Inschriftenkatalog: Stadt Hannover

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 36: Stadt Hannover (1993)

Nr. 78† Ägidienkirche 1543

Beschreibung

Grabplatte des Johannes Holthusen. Sandstein. Über den Verbleib der Platte, die ursprünglich in der Ägidienkirche vor dem Altar lag1), ist nichts bekannt. 1899 wurde die Grabplatte beim Abbruch eines Hauses in Hannover/Linden gefunden, wo sie als Türschwelle verwendet worden war. Im Jahr 1900 ging sie in die Sammlung Laporte ein und wurde auf dem Grundstück Laportes in Linden aufgestellt.2) Die Grabschrift lief auf dem breiten Rand der Platte um, in den vier Ecken befanden sich Medaillons mit den Evangelistensymbolen im Flachrelief. Im Innenfeld war – ebenfalls im Flachrelief – der Verstorbene mit Kasel und Kelch dargestellt. Die Figur wurde von zwei gedrechselten Säulen umrahmt, die einen Maßwerkbogen trugen; zu ihren Füßen das Wappen des Verstorbenen.

Inschrift nach Photographie bei Schuchhardt.

Maße: H.: 224 cm; B.: 109 cm.3)

Schriftart(en): Gotische Minuskel.

DI 36, Nr. 78 - Hannover, Ägidienkirche - 1543

 Sabine Wehking [1/1]

  1. Anno · d(omi)ni · m / ccccc · xliii feria tertia post co(n)uersionis pauli4) / obiit · iohan(n)es / holthvsen · pleban(us) · eclesie · sa(n)c(t)i · egidii · c(uius) · a(n)i(m)a //

Übersetzung:

Im Jahr des Herrn 1543 am Dienstag nach der Bekehrung des Paulus starb Johannes Holthusen, Pleban an St.Ägidien, dessen Seele (...).

Wappen:
Holthusen (Kind zwischen Flügeln)

Kommentar

Johannes Holthusen immatrikulierte sich im Sommersemester 1488 an der Universität Leipzig5), 1489 erwarb er dort den Titel eines Baccalaureus6). Im Februar 1498 übernahm er die Stelle des Plebans an St.Ägidien.7) Offenbar hatte er zur gleichen Zeit eine Vikarie in Lübeck inne, die er jedoch im August 1500 aufgab.8) Im August 1507 wurde Holthusen mit einer Vikarie an der Marktkirche belehnt, im Oktober desselben Jahres mit einer Vikarie in Hildesheim.9) 1509 überließ Holthusen seine Pfarre an der Ägidienkirche bis auf weiteres einem Stellvertreter, vermutlich weil er durch zahlreiche andere Ämter an der Erfüllung seiner Amtspflichten gehindert war.10) Im selben Jahr ist er zusammen mit Johannes Weddinghusen (Nr. 48) als Kirchherr der Kreuzkirche und Vorsteher der Bruderschaft St.Trinitatis genannt.11) 1535 erhielt er eine Kommende an St.Blasii in Braunschweig.12)

Anmerkungen

  1. Redecker, Bd. 1, fol. 248v.
  2. Otto Jürgens, Der Grabstein des Pfarrers Johann Holthusen. In: HG 3, 1900, S. 127f.
  3. Nach Schuchhardt, Bildhauer, S. 39.
  4. 31. Januar 1543.
  5. Matrikel Leipzig, Bd. 1, S. 365b.
  6. Ebd., Bd. 2, S. 316.
  7. StaH, UI Nr. 1224a.
  8. Ebd., Nr. 1260.
  9. Ebd., Nr. 1350.
  10. Ebd., Nr. 1368.
  11. StaH, A 3761.
  12. StaH, UI Nr. 1653.

Nachweise

  1. Schuchhardt, Bildhauer, S. 39, Abb. 6.
  2. Redecker, Bd. 1, fol. 248v (Zeichnung).
  3. Grupen, Historia Ecclesiastica, Bd. 1, fol. 1185v.
  4. Jürgens (wie Anm.2), S. 127.

Zitierhinweis:
DI 36, Stadt Hannover, Nr. 78† (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di036g006k0007808.