Inschriftenkatalog: Stadt Hannover

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 36: Stadt Hannover (1993)

Nr. 77† Tiefental 4 (1542), 1570

Beschreibung

Hausinschriften. Dreigeschossiges traufenständiges Fachwerkhaus. Im Zweiten Weltkrieg zerstört. Das aus dem Jahr 1542 stammende Vorderhaus trug auf der Schwelle des 2. Obergeschosses eine Inschrift (A), die zur Zeit Nöldekes bereits größtenteils zerstört war. Am Ende der Schwelle das Zeichen des Baumeisters mit Beil und Winkelmaß sowie Initialen (B).

Das 1570 errichtete Hinterhaus trug eine Inschrift auf dem Türsturz des Hintereingangs (C), rechts und links davon Medaillons mit Wappen. Auf dem Schwellbalken des 2. Obergeschosses befand sich – einzigartig in Hannover – eine Inschrift in griechischer Sprache (D). Die fehlerhafte Ausführung einzelner Buchstaben geht vermutlich auf eine Renovierung der Inschrift zurück.

Inschrift A nach Mithoff, B nach Winkelmüller, C und D nach Photographie.

Schriftart(en): Kapitalis (C) und griechische Buchstaben (D).

DI 36, Nr. 77 - Hannover, Tiefental 4  - 1570

 Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege [1/2]

  1. A

    Idt fraget mennych wo jdt my geytGynge yt my wol jdt wer em leidtLat solken reden alse he ydt menetSo wyl yck lachen wen he wenetIdt sy syn schymp edder spotWat he my gunnet dat gheve ohm godt.1)

  2. B

    B K

  3. C

    FORTVNAE COMES / INVIDIA2) · ANNO 1570

  4. D

    σεa) κυριος εκ Σιων και ιδοις υιουςb) των υιωνb) σουc)3)

Übersetzung:

Der Begleiter des Glücks (ist) der Neid. (C)

(Segnen wird) dich der Herr aus Zion, und mögest du sehen Kinder von deinen Kindern. (D)

Wappen:
? (sechszackiger Stern mit Rose in der Mitte)
von Wintheim (drei ineinandergreifende Ringe, der obere offen)

Kommentar

Nach Leonhardt4) ließ Jürgen Bohnsack, der das Grundstück 1542 vom Rat erworben hatte, im selben Jahr das Vorderhaus errichten. Wer die griechische Inschrift am Hinterhaus anbringen ließ, war auch anhand der Wappen nicht zu klären.5) Der Baumeister mit den Initialen B.K. war vermutlich ein Mitglied der Familie Konning. Harmen Konning und seine Söhne waren um die Mitte des Jahrhunderts auf dem Bauhof der Stadt tätig.6)

Textkritischer Apparat

  1. σε] (ευλογησει) σε Leonhardt, der nach dem Bibeltext ergänzt.
  2. υι ist in Form eines breiten, abgeflachten H ausgeführt. Vermutlich fehlerhafte Renovierung.
  3. σου] erscheint auf der Photographie als 68. Vermutlich fehlerhafte Renovierung.

Anmerkungen

  1. Es fragt mancher, wie es mir geht. Ginge es mir gut, täte es ihm leid. Laß so einen reden, wie er es versteht. Ich will lachen, wenn er weint. Sei es Schimpf oder Spott, was er mit gönnt, das gebe ihm Gott.
  2. Walther, Proverbia Sententiaeque, Bd. 8, Nr. 37658.
  3. Ps. 127, 5.
  4. Leonhardt, Straßen und Häuser 1924, S. 83.
  5. Nach Mahrenholtz, Die von Wintheim, kommen nur Georg Walraven oder Henricus Renfels in Frage, da die anderen Ehemänner von Wintheimscher Frauen anhand ihrer Wappen ausgeschieden werden können. Anhand des Hausbuches oder der Schoßregister läßt sich dies jedoch nicht bestätigen. Das Wappen ist sonst in Hannover nicht nachgewiesen.
  6. Winkelmüller, Meisterzeichen, S. 51.

Nachweise

  1. Mithoff, Kunstdenkmale, S. 90 (A).
  2. Photographie (HM; C, D).
  3. Meisterzeichen: Winkelmüller, Meisterzeichen, S. 65, Nr. 80.
  4. Scheibe, Hausinschriften, S. 7 (C).
  5. Wüstefeld, Hausinschriften, S. 27.
  6. Leonhardt, Straßen und Häuser 1924, S. 83.
  7. Nöldeke, Kunstdenkmäler I, S. 638f.
  8. Abb.: Peßler, Höfe, S. 31 (C, D).

Zitierhinweis:
DI 36, Stadt Hannover, Nr. 77† (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di036g006k0007701.