Inschriftenkatalog: Stadt Hannover

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 36: Stadt Hannover (1993)

Nr. 159† Sodensches Kloster 1587

Beschreibung

Wappenstein und Balkenstücke. Die Inschriftenträger waren ursprünglich am sogenannten „Sodenschen Kloster“ angebracht, einer Stiftung, die in den Gebäuden des ehemaligen Minoritenklosters eingerichtet worden war. 1637 erforderte die Errichtung der Residenz auf dem Grundstück des Minoritenklosters die Verlegung des Sodenschen Klosters an den Wächtergang zwischen dem Leintorzwinger und dem Beginenturm. Zugleich wechselten auch die Inschriftenträger ihren Platz. Die hölzerne Wappentafel mit der erhabenen Inschrift A über zwei Wappen wurde über der Eingangstür des Klosters angebracht1), die Balken mit der Inschrift B laut Redecker links und rechts von der Tür. Die Wiedergabe der Inschrift bei Redecker läßt darauf schließen, daß sich die Inschrift B auf vier Balkenstücke – möglicherweise in zwei Stockwerken – verteilte. Darauf deutet auch der Umstand, daß bereits Mitte des 19. Jahrhunderts die Balkenstücke mit dem zweiten und vierten Vers der Inschrift fehlten.2) Nach Nöldeke3) wurde die hölzerne Wappentafel mit der Inschrift A bei der erneuten Verlegung des Sodenschen Klosters im Jahr 1908 an die Schwesternhausstraße mitgenommen. Die Wappentafel und die erhaltenen Balkenstücke wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört.

Inschriften nach den Zeichnungen bei Redecker, B teilweise anhand einer Photographie überprüft (1. und 3. Zeile).

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 36, Nr. 159 - Hannover, Sodensches Kloster - 1587

 Sabine Wehking [1/1]

  1. A

    MAVRITIVS DE SODE CANONICVS / ECCLESIAE SANCTAE CRVCIS ET / PRAEPOSITVS DIVAE MARIAE MAGDA=/LENAE IN VRBE HILDESIANA, / HAS AEDES PRO PAVPERIBVS ET / EGENIS EX CENSIBVS SVIS ANNV=/IS EXTRVXIT ANNO A CHRISTO / NATO M. D. LXXX. VII.

  2. B

    HER MORITZ VOM SODE HIR GEBORN,/VF DISSEN PLATZ DARZV ERKORE(N),/ERBAWTE SYCHEN HOSPITAL,/DIE ARMEN DANCKEN IM ALZVMAL./

Übersetzung:

Moritz von Sode, Kanoniker der Kirche Heilig Kreuz und Propst der Kirche der heiligen Maria Magdalena in der Stadt Hildesheim hat diese Gebäude für die Armen und Bedürftigen aus seinen jährlichen Einkünften erbaut im Jahr 1587 nach Christi Geburt. (A)

Wappen:
von Sode (geteilt: oben in weiß eine rote Rose, unten in rot eine weiße Rose4))
Krudener ? (drei aus einem Korb herauswachsende Ähren)5)

Kommentar

Moritz von Sode war der jüngste Sohn des Hannoveraner Bürgers Hans von Sode und der Katharina Krudener.6) Er immatrikulierte sich im Oktober 1549 an der Universität Köln und erwarb dort 1551 den Titel eines Lizentiaten der Theologie.7) Später wurde er Kanoniker an Heilig Kreuz in Hildesheim und Propst des Klosters Maria Magdalena. Er starb 1606 und wurde in der Kirche Heilig Kreuz in Hildesheim beigesetzt.8)

Für die Gründung eines Hospitals in seiner Heimatstadt Hannover stellte der Rat Moritz von Sode 1587 ein Grundstück bei dem ehemaligen Barfüßerkloster zur Verfügung und befreite dieses von allen bürgerlichen Lasten und Abgaben. Daraufhin wurde am 4. Juli 1587 mit dem Bau des Hospitals begonnen.9) In der Gründungsurkunde vom 12. September 1587 für das „Sodensche Kloster“ wurde festgelegt, daß das Hospital achtzehn bedürftigen Personen – neun Männern und neun Frauen – Unterkunft bieten sollte, deren Zusammenleben in der Urkunde detailliert geregelt wurde.10) Das Stiftungskapital belief sich auf 500 Taler, später stiftete Moritz von Sode noch einmal 1040 Taler zugunsten des Hospitals.11)

Anmerkungen

  1. Photographie D 2657.
  2. Mithoff, Kunstdenkmale, S. 82. Auf der Photographie D 2658 befinden sich die Balkenstücke mit dem ersten und dritten Vers der Inschrift B oberhalb der Fenster im Erdgeschoß.
  3. Nöldeke, Kunstdenkmäler I, S. 669.
  4. So in der Zeichnung bei Redecker, Bd. 2, fol. 2v.
  5. Die Zuschreibung des Wappens ist unsicher, da sich das Wappen der Familie Krudener nicht nachweisen läßt.
  6. Berkhusen, Wäskenbok, S. 174.
  7. Matrikel Köln, Bd. 2, S. 1034.
  8. Ein Grabdenkmal oder eine Grabinschrift ist nicht überliefert. Der Name des Moritz von Sode erscheint jedoch in einer Stiftungsinschrift von 1603 im Zusammenhang der Figuren des Petrus und Paulus vor dem Westportal von Heilig Kreuz. Vgl. DI 58 Stadt Hildesheim, Nr. 565.
  9. Dies geht aus der Gründungsurkunde für das Hospital (StaH, A 3857) hervor.
  10. Ebd.
  11. StaH, A 3858.

Nachweise

  1. Photographie (D 2658).
  2. Redecker, Bd. 2, fol. 2v/3r (Zeichnungen).
  3. Reiche/Heiliger, fol. 18v.
  4. Mithoff, Kunstdenkmale, S. 82.
  5. Nöldeke, Kunstdenkmäler I, S. 670f.

Zitierhinweis:
DI 36, Stadt Hannover, Nr. 159† (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di036g006k0015905.