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di036g006k0023008.