Inschriftenkatalog: Stadt Hannover

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 36: Stadt Hannover (1993)

Nr. 198 Marktkirche 1598

Beschreibung

Grabplatte des Konrad Wiedemeier. Sandstein. Der hochrechteckige Stein, der sich früher in der Kirche nahe der Taufe befand1), hängt seit der Mitte des 19. Jahrhunderts außen an der Nordseite der Marktkirche. Das Mittelfeld wird beherrscht von der Darstellung des Verstorbenen im Relief, die sich von den in Hannover üblichen Grabdenkmälern durch die ausgeprägt porträthaften Züge und die sorgfältig gestaltete Kleidung abhebt. Der Verstorbene trägt spanische Tracht und einen weiten pelzgefütterten Mantel, in der rechten Hand hält er Handschuhe, die Linke hat er in die Seite gestützt, wodurch seine selbstbewußte Körperhaltung betont wird. Die Figur füllt eine Nische aus, die durch einen aus Rollwerk bestehenden Bogen abgeschlossen wird. Seitlich auf dem Gesims stehen Putten, die einen über das Innenfeld hinausgreifenden Allianzschild mit drei Wappen halten. Um den Stein verläuft in einer vertieften Zeile, die oben von der Ausbuchtung für den Wappenschild durchbrochen wird, die Inschrift A; die Versalien und Oberlängen der Inschrift ragen in die äußere Umrandung des Steins hinein. Der untere Teil der Inschrift fehlt heute, da die untere Kante im 19. Jahrhundert abgeschlagen wurde, um den Stein an der Außenmauer der Marktkirche anbringen zu können. Anstelle des zerstörten Textteils wurde dabei vermutlich die Inschrift B auf der rechts von der Figur an dem Pfeiler lehnenden Tafel nachgetragen. Die Schriftart weist die Inschrift B eindeutig als aus späterer Zeit stammend aus.

Maße: H.: 205 cm; B.: 104 cm; Bu.: 4,5 cm (A), 3,2 cm (B).

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Frakturversalien (A), kursive Kapitalis (B).

DI 36, Nr. 198 - Hannover, Marktkirche - 1598

 Sabine Wehking [1/1]

  1. A

    Im Jar 1598 den / 25. Janua(rius) ist der Erendtuester vnd Hoichgelarter her, Conradt Wiede[meyer / seins Alters 65 jahr in / dem]a) hern Christo seliglich entslaffe(n) Gott verlihe Jme ene froliche aufferste(hung)

  2. B

    A(NN)O AET(ATIS) / 65 ·

Übersetzung:

Im 65. Jahr seines Alters. (B)

Wappen:
von Reinhardessen (Krone über Stern)
Wiedemeier (schreitender Löwe)
von Borries (drei Hundeköpfe)

Kommentar

Die Minuskelschrift kann nur mit Vorbehalt als gotische Minuskel bezeichnet werden, da sie Merkmale der Fraktur wie das einstöckige a und die dünn ausgezogenen Ober- und Unterlängen des f und des Schaft-s aufweist.

Bei den beiden äußeren Wappen handelt es sich um diejenigen der Ehefrauen des Konrad Wiedemeier. Dieser bekleidete das Amt eines Calenbergischen Großvogts. Der Hannoverschen Chronik zufolge starb er 1598 im St.Gallen-Hof an der Gicht.2)

Textkritischer Apparat

  1. Die Ergänzung so bei Schuchhardt. Auf welche Überlieferung sich Schuchhardt stützt, ist nicht bekannt.

Anmerkungen

  1. Dies läßt sich aus einem Eintrag im Sterberegister der Marktkirche entnehmen; vgl. Schuchhardt, Bildhauer, S. 63f., Nr. 36.
  2. Jürgens, Chronik, S. 288.

Nachweise

  1. Wüstefeld, Marktkirche, fol. 5 (Zeichnung).
  2. Schuchhardt, Bildhauer, S. 63f., Nr. 36, Abb. Tafel XI.

Zitierhinweis:
DI 36, Stadt Hannover, Nr. 198 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di036g006k0019806.