Inschriftenkatalog: Stadt Hannover

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 36: Stadt Hannover (1993)

Nr. 118 Marktkirche 1564

Beschreibung

Grabplatte des Eberhard von Berkhusen. Sandstein. Die Platte befindet sich an der südlichen Außenwand der Marktkirche. In den Ecken trägt sie Medaillons mit Evangelistensymbolen im Flachrelief, dazwischen läuft an den Seiten und oben eine Inschrift um, die sich in kleineren Zeilen auf dem oberen Teil der Platte fortsetzt (A). Das vertiefte Mittelfeld besteht aus einem oberen quadratischen Teil mit dem Wappen und einem unteren querrechteckigen Teil mit dem Brustbild des Verstorbenen. Rechts von der Halbfigur, die ein Schriftband mit der Inschrift B hält, ein kleines Kruzifix über der Schädelstätte.

Maße: H.: 228 cm; B.: 149 cm; Bu.: 7 u. 3,4 cm (A), 3 cm (B).

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 36, Nr. 118 - Hannover, Marktkirche - 1564

 Sabine Wehking [1/2]

  1. A

    ANNO · 1564 · DIE · APRIL(IS) / · 26 · EBERHARDVS · A · BERCKHVSEN · MAGISTER ·/ TRIVM · LINGVARVM · PERITVS · ET · OB · IVRIS · VTRIVSQ(VE) ·/ SCIENTIAM · EXIMIAM · ERICI · ILLVST(RISSIMI) · DVCIS · / BRVNS(WICENSIS) · ET · LVNEB(VRGENSIS) · CONSILIARIVS · CREDI=/TVS · IS · HOC · DIE · IN · PIA · CONFESSIONE · ET ·/ ARDENTI · FILII · DEI · INVOCATIONE · PLACIDA · SED · IMMATVRA / MORTE · EXTINCTVS · ET · AD · VITAM · AETERNAM · EVECTVS · IN / CHRISTO · SVAVITER · QVIESCIT · OBIIT · AETATIS · SVAE · 39

  2. B

    MISERERE · MEI · DEVS1)

Übersetzung:

Im Jahr 1564 am 26. April ist der Magister Eberhard von Berkhusen, dreier Sprachen mächtig und wegen seiner außerordentlichen Kenntnis beider Rechte getreuer Ratgeber des erlauchten Herzogs Erich von Braunschweig-Lüneburg, an diesem Tag in frommem Bekenntnis und in leidenschaftlicher Anrufung des Gottessohnes durch einen sanften, aber vorzeitigen Tod ausgelöscht und zum ewigen Leben emporgefahren. Er ruht sanft in Christus. Er starb im Alter von 39 Jahren. (A)

Gott, erbarme dich meiner. (B)

Wappen:
Berkhusen (Querbalken)

Kommentar

Eberhard von Berkhusen war der Sohn des Anton von Berkhusen, der bei der Einführung der Reformation in Hannover das Amt des Bürgermeisters übernommen hatte, nachdem der alte Rat die Stadt verlassen hatte. Eberhard von Berkhusen immatrikulierte sich im Alter von 16 Jahren im April 1541 an der Universität Wittenberg.2) Nach eigenen Angaben studierte er später an der Universität Paris und erwarb dort den Magistertitel.3) Von Herzog Erich II. wurde er 1560 zum Hofrat ernannt. Bedeutung gewann Eberhard von Berkhusen – über seine Tätigkeit als Berater Erichs II. hinaus – vor allem durch das von ihm verfaßte Wäskenbok, das für die Hannoversche Familienforschung zur Grundlage wurde.4) Diese Genealogie der bedeutendsten Hannoverschen Stadtgeschlechter, zu denen auch die Familie Berkhusen zählte, verfolgte vor allem den Zweck, deren Führungsanspruch in einer für diese Familien immer schwieriger werdenden Zeit zu untermauern. Die konservative Haltung Berkhusens, die sich im Wäskenbok ausdrückt, dürfte ihm auch zu der Stellung als Hofrat Erichs II. verholfen haben.

Anmerkungen

  1. Ps. 50, 3.
  2. Matrikel Wittenberg, Bd. 1, S. 187.
  3. Berkhusen, Wäskenbok, S. 131.
  4. Vgl. hierzu Zimmermann, Bürgermeister, S. 201f., und Schneider, Wäskenbok, S. 50ff.

Nachweise

  1. Mithoff, Kunstdenkmale, S. 70.
  2. Schuchhardt, Bildhauer, S. 42, Nr. 10, Abb. Tafel III.
  3. Nöldeke, Kunstdenkmäler I, S. 102.
  4. Wüstefeld, Marktkirche, fol. 15 (Zeichnung).

Zitierhinweis:
DI 36, Stadt Hannover, Nr. 118 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di036g006k0011807.