Inschriftenkatalog: Stadt Hannover

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 36: Stadt Hannover (1993)

Nr. 83† 1547

Beschreibung

Geschütz, genannt „Nachtigall“. Es handelte sich um ein 2 1/4pfündiges Geschütz, das 13 Zentner und 63 Pfund wog.1) Nach der Zeichnung Redeckers befand sich auf dem Geschütz die Darstellung einer Nachtigall, darunter der Geschützname (A), der im Bogen über einer Kreuzigungsszene angeordnet war. Unterhalb der Kreuzigungsszene die Inschrift B, die durch die eingeätzte Inschrift C nachträglich ergänzt wurde2). Außerdem befand sich auf dem Geschütz das von zwei steigenden Löwen sowie zwei Menschengestalten gehaltene Wappen der Stadt Hannover, darüber die Jahreszahl D, darunter nebeneinander die Darstellung der Schöpfung, des Sündenfalls und der Vertreibung aus dem Paradies. Oberhalb der drei Szenen die Inschrift E. Darunter verlief ein Schriftband mit der Inschrift F, deren Worte abwechselnd durch Medaillons mit Masken und durch Köpfe mit Hüten voneinander getrennt waren. Unterhalb des Schriftbandes die Inschrift G. Nach Redecker waren auch die Inschriften D–G sowie die Darstellung des Sündenfalls eingeätzt.

Inschriften nach der Zeichnung Redeckers.

Schriftart(en): Gotische Minuskel (A, F), Kapitalis (B, C, E, G).

DI 36, Nr. 83 - Hannover - 1547

 Sabine Wehking [1/1]

  1. A

    de nactegal.

  2. B

    DE NACHTIGAL · HETE · IK · FRI ·/DER WANTHSNIDER GILDE · THO · HANNOVER / STA · ICH · BY ·MITH · SCHETEN ·/SE · HEBBEN · MI · LATHEN · GETHEN ·/WEN · ICH · DREPE · WERTES · VORDRETEN ·3)

  3. C

    DEN · KOPLVDEN · VND · WANT·SNIDER · THO · HANNOVER · HOR · ICK · THO ·

  4. D

    1547

  5. E

    HIR · SCOP · ADAM · ONDE · EVAN · GODT :HIR · BROKEN · SE · DAT · BOT ·4)

  6. F

    cordt · menten · me · fecit ·

  7. G

    WER · IS · DER · MAN ·DER · ALLEN [· THO ·]a) DANCKE · DONEN5) · KAN ·

Übersetzung:

Cordt Mente hat mich gemacht. (F)

Kommentar

Offenbar wurde in der Inschrift B vergessen zu erwähnen, daß neben der Gilde der Wandschneider auch die Kaufleute an der Finanzierung des Geschützes beteiligt waren. Daher wurde nachträglich noch Inschrift C eingeätzt. Redecker deutet die Inschrift G dahin, daß der Gießer sich damit für die vergessenen und nachträglich eingeätzten Inschriften habe entschuldigen wollen. Zu dem Geschützgießer Cordt Mente vgl. Nr. 66.

Textkritischer Apparat

  1. Nach Redecker waren die Buchstaben hier durch das Zündkraut weggefressen.

Anmerkungen

  1. Jugler, Hannoversche Vorzeit, S. 26.
  2. Redecker, Bd. 1, fol. 256r.
  3. Die Nachtigall heiße ich frei, ich stehe der Gilde der Wandschneider zu Hannover mit Schießen bei. Sie haben mich gießen lassen. Wen ich treffe, den wird es verdrießen.
  4. Hier schuf Gott Adam und Eva. Hier brachen sie das Gebot.
  5. donen wohl anstelle von doen: Wer ist der Mann, der es allen recht machen kann.

Nachweise

  1. Redecker, Bd. 1, fol. 256r (Zeichnung).
  2. Jugler, Hannoversche Vorzeit, S. 26.
  3. Hartmann, Geschichte, S. 167.
  4. Reitzenstein, Geschützwesen, Bd. 1, S. 98 (B, C).

Zitierhinweis:
DI 36, Stadt Hannover, Nr. 83† (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di036g006k0008309.