Inschriftenkatalog: Stadt Hannover

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 36: Stadt Hannover (1993)

Nr. 14 Kreuzkirche um 1420

Beschreibung

Taufbecken. Bronze. Der runde Taufkessel wird von drei männlichen Figuren getragen, die jeweils auf ihrem linken Bein knien. Die Kesselwand ist durch fialengeschmückte Pfeiler in acht Felder unterteilt, die von krabbenbesetzten Bögen mit eingefügten Fünfpässen nach oben abgeschlossen werden. Unter den Bögen stehen auf Sockeln sieben nahezu vollplastische Heiligenfiguren: Andreas mit Buch, Matthäus mit Buch, Gertrud von Nivelles mit Krone und Kirchenmodell, Nikolaus in bischöflicher Kleidung mit Mitra, Katharina mit Rad, Bernward in bischöflicher Kleidung mit Mitra sowie Thomas mit Stab und Buch; im achten Feld befindet sich eine Kreuzigungsdarstellung, Maria und Johannes unter dem Kreuz mit Titulus (A). Ein um den unteren Rand des Kessels verlaufendes Schriftband bezeichnet die Darstellungen in den acht Feldern (B). Es wird jeweils durch die Sockel der die Bildfelder begrenzenden Pfeiler unterbrochen. Links von der Figur des heiligen Nikolaus stört der in das Schriftband hineinragende Sockel die Inschrift, so daß von dem ersten Buchstaben des Heiligennamens nur noch der zweite Schaft zu sehen ist. Um den oberen Rand der Taufe verläuft ebenfalls ein Schriftband mit der Inschrift C. Die Buchstaben beider Schriftbänder heben sich glatt vom schraffiertem Grund ab. Als Worttrenner dienen herzförmige Blätter, die auf dem Schriftband C im Wechsel mit Rauten stehen.

Maße: H.: 92,5 cm (ohne Deckel); Du.: 87 cm; Bu.: 2,5 cm (A), 3 cm (B, C).

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien in gotischer Majuskel.

  1. A

    inri

  2. B

    andreas S(anctus) mathehusa) Gerdrudis · s(an)c(tus) [n]ycolaus · s(an)c(t)a · katerina ber(n)ward(us) sa(n)ctus · thomas · maria · ih(es)us · ioh(ann)es

  3. C

    Asperges · me · d(omi)ne · ysopo · et · mu(n)dabor · lauabis · me · et · super · niue(m) · de · albaborb)1) Uidi · aqua(m) · eg(re)die(n)te(m) · de · te(m)plo · a late(re) · dext(ro) · alta(ris) · et · om(ne)s · ad · q(uo)s · p(er)ue(n)it · aq(ua) · ista · salui · f(a)c(t)i · su(n)t ·2)

Übersetzung:

Du besprengst mich, Herr, mit Ysop, und ich werde gereinigt werden; du wirst mich waschen, und ich werde weißer werden als der Schnee. Ich sah das Wasser beim Tempel auf der rechten Seite des Altars hervortreten, und alle, zu denen dieses Wasser gelangte, wurden gerettet. (C)

Kommentar

Die enge stilistische Verwandtschaft zu der Taufe in der Stiftskirche St.Alexandri in Einbeck, auf der sich ein Künstler namens Hennyngus Regnerus nennt, macht es wahrscheinlich, daß auch die Taufe der Kreuzkirche von demselben Künstler stammt. Habicht vermutet dessen Werkstatt in Hildesheim und weist dort einen Bürger Henning Rengher für die Jahre 1421, 1422 und 1427 nach.3)

Textkritischer Apparat

  1. Sic!
  2. dealbabor irrtümlich durch einen Worttrenner unterbrochen.

Anmerkungen

  1. Ps. 50, 9 (G).
  2. Nach Ez. 47.
  3. Habicht, Gotische Kunst, S. 259f.

Nachweise

  1. Mithoff, Archiv, S. 12, Tafel VIII (Zeichnung, C).
  2. Ders., Kunstdenkmale, S. 74 (C).
  3. Nöldeke, Kunstdenkmäler I, S. 148 (C).

Zitierhinweis:
DI 36, Stadt Hannover, Nr. 14 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di036g006k0001404.