Inschriftenkatalog: Stadt Hannover

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 36: Stadt Hannover (1993)

Nr. 125† Neustädter Marienkapelle 1568

Beschreibung

Epitaph des Jobst von Alten. Nach der Zeichnung bei Redecker handelte es sich um einen hochrechteckigen Stein, der in den Ecken vier Medaillons mit Wappen trug. Redecker konnte die Wappen nicht mehr identifizieren. Im oberen Teil des Epitaphs eingerahmt von Halbsäulen, die den oberen Abschluß trugen, die kniende Figur des Verstorbenen in Rüstung vor dem Kreuz mit Titulus (A). Über dem Kopf der Figur die Inschrift B. Unterhalb der Darstellung auf einer angedeuteten Kartusche die Inschrift C.

Inschrift nach der Zeichnung bei Redecker.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 36, Nr. 125 - Hannover, Neustädter Marienkapelle - 1568

 Sabine Wehking [1/1]

  1. A

    INRI

  2. B

    ALS MAN / SCHREIB NACH / CHRISTVS GEBVRT / 1568 IAIR / HINFVRT

  3. C

    DER ERBAR VND ERENTVESTE VON / ALTEM STHAMIOIBST VON ALTEN LOBESAM /IST ABGESTORBEN DIESER WELTDHA EHR / SEINS ALTERS 55. IAIR GETZELTDEN 5T / FEBRVARII ALHIE INS GRAB GELEGHT /WELICHS IST GESCHEYN / DVRCH GOTTES RECHT /VND LEBET NHV IN / HEMMELS TRON /DVRCH IHESVM / CHR(ISTV)M GOTTES / SON.

Kommentar

Die Familie von Alten hatte eine enge Verbindung zur Marienkapelle auf der Neustadt, da dort auch die Altenschen Besitzungen lagen. Cord von Alten stiftete 1382 das Grundstück zur Errichtung der Kapelle. Die Familie erhielt das Recht, die Präbenden an der Marienkapelle zu verleihen.1)

Jobst von Alten wurde 1513 geboren und war Erbherr des von Altenschen Hofes auf der Neustadt.2) 1536 verhängte Kaiser Karl V. die Reichsacht über Jobst und Lubbert von Alten, weil sie mehrfache Ladungen vor das Kammergericht nicht befolgt hatten. In einem Schreiben an Herzog Erich II. aus dem Januar 1545 bezeichnete Georg von Braunschweig-Lüneburg, Dompropst zu Köln und Bremen, Jobst von Alten als „abgesagten Feind der ganzen Hildesheimer Klerisei“.3) Auch das Hildesheimer Domkapitel wandte sich im selben Jahr an Erich II. mit der Beschwerde, Jobst von Alten habe das Domkapitel befehdet, Untertanen bedroht und deren Häuser in Brand gesteckt.4) Im Jahr 1551 ist Jobst von Alten als Markgräflich Brandenburgischer Hofmarschall nachzuweisen.5) In der Schlacht von Sievershausen, in der er auf der Seite Albrechts von Brandenburg kämpfte, wurde er gefangengenommen und später gegen einen gegnerischen Gefangenen ausgetauscht.6)

Anmerkungen

  1. Vgl. Nöldeke, Kunstdenkmäler I, S. 210.
  2. Victor von Alten, Stammtafeln des Uradelichen Geschlechtes von Alten, Berlin 1889, Tafel 2.
  3. Nach Curd von Alten, Urkundenbuch des altfreien Geschlechts der Barone, Grafen und Herren von Alten, Weimar 1901, S. 233.
  4. Ebd., S. 234.
  5. Ebd., S. 237.
  6. Carl u. Victor von Alten, Sammlung von Regesten zu einer Familiengeschichte der Herren von Alten 1182–1600, Hannover 1888, S. 142.

Nachweise

  1. Redecker, Bd. 1, fol. 269r (Zeichnung).
  2. Mithoff, Kunstdenkmale, S. 74.

Zitierhinweis:
DI 36, Stadt Hannover, Nr. 125† (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di036g006k0012502.