Inschriftenkatalog: Stadt Hannover

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 36: Stadt Hannover (1993)

Nr. 45†? Nikolaifriedhof 1500

Beschreibung

Grabstein der Lucke Bekmann. Der quaderförmige Stein, der im 18. Jahrhundert auf der Friedhofsmauer lag, war nach dem Zweiten Weltkrieg noch vorhanden.1) Über seinen Verbleib ist jedoch nichts bekannt. Zeichnungen bei Grupen und Redecker zeigen den Stein auf der Friedhofsmauer. Oben auf dem Quader war ein an beiden Enden verdickter Balken ausgehauen, dem eine Rosette aufgesetzt war, in deren Mitte sich eine runde Vertiefung befand. Die eingehauene Inschrift verteilte sich auf die beiden Längsseiten und eine Querseite des Quaders. An das Ende der Inschrift auf der einen Längsseite schloß sich ein Wappenschild mit einer Waage an. Auf der anderen Querseite ein Wappenschild mit einem Kreuz, unter dem Querbalken rechts ein hakenähnlicher Gegenstand.

Inschrift nach der Abbildung bei Mahrenholtz und der Zeichnung bei Grupen.2)

Schriftart(en): Gotische Minuskel.

DI 36, Nr. 45 - Hannover, Nikolaifriedhof - 1500

 Historisches Museum, Hannover [1/1]

  1. MCV · / lucke bekman der / god gnade

Kommentar

Der Grabstein findet vor allem in der älteren Hannoverschen Literatur Erwähnung. Lange Zeit wurde er als ältester überlieferter Grabstein Hannovers angesehen, da man die Jahreszahl entsprechend dem Erscheinungsbild als 1105 las und die Ziffer V nicht als Multiplikator ansah. Schon Grupen äußerte in seiner Historia Ecclesiastica jedoch Zweifel an dieser Datierung und verwies darauf, daß die Schriftart und die deutsche Sprache der Inschrift nicht in das 12. Jahrhundert passen.3) Zu der Annahme, es handle sich um den ältesten Grabstein Hannovers, wird auch die eigentümliche Form des Steins Anlaß gegeben haben. Es hat den Anschein, als handle es sich um eine Zweitverwendung. Der ursprüngliche Verwendungszweck des Quaders bleibt fraglich.

Anmerkungen

  1. Hans Mahrenholtz, Der 1953 wiedergefundene Stein vom Nicolai-Friedhof mit der Jahreszahl MCV. In: HG NF 7, 1954, S. 145–148.
  2. Nach Grupen, Origines et Antiquitates, S. 10/11, war der Stein 3 Fuß (= 86 cm) lang und 1 Fuß 1 Zoll (= 30,6 cm) breit. Die Jahreszahl war nach Angabe Grupens 3 Zoll (= 7,2 cm) hoch.
  3. Grupen, Historia Ecclesiastica, Bd. 3, p. 930.

Nachweise

  1. Mahrenholtz (wie Anm1), Abb. S. 147f.
  2. Grupen, Origines et antiquitates, S. 11, Zeichnung S. 10/11.
  3. Hohmeister, Aufzeichnungen, S. 195.
  4. Grupen, Historia Ecclesiastica, Bd. 3, p. 930.
  5. Redecker, Bd. 1, fol. 40r (Zeichnung).
  6. Mithoff, Archiv, S. 12.

Zitierhinweis:
DI 36, Stadt Hannover, Nr. 45†? (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di036g006k0004509.